Nachruf auf den Historiker Stefan Weinfurter

Professor Stefan Weinfurter ist mit 73 Jahren gestorben. Archivfoto: hbz / Stefan Sämmer

Der in Mainz lebende Mittelalter-Experte, Ausstellungsmacher, Wissenschaftler und Autor Professor Dr. Stefan Weinfurter ist mit 73 Jahren gestorben.

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MAINZ. Er war einer der renommiertesten Mittelalterexperten in Deutschland und gern gesehener Gast in vielen historischen Fernseh-Dokumentationen, unter anderem als Berater für die ZDF-Doku-Reihe „Die Deutschen“. Seine Bücher über „Heinrich II.“, „Karl der Große. Der heilige Barbar“, oder „Canossa. Die Entzauberung der Welt“ avancierten nicht nur in Historiker-Kreisen zu Bestsellern. Stefan Weinfurter hatte zudem neben Wissenschaft und Forschung eine besondere Leidenschaft – er wollte möglichst viele Menschen für das Thema Geschichte begeistern. Ihm gelang dies durch seine sympathische, allgemeinverständliche Erzählweise mit großem Erfolg. Seit den 1990er Jahren gab es wohl keine nennenswerte Mittelalterausstellung, an der er nicht federführend beteiligt war. Seine große Salier-Ausstellung in Speyer lockte allein 400 000 Besucher. Fünf Jahre lang hat er die Päpste-Schau der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim mit vorbereitet, die 2017 wertvolle Schätze aus 1500 Jahren Papst-Geschichte zeigte.

Professor Stefan Weinfurter ist mit 73 Jahren gestorben. Archivfoto: hbz / Stefan Sämmer
Brachte in der Reihe „Die Deutschen“ TV-Zuschauern Geschichte nahe: der Historiker Stefan Weinfurter. Archivfoto: rem

Stefan Weinfurter wurde am 24. Juni 1945 im tschechischen Prachatitz (Böhmen) geboren und wuchs in München auf. Von 1987 bis 1994 lehrte er an der Mainzer Universität als Professor für Mittelalter, anschließend in München und Heidelberg, blieb aber wohnhaft in Mainz, das ihm längst eine liebgewonnene Heimat geworden war. Vor allem die historischen Orte entlang der Schum-Städte und Kaiserdome in Speyer, Worms und Mainz hatten ihn besonders fasziniert: „Hier pulsiert das Mittelalter. Sie spüren es überall in der Region, wenn Sie nur die Gebäude, die Burgen, die Dome, die Kirchen und die Klöster betreten.“

Aktuell arbeitete er an einer großen Mittelalter-Ausstellung, in der die historische Bedeutung seiner zweiten Heimat herausgestellt werden soll: „Viele verbinden Aachen mit Karl dem Großen, aber tatsächlich konzentrierte er seine herrschaftliche Macht lange Zeit in der Region zwischen Ingelheim und Worms.“ Über vier Jahrhunderte war für Weinfurter Mainz das bedeutendste Zentrum im Mittelalter, „allerdings ist das vielen Mainzern gar nicht bewusst“.

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Das wollte er unbedingt ändern und mit einmaligen Ausstellungsstücken, die vermutlich zum letzten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden können, die Menschen der Region für ihre Geschichte sensibilisieren. „Wenn wir genau hinschauen, erkennen wir, dass wir Zwerge sind auf den Schultern von Riesen, und wir müssen einsehen, dass wir unser heutiges kulturelles und gesellschaftliches Fundament den früheren Generationen verdanken.“

Mitten in den Vorbereitungen zur geplanten Mittelalter-Ausstellung, die am 11. September 2020 unter dem Titel „Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa. Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Mainzer Landesmuseum der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) eröffnet werden soll, verstarb Stefan Weinfurter an einem Herzversagen. Er war seit 1970 verheiratet und Vater dreier Töchter.

Von Michael Bonewitz