Schauspieler brillieren in Spionage-Drama

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Die Fishers (Kai Scheve und Tessa Mittelstaedt, l.) sprechen mit den Kommissaren (Margarita Broich und Wolfram Koch). Foto: Bettina Müller/HR

Sebastian Schneider (Tobias Schäfer) wird tot in einem "lost place", einer alten Fabrikhalle, gefunden. Der Schüler hatte dort und an anderen verlassenen Plätzen in und um...

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. Die Hauptkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) ermitteln im Umfeld des Toten und landen über Sebastians Vater Ulrich (Henning Peker) schnell bei einer Nachbarsfamilie: den Fishers. Emily (Emilia Bernsdorf), 17 Jahre alt, war mit Sebastian befreundet. Mutter Gretchen (Tessa Mittelstaedt) arbeitet im US-Konsulat, Vater Raymond (Kai Scheve) ist bei einer Versicherung beschäftigt. Als Brix herausfindet, dass Gretchen eine Affäre mit dem Freund der Tochter hatte, fügen sich die Puzzleteile aber nur sehr langsam zusammen, denn hinter der Geschichte steckt viel mehr als ein Familiendrama.

Es ist nicht zu viel verraten, wenn man diesem neuen "Tatort" aus Frankfurt, der "Funkstille" heißt, die plakative Überschrift "Spionagefilm" verpasst. Die Autoren Stephan Brüggenthies und Andrea Heller entführen den Zuschauer in die eigentlich bereits zurückgelassene und weit entfernt scheinende Welt des Kalten Krieges, der Doppelagenten, der Giftanschläge – die eben so weit entfernt mit Blick auf die aktuelle politische Lage gar nicht ist. Sie drehen das große Rad und nehmen Themen wie Abhörmethoden, Erpressungen, Vertuschungen und die dahinter stehende vermeintlich gute Tat für den Weltfrieden in den Blickpunkt. Daran glauben die Fishers fest: dass sie Gutes tun für die Menschheit.

Überzeugend ist das in diesem Krimi, der so richtig keiner ist, auch deshalb, weil die Handlung zu keiner Zeit von den Ermittlungen der Kommissare, sondern einzig und allein durch die Dynamik der Familie Fisher getrieben wird: die Schauspielerinnen Emilia Bernsdorf als Emily und Tessa Mittelstaedt als undurchdringliche, entschlossene, aber verzweifelte Gretchen Fisher.

Mittelstaedt beherrscht es perfekt, Gretchen stets zwischen dem, was sie gelernt hat, und dem, was sie gerne tun würde, zu präsentieren. Jedes Augenzwinkern, jede Bewegung passt auf den Punkt. Bernsdorf brilliert als aufmüpfige, pubertierende Tochter, der sich langsam eine schaurige Wahrheit entblättert.

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Da ist auch die Regie von Stanislaw Mucha hilfreich. Er lässt den Schauspielern genug Raum, ihre Figuren zu entfalten. Mitunter etwas anstrengend ist der teilweise nicht nachvollziehbare Schnitt. Scheinbar zusammenhanglos wurden einzelne Szenen aneinandergesetzt – richtig Sinn ergeben sie so nicht und führen dazu, dass der Zuschauer durchaus zwischendurch den Fokus verlieren kann. Der Halt in diesem Film sind die wie immer lakonisch-dröge und erfrischend lässig miteinander ermittelnden Kommissare. (Kirsten Ohlwein)

Das Erste zeigt den "Tatort: Funkstille" am Sonntag, 13. September, um 20.15 Uhr.