Aldi verkauft erstmals in den Filialen auch Bestseller

Ab dem 29. November bietet der Discounter 18 aktuelle Titel namhafter Autoren an. Eine neue Konkurrenz für die Buchhändler – und eine Chance für den Buchhandel?

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WIESBADEN. Sebastian Fitzek, Joy Fielding, Nicholas Sparks – allesamt Bestseller-Autoren großer Verlage. Und die liegen von diesem Donnerstag an auf Wühltischen, neben Funktionsunterwäsche, Dominosteinen und Lichterketten. Erstmals verkauft Aldi also nun auch Bestseller – zum strategisch gut gewählten Zeitpunkt vor Weihnachten. Insgesamt 18 Taschenbücher werden in den Aldi-Süd-Discountern ab dem 29. November angeboten, bei Aldi Nord ab dem 6. Dezember, wie eine Konzern-Sprecherin bestätigt: „Solange der Vorrat reicht.“

Die Buchpreisbindung gilt auch für den Discounter

Allerdings: Günstiger als im Buchhandel sind die Schmöker bei Aldi nicht. Sie kosten auch hier 9,99 Euro. Der Grund dafür ist die gesetzliche Buchpreisbindung: Damit ist den Verkäufern verbindlich vorgeschrieben, zu welchen Preisen Bücher verkauft werden dürfen. Der Sinn dieser Regelung ist, dass dem Buch als Kulturgut eine Sonderstellung zukommt.

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Vor diesem Hintergrund sehen regionale Buchhändler den neuen Mitbewerber um die Lesergunst auch ziemlich entspannt. „Klar, da freue ich mich nicht drüber: Ich habe es lieber, wenn Bücher in Buchhandlungen verkauft werden,“ sagt Jutta Leimbert von der Wiesbadener Buchhandlung Vaternahm, die gerade beim Deutschen Buchhandelspreis mit dem Label „hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet wurde. Als Konkurrenz sieht sie den Discounter aber erst mal nicht: „Unsere Kunden schätzen die Beratung, die es bei Aldi nicht gibt.“

Das ist auch für Felicitas Nachtigall, Leiterin von Hugendubel Wiesbaden, ein wichtiges Argument: „Das ist ja unsere Stärke.“ Sie sieht den neuen Mitbewerber gelassen, „es gibt ja auch schon bei Tchibo und im Baumarkt Bücher“. Und auch Lidl bietet Bücher an, allerdings online. Aldi spreche eine andere Käuferschicht und den Mitnahme-Effekt an: „So kann man auch neue Leute ans Lesen bringen. Vielleicht traut sich ja dann der ein oder andere über diese Brücke in die Buchhandlung.“ Und die kann das generell gut gebrauchen: Das Lesen von Büchern ist laut neuer Zahlen rückläufig.

Im Juni 2018 veröffentlichte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels dazu die Studie „Buchkäufer – Quo vadis?“. In der Entwicklung von 2013 bis 2017 waren bei den aktuellen Zahlen vor allem in den Altersgruppen zwischen 20 und 50 Jahren deutlich weniger Buchkäufer vertreten: Sechs Millionen Menschen weniger griffen zum Buch. Die Internet-Nutzung dagegen stieg an. Vor allem Serien-Streaming sei eine große Konkurrenz für das Buch durch den „sozial-kommunikativen Charakter“, so die Studie – und auch sie bieten die Möglichkeit, von einem stressigen Alltag zu entspannen.

„Der Buchhandel trägt die Nase zu hoch“

„Das Problem, dass weniger gelesen wird, das haben wir ja alle zusammen: Autoren, Verlage und der Buchhandel,“ meint Felicitas Nachtigall. Da würden auch die Verlage neue Wege suchen. Mit der Holtzbrinck-Gruppe und Random House seien auch große Verlagshäuser an der Aldi-Aktion beteiligt. Und die seien von diesem neuen Vertriebsweg in 5000 Filialen des Discounters begeistert, weiß Verleger Herbert Ullmann (H.F. Ullmann Verlag). Er arbeitet seit Jahren mit Aldi zusammen, gilt hier als Pionier für sogenannte „Medienfrequenzartikel“ wie Bücher oder CD-Roms im Discounter. Bestseller bei Aldi, das war seine Idee. „Das große Problem des Buchhandels ist, dass es hier zu wenig Frequenz gibt – und dass der Buchhandel die Nase zu hoch trägt“, sagt der Verleger im Gespräch mit dieser Zeitung.

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Die Studie des Börsenvereins habe ihn als gelernten Buchhändler persönlich getroffen: „Wenn darin zu lesen ist, dass Bücher heute kein Gesprächsthema mehr sind, dann muss man sich fragen: Warum macht der Verband nicht mehr Marketing?“ Dort werde der Endkunde nicht gesehen. Und die Buchhändler? Die könnten von seinem Vorstoß profitieren, findet Ullmann: „Das Aldi-Angebot gibt es ja nur für kurze Zeit. Und wer das verpasst, geht vermutlich in die nächste Buchhandlung.“ Auch das sei Leseförderung.

Um den rückläufigen Buchkäufen zu begegnen, empfiehlt die Börsenvereins-Studie übrigens, dass Menschen in ihrem Alltag wieder Büchern über den Weg laufen sollten, dass das Buch zum Konsumenten kommen müsste. Und das, sagt Ullmann, sei für die Aldi-Aktion „ja wohl definitiv eine Steilvorlage“.