Tag des Denkmals: Schöne Spuren der Vergangenheit in Darmstadt

Die Kunsthalle Darmstadt feiert den Denkmaltag mit einem Sommerfest. Archivfoto: André Hirtz

Am Sonntag öffnen historische Orte in Darmstadt ihre sonst verborgenen Winkel. Dabei gibt es einiges zu sehen, und die Kunsthalle veranstaltet auch noch ein Sommerfest.

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DARMSTADT. In Zeiten der Zerstörung von Kulturdenkmälern durch Katastrophen und Kriege erhalten geschichtsträchtige Bauten und Orte wieder zunehmend an Bedeutung. Ihre Bewahrung und Pflege wird verstärkt von Politik und Bevölkerung in den Fokus gerückt. Der Tag des offenen Denkmals sei inzwischen "eine der erfolgreichsten Kulturveranstaltungen Deutschlands", so die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die den Denkmalstag seit 1993 alljährlich an jedem zweiten Sonntag im September koordiniert.

Geöffnet werden sowohl öffentliche als auch private Gebäude, im Europäischen Kulturerbejahr 2018 unter dem Motto "Entdecken, was uns verbindet". Aber der Denkmalsbegriff ist noch weiter gefasst: Außer historischen Gebäuden schließt er auch archäologische Stätten und Parkanlagen ein.

Nicht immer sind besonders schützenswerte Gebäude für den Publikumsverkehr zugänglich, deshalb lohnt sich ein Blick in den üppigen Veranstaltungskalender, der mehr als 7500 Objekte aus 2500 Städten listet. Es werden Führungen und einmalige Sonderführungen angeboten, manchmal mit wissenschaftlichem und kulturellem Rahmenprogramm.

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In Hessen beteiligen sich nicht nur alle großen Städte von Kassel bis Darmstadt, sondern auch die kleineren Gemeinden. Übersichtlich ist die Website nach Bundesländern und Kreisen gegliedert. Schnell entdeckt man kleinere Orte, Museen oder Kirchen. Das sonst nicht zugängliche Schloss Lichtenberg in Fischbachtal etwa, ursprünglich eine mittelalterliche Burg, das 1570 im Auftrag von Georg I. von Hessen-Darmstadt durch den Architekten Jakob Kesselhut zum Renaissance-Schloss mit Kaisersaal und Schlosskapelle ausgebaut wurde (geöffnet von 13 Uhr bis 17 Uhr, Führung 13 und Familienführung 14 Uhr).

In Darmstadt verbindet das ehemalige Künstlerwohnhaus Vahle (geöffnet 11.30 bis 13 und 15 bis 18 Uhr) um 11.30 Uhr gleich eine Vernissage mit Malerei der Darmstädterin Ulrike Rothamel und Mary Imhof (Schweiz) mit dem Denkmalstag, am Nachmittag führt Christiane Klein durch das ehemalige Atelierhaus von 1960 (Schumannstraße 11). Ebenfalls neue, in der Nachkriegszeit progressive Architektur weist der Bau der 1957 eröffneten Kunsthalle auf. 1968 erweitert, steht er ganz in der Tradition der klassischen Moderne mit seiner puristischen, funktionell ausgerichteten Stahl-Glas-Konstruktion. Es war der Darmstädter Architekturprofessor Theo Pabst, der sich 1955 bei dem für die Kunsthalle ausgeschriebenen Architekturwettbewerb mit seinem Entwurf durchsetzte.

Die weiteren Stationen in Darmstadt: Durch den Erinnerungsort Liberale Synagoge führen um 15 Uhr Schülerinnen und Schüler der Lichtenbergschule Darmstadt. Das 1898 erbaute Bahnbetriebswerk des Rangierbahnhofes Kranichstein, heute Eisenbahnmuseum, bietet Führungen mit Einblicken in einige sonst verborgene Räume und durch die Fahrzeugsammlung.

Auf der Mathildenhöhe gibt es die Möglichkeit, von 11 bis 18 Uhr kostenlos das historische Ernst-Ludwig-Haus (1901, seit 1990 Museum Künstlerkolonie) zu besuchen. Dort wird derzeit die Sonderausstellung "Ulla von Brandenburg – Der Regung Regel" sowie die Ständige Sammlung unter dem Titel "Raumkunst – Made in Darmstadt" präsentiert. Außerdem ist um 15 Uhr eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung von Brandenburgs vorgesehen.

Die Johanneskirche, Matthäuskirche (Heimstättensiedlung), Innenstadtkirche St. Ludwig, St. Elisabeth-Kirche (Herrngarten) und Pauluskirche sind zu besichtigen, die Bessunger Kirche feiert 50 Jahre Beckerath-Orgel mit Führung (15 Uhr) und Konzert. Die Universitäts- und Landesbibliothek (11 bis 17 Uhr) öffnet die sonst nicht zugänglichen Bereiche wie Werkstätten, unterirdische Magazine und das Digitalisierungszentrum.