Ist Blut dicker als Wasser?

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Marija (Tatiana Nekrasov) spricht mit Falke (Wotan Wilke Möhring). Foto: ZDF / Michael Marhoffer

Zwischen Tolstoi und Waffenhandel: Falke und Grosz im Kampf gegen die kriminellen Machenschaften einer russischen Familie.

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. Julia Grosz (Franziska Weisz) wird zur Hauptkommissarin der Bundespolizei befördert und erhält prompt ihre erste Einsatzleitung – und ausgerechnet die läuft gehörig aus dem Ruder. Über den verdeckten Ermittler Tarik Hamadi (Ercan Karacayli) will die Bundespolizei in Hamburg an den russischen Geschäftsmann und Waffenhändler Victor Timofejew (Wladimir Tarasjanz) herankommen. Er soll ein Geschäft abwickeln, um der Polizei den Zugriff zu ermöglichen.

Doch Timofejew schickt seinen Neffen Nicolai (Jakub Gierszal), der Hamadi mit einem Privatjet nach Zypern bringen soll. Da das nicht Teil des Plans war, muss Grosz entscheiden: Abbruch oder nicht? Sie lässt die Operation weiterlaufen. Mit fatalen Folgen: Die Privatmaschine explodiert und stürzt mit ihrem Kollegen und Timofejews Neffen an Bord ab.

Grosz und ihr Kollege Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) nehmen Kontakt auf zu Timofejews Nichte Marija (Tatiana Nekrasov), die mit den kriminellen Machenschaften ihrer Familie nichts zu tun haben will und als verdeckte Ermittlerin beim LKA für ihre unkonventionellen Alleingänge bekannt ist. Sie ist bereit, den Mörder ihres Bruders zu finden – allerdings nach ihren eigenen Regeln.

Ist Blut dicker als Wasser? Um diese Frage kreist der neue "Tatort" aus Norddeutschland. Denn wäre die undurchschaubare Marija, die von Falke ausgebildet worden ist, tatsächlich bereit, ihre eigene Familie zu verraten? Und wie weit würde sie gehen, um den Mörder ihres Bruders zu finden? Ist sie vielleicht selbst in Lebensgefahr? Gerade was das Thema Befangenheit angeht, wirkt es etwas konstruiert, dass ausgerechnet sie diejenige ist, die Grosz und Falke hinzuziehen.

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Bemerkenswert sind die Drehorte – etwa das pompöse Anwesen der Timofejews und die Wohnung Nicolais. Russische Kultur erhält einen hohen Stellenwert, wirkt manchmal aber auch ein wenig zu aufgesetzt. Etwa wenn wieder einmal Tolstoi zitiert wird.

Das ändert jedoch nichts daran, dass "Macht der Familie" gut gemachte und spannende Fernsehunterhaltung ist – in ihrer Umsetzung erschwert durch die Pandemie. So erzählt Regisseurin Niki Stein, dass sie das Drehbuch mehrfach umändern, den Showdown verändern und auf Komparsen weitestgehend verzichten musste. Doch aus dieser Not hat sie eine Tugend gemacht. Denn das phasenweise Kammerspielartige steht diesem "Tatort" gut zu Gesicht.

Das Erste zeigt den "Tatort: Macht der Familie" am Sonntag, 18. April, um 20.15 Uhr.

Von Conny Holtfoth