Dreh in 55 Stunden

Szene aus dem „Filmz“-Eröffnungsfilm „Der Dolmetscher“ von Martin Sulik. Foto: Filmz

Über 100 Filme und geballte Kinokultur in zehn Tagen an 15 verschieden Orten der Stadt: Das Mainzer Festival des jungen deutschsprachigen Films ist in seiner 17. Ausgabe vom...

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MAINZ. Über 100 Filme und geballte Kinokultur in zehn Tagen an 15 verschieden Orten der Stadt: Das Mainzer Festival des jungen deutschsprachigen Films ist in seiner 17. Ausgabe vom 1. bis zum 10. November mächtig auf zeitlichem Expansions- und auch Innovationskurs. Neben den bewährten vier Wettbewerbsreihen im Rennen um die Publikumsgunst – Langfilm, Mittellange, Kurz- und Dokumentarfilm – hat das 50-köpfige, ehrenamtlich arbeitende Team mit dem Selfmade-Format „55-Filmz“ eine ganz neue Mitmach-Sektion aus der Taufe gehoben. Filmteams jeder Erfahrungsstufe sind aufgerufen, während des Festivals innerhalb von 55 Stunden einen Kurzfilm nach drei vorgegebenen Motiven zu entwerfen und abzudrehen. Die Beiträge werden noch in der Festivalwoche präsentiert und von einer Fachjury ausgezeichnet.

„Der Dolmetscher“ zur Eröffnung

Eröffnet wird der Reigen des neuen deutschen Kinos am 1. November im Frankfurter Hof mit Martin Suliks auf der Berlinale uraufgeführtem Film „Der Dolmetscher“, der die Bewältigung von NS-Verbrechen in der Nachkriegsgeneration thematisiert. In der Spielfilmabteilung konkurrieren acht die ganze Klaviatur von Komödie bis Drama bespielende Streifen um das mit 1500 Euro dotierte „Mainzer Rad“. Darunter auch die Tragikomödie „Kim hat einen Penis“ des jungen Regisseurs Philipp Eichholtz, den man als „Filmz“-Partner gewinnen konnte. Der direkte Austausch von Filmschaffenden und Zuschauern, eines der Markenzeichen des Festivals, soll weiter ausgebaut werden. Besonderes Augenmerk legt „Filmz“ auf die oft vernachlässigte Kategorie der mittellangen Filme (20 bis 69 Minuten), die vor zehn Jahren erstmals beim Festival liefen. Neben den zwölf regulären Wettbewerbsbeiträgen widmet zum Jubiläum auch die Dokumentarfilm-Reihe der unterschätzten Gattung drei Spezial-Auftritte. Das Gesamtpaket komplettieren die Kurzfilm-Präsentationen, die neben etablierten Produktionen wieder lokalen Arbeiten und eher schrägen „Andersartig“-Streifen Raum bieten.

Der seit den Karl May-Verfilmungen der 1960er Jahre in Vergessenheit geratene zeitgenössische deutsche Western steht im Mittelpunkt eines dreitägiges Symposiums im Medienhaus mit Vorträgen und Podiumsdiskussion. Zentrale Werke der 2010er Jahre, darunter das „Das finstere Tal“, dienen als Anschauungsmaterial. Beim traditionellen Stummfilmkonzert gibt sich Harry Piel als Räuberhauptmann „Zigano“ in der Altmünsterkirche die Ehre. Neben den Vorführungen in den Festivalkinos Capitol, Palatin und Cinemayence gibt es wieder ein facettenreiches cineastisches Rahmenprogramm, unter anderem mit der Exground-Gong-Show (Kunsthalle), experimentellem Kneipenkino im „Haddocks“, einem Film-Flohmarkt („Schon schön“) oder dem Drehbuch-Pitching im „Lomo“. Die Preisverleihung der durch Publikumsvotum gekürten Wettbewerbssieger steigt am vorletzten Festivaltag im Capitol, abgerundet von Sebastian Mayrs Komödie „Die Hochzeit“.