„Art Wolfe – Die Jagd nach dem perfekten Bild“ von Wolfe/Sheppard

Bei einem Tanzritual in den Bergen von Papua Neu Guinea gelang dem amerikanischen Fotografen Art Wolfe diese Aufnahme, die dem hier vorgestellten Band entstammt. Foto: Art Wolfe

Auf der Jagd nach dem Wunder: In einem kommentierten Bildband gewährt Starfotograf Art Wolfe erstmals Einblicke in seine Arbeitsweise.

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. Er war einer der ersten, die Tibet bereisen durften. Er floh vor Tigern, wäre mehrmals fast erfroren und bei Aufnahmen in der kanadischen Arktis rettete er gestrandete Weißwale. Zählt man die Tage zusammen, die der legendäre Natur- und Kulturfotograf Art Wolfe zu Hause in Seattle verbringt, kommt man auf nur etwa drei Monate im Jahr. Den Rest der Zeit fliegt er durch die Welt, hält Workshops oder Vorträge.

Vor allem aber macht er neue Fotos, am liebsten an abgelegenen Orten. Art Wolfe hat den Ehrgeiz, dem Betrachter nicht gesehene oder so noch nicht gesehene „Wunder der Erde“ zu zeigen. Zum Beispiel die Asaro-Schlammmenschen in Papua-Neuguinea, die der westlichen Welt bis ins 20. Jahrhundert hinein unbekannt waren. „Ich mag es, wenn Leute meine Arbeit ansehen und emotional berührt werden.“ Das sei das beste Kompliment, das er bekommen könne, das treibe ihn nach wie vor an.

Nah dran sein muss man für Bilder, die eine solche Wirkung erzielen, und manchmal braucht es eine Eintrittskarte in die Welt der indigenen Völker: Nachdem er einem Stamm aus dem Volk der Dani (Westneuguinea) zwei Schweine geschenkt hatte, wurde er herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen und konnte ungestört fotografieren.

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Rund 200 seiner besten Aufnahmen aus den letzten vierzig Jahren versammelt „Art Wolfe – Auf der Jagd nach dem perfekten Bild“: etwa ein Flusspferd inmitten eines Flamingoschwarms, bemalte Elefanten, Vulkane, Schamanen, Voodoo-Feuerzeremonien, Polarlichter und andere Naturphänomene.

Dank der chronologischen Ordnung lässt sich die Entwicklung von Wolfes Stil gut verfolgen. Dazu gibt der preisgekrönte Fotograf, der auf allen Kontinenten gearbeitet und mehr als sechzig Bildbände veröffentlicht hat, erstmals persönliche Einblicke in sein Werk. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute sich eher für die Entstehungsgeschichte eines Bildes interessierten, als für das Bild selbst.

Art Wolfes persönliche Kommentare schulen das Auge. Beim zweiten Betrachten eines Fotos erkennt und versteht man erheblich mehr als vorher. Wolfe gibt auch technische Details preis, etwa, dass er an der Kamera stets einen sehr hohen ISO-Wert einstellt. So gelingt es ihm, auf dem Foto eines Bären bei der Lachsjagd jeden einzelnen Wassertropfen einzufrieren.

Oftmals sind Art Wolfes Bilder von der Kunstgeschichte inspiriert, was mit seiner früheren Erfahrung als Maler zu tun hat. Überhaupt will er die Welt nicht in buchhalterischer Manier dokumentieren, sondern als Künstler vor allem schöne und aufregende Bilder kreieren. „Ich fotografiere, als würde ich die Szene vor mir malen.“ Die Eltern des 1951 geborenen Amerikaners waren ebenfalls Künstler.

Was ein Foto allerdings nie vermittelt, sind Klänge und Gerüche: „Den Geruch von Hunderttausenden von Pinguinen werde ich garantiert nie vergessen. Der Klang der Vögel, das Trompeten der erwachsenen Tiere, wird mich ewig begleiten.“ Womit der Fotograf damals in der Antarktis nicht gerechnet hatte, war die Neugier der Pinguine: „Oft war ich am Knipsen, und plötzlich wurde das gesamte Bildfeld weiß. Wenn ich dann aufblickte, hatte ich einen Kaiserpinguin über mir emporragen, der seine Federn vor mein Objektiv drückte.“

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Dieser Bildband ist so etwas wie ein Destillat aus Wolfes bisherigem fotografischen Schaffen, gewürzt mit Anekdoten, Angaben zur Ausrüstung und jeder Menge Profi-Tipps: Wie belichtet man ein Bild, das sehr viel Schwarz enthält? Was ist zu tun, wenn das Licht durch schnell ziehende Wolken ständig wechselt?

Es ist spannend, Art Wolfe auf seinen Streifzügen mit der Kamera zu begleiten und seinem Werk mit neuem Blick zu begegnen. Am Ende hat man das Gefühl, den Künstler wie einen Freund kennengelernt zu haben.