Was die Museen in Frankfurt und der Region 2023 planen

Niki de Saint Phalle auf einer Fotografie, die 1969 in Luzern aufgenommen wurde. Die Frankfurter Schirn widmet der französisch-amerikanischen Künstlerin 2023 eine große Retrospektive.

Niki de Saint Phalle, Lyonel Feininger, Kirchner, deutsche Renaissance und der „Urknall der Kunst”: Ein Überblick zu Ausstellungshighlights des Jahres.

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Frankfurt. Ein neues Kunstjahr steht bevor – und 2023 warten die Museen in Frankfurt und der Region mit spannenden Ausstellungen auf. Unser Überblick stellt die wichtigsten Highlights vor.

Frankfurt: Schirn zeigt Niki de Saint Phalle, Städel Renaissancekunst

In der Main-Metropole beginnt das Kunstjahr mit einem Paukenschlag: Die Frankfurter Kunsthalle Schirn widmet sich Niki de Saint Phalle (1930-2002). Die Malerin und Bildhauerin gilt als Hauptvertreterin der europäischen Pop-Art und ist eine der bekanntesten Künstlerinnen ihrer Generation – wobei den meisten vor allem ihre „Nanas” vor Augen sein dürften: Große, bunte Frauenfiguren, die zu ihrem Markenzeichen wurden. Dass ihr Werk auch viele andere Facetten hat, zeigt die Schirn vom 9.2. an. Im Herbst dreht sich dann alles um einen Klassiker der modernen Kunst: Vom 27.10. an zeigt die Schirn eine Retrospektive zu Lyonel Feininger. Zuvor nimmt „Plastic World” (ab 22.6.) unsere Beziehung zum Kunststoff in den Blick.

Hans Burgkmairs Gemälde "Bildnis der Barbara Schellenberger" (1507) ist ein Beispiel für die Renaissance im Norden, der sich das Städel in Frankfurt 2023 widmet.
Hans Burgkmairs Gemälde "Bildnis der Barbara Schellenberger" (1507) ist ein Beispiel für die Renaissance im Norden, der sich das Städel in Frankfurt 2023 widmet. (© Rheinisches Bildarchiv Köln)

Im Städel dürfte die spannendste Schau die Ausstellung „Diesseits. Renaissance im Norden” (ab 2.11.) werden. Werke von Hans Holbein, Hans Burgkmaier und anderen zeigen, wie der neue Geist sich nördlich der Alpen durchsetzte. Zuvor widmet sich das Städel in „Italien vor Augen” (ab 23.2.) frühen Fotografien heutiger Sehnsuchtsorte und stellt mit „Herausragend!” die Kunstgattung Relief ins Zentrum, mit Arbeiten von Rodin bis Picasso.

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Wiesbaden: Kunst der Moderne und ein neues Museum

Das wohl wichtigste Kunstereignis in Wiesbaden ist die Eröffnung des neuen Museums Reinhard Ernst (mre): Ursprünglich noch für Herbst 2022 geplant, musste sie wegen Lieferverzögerungen bei Bauteilen für den von Fumihiko Maki entworfenen Neubau verschoben werden. Voraussichtlich im Sommer soll das Haus, das vor allem abstrakte Kunst aus der Sammlung des Museumsstifters Reinhard Ernst zeigen wird, seine Pforten öffnen. Die erste Sonderausstellung ist Star-Architekt Maki gewidmet.

Das Landesmuseum Wiesbaden widmet sich in gleich zwei hochkarätigen Ausstellungen der Kunst der Moderne: „Weltflucht und Moderne: Oskar Zwintscher in der Kunst um 1900” (ab 3.3.) stellt einen Künstler in den Mittelpunkt, dessen ungewöhnliche, oft strenge Bilder schon zu Lebzeiten große Anerkennung und heftige Ablehnung hervorriefen. Und bei „Gemischtes Doppel” geht es um zwei Künstlerpaare – Margarete und Oskar Moll und Mathilde und Hans Purrmann – die zu wichtigen Katalysatoren der europäischen Avantgarde wurden (ab 13.10.).

Oskar Zwintscher: "Bildnis der Frau des Künstlers" (1901). Das Museum Wiesbaden widmet sich dem Künstler 2023.
Oskar Zwintscher: "Bildnis der Frau des Künstlers" (1901). Das Museum Wiesbaden widmet sich dem Künstler 2023. (© Städtische Galerie im Lenbachhaus München)

Und dann ist da noch ein etwas nachgezogenes Jubiläum: 2022 wurde die in Wiesbaden geborene globale Kunstbewegung Fluxus 60 Jahre alt: Weil der Wiesbadener Kunstsommer nur alle zwei Jahre stattfindet, steht Fluxus nun vom 1.6. bis 23.7.2023 bei zahlreichen Veranstaltungen im Mittelpunkt. Im Nassauischen Kunstverein geht die dortige Fluxus-Show jedoch schon zu Ende, hier übernimmt ab dem 27.1. die Performance-Künstlerin Annika Kahrs.

Darmstadt und Südhessen: Picasso trifft auf Höhlenmalerei

Im Landesmuseum Darmstadt geht der Blick erst zurück in die Steinzeit, dann zurück in eine Zukunft, wie man sie sich nach dem Krieg ausmalte. Die Schau „Urknall der Kunst – Moderne trifft Vorzeit“ (24.3. bis 25.6.) konfrontiert Höhlenmalerei mit Werken von Größen wie Beuys, Miró und Picasso, die sich von den magisch anmutenden Paläo-Galerien inspirieren ließen. „Into the Future! Visionen und Designer der Fünfziger und Sechziger“ (ab 22.9.) untersucht ab Herbst, wie die Begeisterung für Weltraumfahrt und Atomtechnik in bunten Alltagsobjekten Gestalt annahm.

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Ob es auf der Mathildenhöhe nach 2012 mal wieder eine große Ausstellung zu sehen gibt? Geplant ist im Sommer zur Wiedereröffnung der sanierten Hallen eine Schau aus der kommunalen Kunstkollektion. Aber das war auch schon 2022 der Plan. Einen gesicherten Termin gibt es immer noch nicht.

Joan Mirós "Les Agulles del Pastor" (1973) wird in der Ausstellung "Urknall der Kunst" im Landesmuseum Darmstadt zu sehen sein.
Joan Mirós "Les Agulles del Pastor" (1973) wird in der Ausstellung "Urknall der Kunst" im Landesmuseum Darmstadt zu sehen sein. (© VG Bild-Kunst Bonn)

Die Darmstädter Kunsthalle am Steubenplatz zeigt vom 2.4. bis 30.7. Malerei, Skulptur und Videoarbeiten von Marco Schuler, der vor allem in Freiburg und dem Markgräfler Land arbeitet.  „Wow wow“ heißt es dann ab September in der Kunsthalle, was sich lautmalerisch als wauwau übersetzen lässt, denn es geht um Tiere in der zeitgenössischen Kunst.

Die Opelvillen Rüsselsheim präsentieren Fotografie im Doppel: „Frieda Riess und Yva“ (19.2. bis 4.6.) zeigt 130 Werke von zwei vergessene Pionierinnen innovativer Bildgestaltung. Riess (1890-1957) hatte eine Nähe zur expressionistischen Malerei. Else Ernestine Neuländer-Simon, alias Yva, (1900-1942) war eine erfolgreiche Mode- und Werbefotografin mit Faible für avantgardistische Techniken. Wie eine Jugendzeitschrift das Image von Stars und Sternchen prägte, zeigen die Opelvillen in der Ausstellung „Bravo-Starschnitte. Eine Sammlung von Legenden“ (25.6. bis 1.10.).

Wetzlar und Marburg: Fotokunst von Alberto Venzago

Porträts internationaler Stars wie Tina Turner, Mick Jagger oder Andy Warhol, Dokus zur organisierten Kriminalität der Yakuza in Japan oder dem Voodoo-Kult: Das sind nur einige Aspekte aus dem Werk des Schweizer Fotografen und Bildjournalisten Alberto Venzago. In der Retrospektive „Alberto Venzago: Stylist der Wirklichkeit” widmet sich ihm das Ernst Leitz Museum in Wetzlar 2023 (ab 9.3.). Im Sommer wird es dort zudem eine Einzelausstellung zum britischen Starfotografen Rankin geben.

Andy Warhol, posiert vor dem Bild "Little Electric Chair" auf einer Fotografie von Alberto Venzago, dem das Ernst Leitz Museum in Wetzlar 2023 eine Ausstellung widmet.
Andy Warhol, posiert vor dem Bild "Little Electric Chair" auf einer Fotografie von Alberto Venzago, dem das Ernst Leitz Museum in Wetzlar 2023 eine Ausstellung widmet. (© Alberto Venzago)

Unterdessen geht es im Kunstmuseum Marburg bei „Architecture Transformed” ab 10.2. darum, wie die Möglichkeiten digitaler Bilder das Entwerfen und und Visualisieren von Architektur verändert haben.

Mainz und Ingelheim: Umbrüche und wichtige Fragen

In Mainz stehen die Zeichen 2023 auf Umbruch: Im März wird das neue Leibniz-Zentrum für Archäologie(LEIZA) eröffnen, in dem das frühere Römisch-Germanische Zentralmuseum aufgeht. Erstmal wird dort jedoch vor allem geforscht, den Museumsflügel mit neuer Dauerausstellung können Besucher voraussichtlich ab 2024 besichtigen.

Bewegte Zeiten kommen auch auf das Gutenberg-Museum zu: Bis Ende 2023 sollen Highlights der dortigen Sammlung wie die Gutenberg-Bibeln in das Zwischenquartier im Naturhistorischen Museum übersiedeln, wo das Haus 20 Prozent der aktuellen Ausstellungsfläche belegen darf. Die restlichen Objekte (etwa eine halbe Million) werden in geeigneten Depots untergebracht. Die Auslagerung ist ein Schritt auf dem Weg zum Neubau für das Gutenberg-Museum der, wenn alles glattläuft, 2026 eröffnet. Zuvor zeigt das Haus im jetzigen Bau noch Sonderausstellungen, etwa die Kabinettschau „Unsere Schönsten... Nianhuas” mit farbigen Holzdrucken aus China (ab 24.1.) oder eine Schau der Stadtdruckerin Veronika Weingärtner (ab 24.5.).

Ernst Ludwig Kirchners Bild "Ansicht der Stafelalp" (1919) wird 2023 Teil der Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim sein.
Ernst Ludwig Kirchners Bild "Ansicht der Stafelalp" (1919) wird 2023 Teil der Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim sein. (© Privatsammlung )

Das Landesmuseum Mainz widmet sich dem Kupferstich: „Liniengefüge” (ab 15.3.) heißt eine Schau, die Arbeiten des zeitgenössischen Künstlers Anton Würth mit historischen Kupferstichen von Dürer und Runge zusammenbringt. Bei „Kunst trifft Archäologie” (ab 22.4.) wiederum trifft moderne Bildhauerei auf archäologische Exponate.

In der Kunsthalle Mainz geht es 2023 um wichtige Fragen: Bei „What is it Like to be a Bat” (ab 16.3.) fragen Kunstkolletive wie Zheng Maler aus Hong Kong oder Metahaven, ob Objektivität möglich ist, oder wir immer in persönlichen Perspektiven befangen sind. Und bei „Anderes Wissen” (ab 29.6.) befassen zeitgenössische Künstler sich mit der Künstlerin und Forscherin Olga Fröbe-Kapteyn (1881-1962) und beleuchten die Frage, ob alternative Wissenssysteme zu einer lebenswerten und gerechten Zukunft führen könnten. Ein weiteres Highlight bieten die Internationalen Tage Ingelheim: Vom 30.4. bis 9.7. geht es dort um „Brücke”-Künstler Ernst Ludwig Kirchner.

Mannheim und Speyer: Klimakrise und Ludwig I.

Auch in Mannheim eröffnet 2023 ein neues Museum, das ursprünglich 2022 öffnen sollte: Das Museum Peter & Traudl Engelhornhaus. Als eine der ersten Ausstellungen soll dort „Herzklopfen” mit zeitgenössischer Glaskunst von Chagall bis Toots Zynsky zu sehen sein. Die Kunsthalle Mannheim beleuchtet unterdessen in „1,5 Grad” (ab 7.4.), wie die Klimakrise auf alle Lebensbereiche Einfluss nimmt.

Das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt noch bis April die große Habsburger-Schau und widmet sich dann mit „König Ludwig I. – Sehnsucht Pfalz” (ab 1.10.) den Spuren, die der bayerische Herrscher in der Region hinterlassen hat. Zudem präsentiert es unter dem Titel „Kreuz und Krone” das neu gestaltete Dom- und Diözesanmuseum.