Interessante Beardsley-Interpretationen im Blaudruck

Eines der von Helmut Reuter reizvoll interpretierten Werke des britischen Künstlers Aubrey Beardsley. Foto: Rieger

Helmut Reuter aus Cleeberg hat einzelne Grafiken aus dem Buch „Beardsley, sein zeichnerisches Werk“ vergrößert, auf Folie ausgedruckt und als Vorlage für seine Cyanotypien benutzt.

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CLEEBERG. CLEEBERG/WETZLAR. Der Cleeberger Amateurfotograf Helmut Reuter, in der Region bekannt geworden durch Ausstellungen seiner Fotogramme von vorwiegend Nudelbildern, zeigt aktuell im Foyer der Alloheim Senioren-Residenz Casino Wetzlar in der Kalsmuntstraße 68-74 sieben Cyanotypien zu Ehren des britischen Künstlers Aubrey Beardsley (1872 bis 1898).

„Für mich war das ein genialer Künstler mit einem faszinierenden zeichnerischen Werk“, bekennt der Cleeberger. Beardsley, der seit seiner Kindheit an Schwindsucht litt und infolge dieser Erkrankung nur 25 Jahre alt wurde, war Illustrator, Dichter, Grafiker und Karikaturist. Für seine Ausstellung hat Helmut Reuter einzelne Grafiken aus dem Buch „Beardsley, sein zeichnerisches Werk“ mit einem Bürodrucker vergrößert, auf Folie ausgedruckt und als Vorlage für die Cyanotypien verwendet. Durch dieses Verfahren kehren sich die Helligkeitswerte um. Bildelemente, die in der ursprünglichen Grafik schwarz sind, werden in der Cyanotypie weiß, und Bildelemente, die in der ursprünglichen Grafik weiß sind, werden in der Cyanotypie blau. Dadurch ergibt sich eine interessante Interpretation der Kunstwerke. Die Exponate stellen unter anderem Szenen aus der Legende vom Schwert Excalibur und aus der Sage von Königssohn Lancelot dar. Typisch für die Bilder von Aubrey Beardsley sind auch die vielfach organisch wirkenden und geschwungenen Linien in seinen Bildern.

Das Buch „Beardsley, sein zeichnerisches Werk“, sowie eine Beschreibung der Geschichte der Cyanotypie können in der Ausstellung angesehen werden. Die Cyanotypie gehört zu den fotografischen Edeldruckverfahren. Sie war das dritte Verfahren nach der Daguerreotypie und der Kalotypie zur Herstellung von stabilen fotografischen Bildern. Im Jahr 1842 entdeckte der englische Naturwissenschaftler und Astronom Sir John Herschel ein Verfahren zur Herstellung von stabilen Bildern. Er fand eine chemische Eisenlösung, bei der das Eisen unter UV-Licht blaue Kristalle bildet, das sogenannte „Berliner Blau“. Quellen für UV-Licht sind das Sonnenlicht, Gesichtsbräuner oder auch professionelle UV-Belichtungsgeräte. Die nicht zu Kristallen umgewandelte Lösung kann mit Wasser einfach ausgewaschen werden. Er nannte seine Methode Blaudruck oder Cyanotypie. Anders als bei modernen Silbergelatine-Prints entsteht das Bild direkt im Papier und nicht nur in einer Schicht an der Oberfläche.

Wie lässt Helmut Reuter eine Cyanotypie entstehen? Hochwertiges Aquarellpapier oder andere Stoffe wie Leinwand, Nessel oder Baumwollstoff werden mit einer Mischung aus Ammoniumeisen(III)-citrat und Kaliumhexacyanidoferrat(III) beschichtet und danach getrocknet. „Die gemischten Lösungen sind bereits lichtempfindlich. Deshalb muss in einem abgedunkelten Raum bei schwacher Glühlampenbeleuchtung gearbeitet werden“, verrät der Hobbyfotograf. Die Beschichtung des Aquarellpapiers kann mit einem Pinsel oder einem Schwämmchen erfolgen. Die Belichtung erfolgt unter einem Schatten werfenden Gegenstand als Fotogramm oder mit einem Kontakt-Negativ durch künstliches UV-Licht oder durch Sonnenlicht. An den belichteten Stellen bildet sich wasserunlösliches Berliner Blau, die unbelichteten Stellen bleiben wasserlöslich und können unter fließendem Wasser ausgewaschen werden. Der Kontrast kann durch Baden in einer 0,3-prozentigen Wasserstoffperoxidlösung gesteigert werden.

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Die Ausstellung geht noch bis zum 5. September und kann mit Mund-Nase-Schutz besichtigt werden.

Von Immer Rieger