Ein Liebespaar und zwei Boxer

Medea mit dem Schwert, Wandgemälde aus der Villa Arianna in Stabiae, 1. Jahrhundert nach Christus. Foto: Liebieghaus

Die Ausstellung des Dramas um Medea in Frankfurts Liebighaus widmet sich einem uralten, aber aktuellen Thema: der Liebe.

Anzeige

FRANKFURT. Keine Bange, vom blutrünstigen Geschehen sieht der Betrachter nicht viel auf den feinen Wandgemälden, Vasenmalereien und Steinreliefs. Denn das Gemetzel findet fast nur hinter der Bühne statt. Dieses Drama um Medea, die in der griechischen Mythologie von der bedingungslos Liebenden zur rachsüchtigen Kindsmörderin wird, erzählt jetzt das Frankfurter Liebieghaus an 130 Werken sehr anschaulich nach.

Es ist das uralte Drama der Menschheit um Liebe, Macht, Mord, Rache und die Beziehung zwischen Mann und Frau. Die Geschichte bringt Kurator Vinzenz Brinkmann auf vier Sätze: Der Abenteurer Jason verliebt sich in einem fernen Land in die Prinzessin und Zauberin Medea. Gemeinsam rauben sie einen Schatz, das Goldene Vlies, flüchten nach Korinth, heiraten und haben zwei Kinder. Doch als Jason eine Königstochter mit eigenem Reich heiraten kann, folgt er blind dem Ruf der Macht.

Medea aber sinnt auf Rache, schenkt der Braut ein vergiftetes Hochzeitskleid und erdolcht dann ihre zwei Kinder, um Jason die Nachkommen zu nehmen. Diese Geschichte führt auch in die Heimat von Medea, dem fernen Kolchis. Das antike Reich entspricht dem westlichen Teil des heutigen Georgien, das als diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse die meisten Objekte beisteuert, rund 110 edle Schmuckstücke und Waffen.

Die Objekte stammen aus der Zeit um 2000 vor bis 500 nach Christus, sind also bis zu 4000 Jahre alt. Vor diesen erlesenen Stücken gehen jedem Betrachter die Augen über, verfügte doch Kolchis über einen sagenhaften Reichtum an Silber, Eisen, Kupfer und Gold. Und wo Gold ist, da wird auch das Handwerk beherrscht. So sind die zu einer Halskette aufgereihten kleinen Schildkröten noch mit feinstem Granulat überzogen.

Anzeige

Überdies galt Kolchis schon im 3. Jahrhundert vor Christus als Waffenschmiede der antiken Welt. Dies erkennt auch der Unkundige rasch an den ungewöhnlich elegant geschwungenen und in einer langen U-Form auslaufenden Äxten. Selbst beim Töten von Tier und Mensch legte man in Kolchis offenbar viel Wert auf ästhetisches Werkzeug. Versammelt sind diese Schätze auf drei Tischen, aber einzeln geborgen in gläsernen Zylindern oder Kästen – eine sehr reizvolle Präsentation. Der zweite Höhepunkt der Schau scheint im ersten Moment viel banaler zu sein, sind doch nur zwei arg lädierte Kämpfer zu sehen. Es handelt sich um den jungen Zeus-Sohn Polydeukes, der Jason bei den Abenteuern beisteht. Sein Widersacher ist der ältere König der Bebryker names Amykos, der Polydeukes zum Boxkampf herausgefordert hat, aber nun ermattet ist. Wer Sieger und wer Verlierer war, ist zweifelsfrei zu erkennen.

Doch beide Figuren sind just entstandene Rekonstruktionen, um die ursprüngliche Farbigkeit zu demonstrieren. Beide haben viele Blessuren davongetragen. Polydeukes hat ordentlich was auf die nun blutunterlaufenen Ohren bekommen, auch die Stirn ist mächtig angeschwollen. Doch Amykos hat weit größere Wunden und ein geschwollenes Auge. Diese Blessuren wurden von den Bildhauern mit verschiedenen Materialien deutlich in Szene gesetzt, etwa mit Kupfer, Blei und Zinn oder sogar mit einem Achat-Stein, um den Bluterguss von Amykos zu zeigen.

Zwar sind die Originale in Rom relativ gut erhalten, aber die Metalle sind gedunkelt. So geben die Rekonstruktionen einen Eindruck davon, wie man in der Antike realistisch das Leiden der Kämpfer schilderte. Vinzenz Brinkmann war es auch, der schon vor 15 Jahren bewiesen hat, dass die antiken Skulpturen nicht weiß, sondern farbig bemalt waren. Seine „Bunten Götter“ tourten seither um die Welt. Auch die Geschichte um Medea und Jason, Polydeukes und Akymos hätte das verdient.