Ohnmächtiger Kommissar

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Kommissar in Gefahr: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) wurde vor eine fahrende U-Bahn gestoßen.  Foto: Menke/WDR

VON STEFFEN GROSSMusikstudent Manuel Sievers wird in einem Kölner U-Bahnhof von Jugendlichen zu Tode geprügelt. Sämtliche Passanten schauen betreten weg. Allein Max Ballauf...

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. VON STEFFEN GROSS

Musikstudent Manuel Sievers wird in einem Kölner U-Bahnhof von Jugendlichen zu Tode geprügelt. Sämtliche Passanten schauen betreten weg. Allein Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) geht dazwischen, als er zufällig auf dem Weg nach Hause Zeuge der brutalen Schlägerei wird. Doch ein gezielter Schlag ins Gesicht knockt den Kommissar aus, der erst zwischen den Gleisen unter einem U-Bahn-Zug wieder zu sich kommt. Als wenig glaubhafter Zeuge nutzt er seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) anschließend nur wenig. Schenk muss die Ermittlungen allein übernehmen, weil Ballauf als Beteiligter davon ausgeschlossen wird.

Nur bruchstückhaft sind Ballaufs Erinnerungen. Mit vermeintlichen Beweisen und seinen rabiaten Aufklärungsversuchen eckt der Ermittler nicht nur beim Staatsanwalt und der Haftrichterin fortwährend an. Obwohl die jugendlichen Tatverdächtigen schnell ermittelt sind, scheint deren Überführung geradezu ausgeschlossen. Das macht es bis zum Ende spannend. Die Jugendlichen schieben alle Schuld von sich und dem getöteten Musikstudenten in die Schuhe.

Der Zuschauer leidet mit Ballauf im verzweifelten Kampf um Gerechtigkeit. Und gleichzeitig leidet er unter Ballauf, der mit seinem emotionalen Vorpreschen ein ums andere Mal eine gerechte Strafe für die Täter unwahrscheinlich macht. Eigentlich weiß man gar nicht, worüber man sich bei diesem Köln-Tatort zuerst aufregen soll: Ob über skrupellose Jungschläger, fehlende Zivilcourage oder aberwitzig harmlose Jugendstrafen.