Zu gut: Millionen Zuschauer werden es hassen

aus Tatort & Polizeiruf 110

Thema folgen
Nicholas Ofczarek (vorne, v.l.), Jörg Hartmann, Anna Schudt, Ben Becker, Friedrich Mücke, Friederike Kempter und Elena Uhlig sind "Das Team". Bjarne Mädel (hinten, l.) und Charly Hübner ziehen die Fäden. Foto: WDR/Tom Trambow

Ja, an der Improvisationskunst hat sich zuvor schon der Ludwigshafener "Tatort" zweimal versucht. Der erste Durchgang ging komplett in die Hose, was leider auch an unerfahrenen...

Anzeige

. Es ermitteln die Dortmunder Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) sowie die Münsteraner Kollegin Krusenstern (Friederike Kempter). Die Besetzung, in dieser Konstellation schon reizvoll, wird durch die wunderbaren Schauspieler Friedrich Mücke, Elena Uhlig und Ben Becker als Ermittler sowie Charly Hübner und Bjarne Mädel als Coaches formvollendet.

Die Schauspieler hatten kein Drehbuch, kannten nur ihre Rolle. Keine vorgeschriebenen Texte also, keine Vorbereitung. Der Film wurde an zwei Tagen in jeweils sechs Stunden gedreht. 36 Kameras waren im Einsatz. Und was in Ludwigshafen nicht funktionierte, klappt hier wunderbar: Es ist großartig und unterhaltsam, den Schauspielern beim Improvisieren zuzuschauen - denn fast nichts davon wirkt improvisiert. Es ist die hohe Kunst des Schauspiels, der wir hier zusehen dürfen. Es ist so gut und gleichzeitig so seltsam anders, dass Millionen Krimi-Zuschauer es hassen werden.

Zum Fall: Vier Kommissare aus Nordrhein-Westfalen wurden getötet. So etwas gab es noch nie. Nun sollen Ermittler aus verschiedenen Städten des Landes zusammenkommen, um den Mörder zu finden. Der Clou: Alle Kommissare standen in irgendeiner Form in Verbindung zu den Opfern. Die Polizisten finden sich in einem Tagungshotel ein, um sich von zwei Coaches einschwören zu lassen.

Das Konzept von Regisseur Jan Georg Schütte geht zu hundert Prozent auf. Das liegt daran, dass die Schauspieler so unfassbar gut sind, dass man ihnen noch weitere zwei Stunden dabei zusehen könnte, wie sie sich, völlig sicher in ihren Rollen, durch die nicht vorhandene Handlung bewegen. Was für die Akteure sicherlich eine Gratwanderung war, ist für den Zuschauer ein purer Augen- und Ohrenschmaus.

Anzeige

Und zum Schluss noch ein kleiner Insider-Tipp: Fans des Dortmunder Teams Faber/Bönisch sollten ganz besonders die Ohren spitzen, denn was sich die beiden Kommissare in einer Szene zuflüstern, könnte vielleicht auch die Zukunft des Dortmunder "Tatorts" langfristig beeinflussen.

Das Erste zeigt den "Tatort: Das Team" am Mittwoch, 1. Januar, um 20.15 Uhr.