„Das Ende der Paraden“ von Ford Madox Ford als Hörspiel

Ein Sittenbild vom Untergang der britischen Oberschicht in Verbindung mit den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs

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. Längst als Meisterwerk der Literaturgeschichte betrachtet, brachte Ford Madox Ford in seiner Tetralogie „Das Ende der Paraden“ ein Sittenbild vom Untergang der britischen Oberschicht in Verbindung mit den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs. Nun liegen die lange vergriffenen Werke, bestehend aus den Bänden „Manche tun es nicht“, „Keine Paraden mehr“, „Der Mann, der aufrecht blieb“ und „Zapfenstreich“, in Neuauflagen bei Galiani, Berlin vor. Weitere Aufmerksamkeit erhielt das Werk durch eine TV-Miniserie mit Benedict Cumberbatch als Gentleman Christopher Tietjen.

Dessen Erlebnisse gibt es nun auch in einer Hörspielfassung. In mehrfacher Hinsicht gerät der Aristokrat (Stefan Merki) 1914 zwischen die Fronten. Seine intrigante, untreue Ehefrau Sylvia kann und will er nicht verlassen, obwohl sie ihn stets der Lächerlichkeit preis gibt. Hier sieht sich Titjen in seinem Moralkodex gefangen. Zur Suffragette Valentine Wannop (Wiebke Puls) fühlt sich der Gentleman zwar hingezogen, doch letztlich hält er Distanz zu ihr. Seinen verächtlichen Gegnern genügt diese Zuneigung, um ihm eine Affäre anzudichten. Selbst auf dem Schlachtfeld sieht er sich stärkeren Ranggefechten als der Gefahr des drohenden Todes ausgesetzt.

Im vierten und letzten Buch als Vorlage zur siebten Folge steht nach Tietjens Tod dessen Sohn im Mittelpunkt. Währendessen spinnt weiterhin Sylvia, großartig von Bibiana Beglau als geifernde Furie interpretiert, ihre Fäden. Jens Harzers sanfte Erzählerstimme steht im Kontrast zur den bitteren Salongefechten.

Bei dieser sezierenden Gesellschaftsanalyse einer Ära im Umbruch fielen lediglich die Musikeinlagen gewöhnungsbedürftig aus, die sich durch die fast sieben Stunden ziehen. Im Hinblick auf den Rhythmus der Exerzierschritte legte sie Regisseur Klaus Buhlert als Mischung aus Dialogfetzen, Kammermusik und stampfend-elektronischer „Neue Deutsche Welle“-Beats an.