Zu viele Klischees

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Ermitteln gemeinsam: Kalli (Ferdinand Hofer, von links), Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl).   Foto: Ulrich/BR/Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion

Ein kurzer Blick zurück: Angeschossen und mit dem Tode ringend lag Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) am Ende des letzten Münchner Tatorts in den Armen seines Kollegen...

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. VON KIRSTEN OHLWEIN

Ein kurzer Blick zurück: Angeschossen und mit dem Tode ringend lag Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) am Ende des letzten Münchner Tatorts in den Armen seines Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec). Offen blieb, ob er überleben würde - er überlebte, wie der Bayerische Rundfunk nach zahlreichen Protesten der Zuschauer einen Tag nach der Ausstrahlung in einem nachgelieferten Clip mitteilte.

Doch so dramatisch und spektakulär wie der letzte Krimi aus München nicht nur endete, sondern 90 Minuten lang für Hochspannung und Verzückung bei Film-Fans gesorgt hatte, so durchschnittlich ist der neue Teil aus der bayerischen Landeshauptstadt, "Der Wüstensohn". Nasir al Yasaf (Yasin el Harrouk), der fünfte Sohn des Emir von Kumar, ist die Hauptperson der Geschichte. Mit der Leiche seines Freundes Karim ist er nachts in München unterwegs. Befragt werden darf Nasir zwar, mehr aber auch nicht - Diplomatenschutz.

Die Ermittler landen in einem Dickicht aus Politik, Justiz und Wirtschaft. Sie tauchen ein in eine Welt mit überbordendem Luxus, in der "der Prinz", seine Diener mit Füßen tritt und von einer Party zur nächsten zieht.

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Für Spannung sorgen die Drehbuchschreiber Alexander Buresch und Matthias Pacht, die sich wohl an die wahre Begebenheit - während sein Vater Muammar al-Gaddafi in Libyen herrschte, lebte sein Sohn Saif al-Arab in München ein glamouröses Leben am Rande der Legalität - erinnerten, allemal.

Doch "Der Wüstensohn" balanciert auf einem Drahtseil. 90 Minuten lang bedient er unzählige Klischees. Im Vorgarten des Prinzen leben Kamele. Zwischendurch erwischen sich die Kommissare gegenseitig dabei, wie sie sich dem alltäglichen Rassismus hingeben ("Dort verschleiern sie ihre Frauen und hier lassen sie die Puppen tanzen", "Kameltreiber, blöder"). Verschleierte arabische Frauen kaufen goldene Schuhe, der Sohn spielt mit einem Panzer. Das ist zu viel, deplatziert, bringt die Ermittler auch nicht auf die entscheidende Spur - und nach nicht einmal 45 Minuten nervt es. So kennt der "Tatort"-Fan diese Kommissare nicht, wundert und ärgert sich.

An das Spektakel des letzten 90-Minüters aus München kann "Der Wüstensohn" überhaupt nicht anschließen, aber immerhin bietet er solide Krimi-Unterhaltung.