Kurzfilmwettbewerb in Darmstadt mit hochkarätiger Auswahl

Machtspiele im Riesenrad: Szene aus dem Kurzfilm „Nicole’s Cage“ mit Pheline Roggan und Marcel Mohab.  Foto: Skalarfilm  Foto: Skalarfilm

Seit 2003 veranstaltet der Studentische Filmkreis jährlich einen Kurzfilmwettbewerb, bei dem sowohl ein Jury- als auch ein Publikumspreis verliehen wird. Inzwischen in...

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DARMSTADT. Seit 2003 veranstaltet der Studentische Filmkreis jährlich einen Kurzfilmwettbewerb, bei dem sowohl ein Jury- als auch ein Publikumspreis verliehen wird. Inzwischen in „Filmkreis Shorts Programm“ umbenannt, wählte das Team für die vierte Auflage im Audimax der Technischen Universität aus 150 Beiträgen 13 Arbeiten aus. Dabei waren vom Kurzspielfilm über zwei Dokumentationen bis hin zu fünf Animationsfilmen im Grunde jedes Genre und jede Stilform vertreten.

Nicht alle Beiträge stammten aus Deutschland. Neben dem melancholischen Schweizer Legetrickfilm „Au Revoir Balthazar“ über die Jagd einer Vogelscheuche nach einer Muschel sorgten zwei amerikanische und belgische Werke für bissigen Humor. In „149th and Grand Concourse“ ließen Carolyn und Andy London in einer Mischung aus Dokumentation und Stop-Motion-Trick Straßenschilder, Hydranten oder Mülleimer in der South Bronx singen oder rappen, was gleichzeitig als Zeichen des steten Zerfalls diente. Noch düsterer karikierte „An American Dream“ Schießwut und Waffenfanatismus der Amerikaner.

Mit „Remue-Méninges“ / „Brainstrom“ über Erwartungshaltungen, Vorurteile und die Probleme, den ersten Schritt zu wagen, schnitt Christophe Chin die Gedankengänge eines zufälligen Paares im Park gegeneinander. Die sarkastische Satire „State of Emergency, Motherfucker!“ nahm Alltagsrassismus und den permanenten französischen Ausnahmezustand aufs Korn. Von der Polizeigewalt lassen sich zwei arabischstämmige Jugendliche beim Ausbreiten ihrer Aufreißer-Eskapaden nicht beeindrucken, was vom Auditorium mit reichlich Beifall quittiert wurde.

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Ebenso eindrucksvoll fiel „Nicole’s Cage“ als überspitzte Parabel auf Wohnungsnot und Beziehungsdifferenzen aus. Als ein junges Paar einen beweglichen Wohncontainer in einem Riesenrad bezieht, entspinnt sich an einem zusätzlich gelieferten Käfig ein fatales Spiel um Gehorsam und Abhängigkeit. Dem dreiköpfigen Entscheidungsteam war die perfekt ausgestattete Geschichte um ein doppeltes Gefängnis den Jurypreis von 400 Euro wert.

Bewerbungsschreiben für Hollywood

Debütregisseur Josef Bandl schaffte es als Setdesigner inzwischen ebenso nach Hollywood wie sein Kollege Andreas Feix. Dies verwundert nicht, denn Feixens „Citipati“ über den vergeblichen Überlebenskampf eines Dinosauriers wirkt in seiner Perfektion wie ein Bewerbungsschreiben für die US-Filmbranche. Dagegen erschien der zweite Trickfilm der Filmakademie Baden-Württemberg in seiner Reduktion als das genaue Gegenteil davon. Dass er letztlich den Publikumspreis von 200 Euro erhielt, lag gewiss auch daran, dass Co-Regisseur Iring Freytag als einziger der angeschriebenen Filmemacher zum Wettbewerb erschien.

Allerdings zählte der surreale, schwarzweiße „Child“ über ein Kind, das sich bei mühsamen Holzfällerarbeiten zum Erwachsenen wandelt, zu den besten Werken der ohnehin qualitativ hochwertigen Auswahl. Freytag bedankte sich, dass „die Auswahl auf ihn fallen musste“ – ein kleiner Lohn für seinen Abschlussfilm mit Viktor Stickel als Mischung aus Computertrick und Tuschezeichnung in zweieinhalbjähriger Arbeit.