Der Klassik-König: Michael Herrmann wird 75

aus Rheingau Musik Festival

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Michael Herrmann, Gründer und Intendant des Rheingau Musik Festivals, wird 75 Jahre alt. Foto: Woody T. Herner

Der Kulturmanager Michael Herrmann, am 4. Februar 1944 in Wiesbaden geboren, hat vor 32 Jahren das Rheingau Musik Festival gegründet und verantwortet heute auch Klassik-Reihen...

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WIESBADEN. Vom phrygischen König Midas erzählt der Mythos, dass alles zu Gold geworden sei, was er angefasst habe. So ähnlich scheint das bei Michael Herrmann zu funktionieren, nur dass das Produkt wundersamer Verwandlung nicht das Edelmetall ist, sondern Musik – vor allem solche der klassischen Art. Der Kulturmanager, der am 4. Februar 75 Jahre alt wird, beweist spätestens seit der Gründung des Rheingau Musik Festivals (RMF) im Jahr 1987 ein äußerst produktives Händchen als Konzertveranstalter.

Im kommenden Sommer werden es wieder 146 Veranstaltungen sein, mit denen er die ganze Region, den Rheingau und mittlerweile sogar Rheinhessen beschallt. In Frankfurt verantwortet er zudem ganzjährig die Konzertreihe „Pro Arte“, und in Hessens Landeshauptstadt wagt er gemeinsam mit Marsilius Graf von Ingelheim, Sohn seiner Gattin Ute, die neue Reihe „Wiesbaden Musik“. Am Montagabend kann er dann im Rahmen dieser jungen Reihe mit den Bamberger Symphonikern im Kurhaus feiern.

Beziehungspflege zu Wirtschaft und Politik

Aber natürlich hinkt der Vergleich mit dem mythischen König Midas gewaltig. Eigentlich ist es sogar ein umgekehrter Verwandlungsprozess, mit dem Michael Herrmann selbst in Zeiten verblüfft, in denen die Klassik zu kämpfen hat: Aus Gold wird Klang, indem er immer wieder Sponsoren gewinnt, auf Goldadern in der heimischen Wirtschaft stößt. Und bei dieser Metamorphose, von der jedes Jahr weit über 100 000 Musikfreunde profitieren, scheinen immer auch ein paar Goldstücke für das Festival-Familienunternehmen übrig zu bleiben. Diese wurden und werden zum Beispiel in das wunderschöne Festival-Weingut in Oestrich-Winkel, die RMF-Zentrale, investiert. Das Nahverhältnis zur heimischen Wirtschaft und Politik, im Sponsoring-Konzept die natürliche Konsequenz permanenten Goldschürfens, hat ihm nicht nur Freunde gemacht. Vor allem Mainzer Fluglärmgegner ärgern ihn regelmäßig, indem sie die Festival-Eröffnung vor der Einfahrt zum Kloster Eberbach für Proteste gegen ihn, den Ex-Politiker Roland Koch und andere Flughafenunterstützer nutzen.

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Angesichts der Erfolgsbilanz wird er kleine Disharmonien, zu denen auch Kritik an manchen Mainstream-Programmen gehört, verkraften. Schließlich hat der gelernte Buchhändler, der 1944 in Wiesbaden geboren wurde und auf Gran Canaria auch in der Hotelbranche tätig war, sein Klassik-Imperium praktisch ohne Unterstützung von der öffentlichen Hand aufgebaut. Inspiriert hatten ihn Besuche beim Casals-Festival in Prades. Wichtig wurden für Herrmann, der selbst eine Gesangsausbildung angefangen hatte, auch Freundschaften mit Justus Frantz und Leonard Bernstein.

Gerade hat Michael Herrmann bei der RMF-Saisonvorstellung wieder die hübsche Geschichte erzählt, wie ihm sein Festival-Verein („meine kleine Schwester hat die Abendkasse gemacht“) das erste Programm aus 30 geplanten Konzerten auf 19 „zusammengestutzt“ habe. Trotzdem war ein Minus von 300 000 DM zu verkraften: „Ich dachte, das war’s nun.“

Darüber, dass das doch nicht das Ende gewesen ist, können sich heute viele Klassik-Freunde freuen. Selbst solche, die sich nach 32 Jahren immer noch nicht daran gewöhnen wollen, dass den schönen Tönen stets der profane Sponsorendank vorgeschaltet ist.