Maler Bernd Raab zeigt aussagefähigen „Querschnitt“ im...

Das großformatige Aquarell „Altes Scheunentor mit Handwagen“ wurde in senkrechter Lage hergestellt. Fotos: Schultz

In der lauschigen Anlage kann man stets Ruhe finden, im Grünen und im Schatten. Doch aktuell ist auch wieder Kunst im Dormitorium zu erleben.

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KLOSTER ARNSBURG. KLOSTER ARNSBURG. In der lauschigen Anlage kann man stets Ruhe finden, im Grünen und im Schatten. Doch aktuell ist auch wieder Kunst im Dormitorium zu erleben. Der Maler Bernd Raab zeigt einen aussagefähigen „Querschnitt“ durch sein beachtliches Schaffen. Die Schau erfreut durch ihre Vielfalt und ansehnliches handwerkliches sowie expressives Niveau.

Das großformatige Aquarell „Altes Scheunentor mit Handwagen“ wurde in senkrechter Lage hergestellt. Fotos: Schultz
Raab arbeitet auch mit Mischtechniken und verwendet dabei körnige Materialien.

Zur Eröffnung hieß Raab selbst seine Gäste willkommen und gab eine kurze Einführung in sein Werk und seine Techniken, Artur Knorr vom Freundeskreis Kloster Arnsburg e. V. sprach ein Grußwort und dankte dem Künstler bei dieser Gelegenheit für ein Geschenk: Raab überlässt ein Gemälde mit Motiven aus den Klosterkomplex dem Freundeskreis, um die Sanierung des Gebäudedachs zu fördern.

Bernd Raab, Jahrgang 1950, stammt aus Höchst bei Nidda. Nach der Volksschule begann er seine Ausbildung zum Fliesenleger und war in diesem Handwerk jahrelang aktiv, bis 1984, und ahnte noch nichts von seinen künstlerischen Ambitionen. Dann machte er sich selbstständig und war hernach als Vertreter für Baumaterialien tätig, von wo er in die Fliesenindustrie gelangte. 1986, mit inzwischen bestandener Meisterprüfung, zog er als Handelsvertreter für italienische Fliesen nach Italien; seine Spezialität waren Fliesen und Natursteinnachbildungen, „die damals für die Innenausstattung sehr gefragt waren“. Das war alles mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden. „Damals mussten die Fliesenleger noch den Mörtel selbst herstellen und auch schleppen“, erinnert er sich, und seiner untersetzten Figur sieht man die erhebliche körperliche Kraft immer noch deutlich an. Ungefähr 1989 begann Raab erstmals zu malen. Irgendwann bei einer Besprechung bei einem italienischen Fliesenhersteller regte ihn ein Gemälde von Giorgio Morandi dazu an, ganz entspannt etwas zu skizzieren. „Damit fing dann alles ganz langsam an“, sagt Raab.

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Lag das in der Familie? „Irgendwie schon, mein Opa war jedenfalls Hobbymaler“, erinnert sich Raab. Und wie gelangte er nun konkret zur Malerei? „Das begann bei einem Sylturlaub. Dort gab es auf dem Campingplatz eine kleine Malschule, hab ich erfahren. Da bin ich gleich hin und hab teilgenommen“, erinnert er sich noch voller Elan. Die Leidenschaft wuchs, und er erweiterte fortan ständig seine Fähigkeiten, indem er bei professionellen Künstlern Kurse in verschiedenen Fächern belegte. 2017 beendete er sein Vertreterdasein und widmete sich nun ganz und gar der Malerei. Sein Wohnsitz in Deutschland blieb stets Altenstadt bei Nidda.

„Für mich war der Ursprung von allem das Aquarell“, sagt Bernd Raab, „und es begeistert mich noch heute“. Im Dormitorium sieht man zum einen großformatige abstrakte Acrylbilder, die mit kraftvollen Farbflächen, ingeniösen Nuancen und einem insgesamt sicheren Umgang mit der Komposition kraftvoll auftreten; eine Prägnanz, die einigen Bildern fehlt. Zudem arbeitet Raab teilweise mit ergänzenden körnigen oder pulverigen Materialien wie Sand, was den Arbeiten eine gewisse Räumlichkeit und andersartige Struktur verleiht, mit dem Spachtel eingekratzte Furchen sorgen für zusätzliche Stimulation des Betrachters: Raab schafft keine Beruhigungskunst.

Seine Leidenschaft fürs Aquarell ist unübersehbar in einigen größeren Arbeiten, der kraftvollen Expressivität im Triptychon „Fantasie in Blau“ zum Beispiel. Heraus ragt in mehrerer Hinsicht das großformatige Aquarell „Altes Scheunentor mit Handwagen“, das ausnahmsweise in senkrechter Lage hergestellt wurde. Hier reizte Raab die Herausforderung, die ungewöhnliche Arbeitsweise (Aquarelle werden gewöhnlich mit flüssiger Farbe liegend gemalt). Es musste also „mit fast trockenem Pinsel gemalt werden“, sagte Raab. Das Ergebnis ist zunächst verblüffend und überzeugt dann mit ganz sicherer Farbkomposition und Lichtgestaltung.

Zwei wichtige Werkgruppen widmen sich Motiven aus Sylt und Irland. Hier beweist Raab eine ungewöhnlich treffende, ausdrucksvolle Sicht für Landschaften und ihre Stimmung, die er in leicht abstrahierter Sicht zeigt. Ein paar naturalistische Arbeiten („Distance“) fallen dagegen stark ab – Ausnahmen. Es ist eine sehenswerte Schau.

Noch bis zum 9. August im Dormitorium des Klosters Arnsburg. Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr.