Grenzgänger in der Notaufnahme

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Kommissar in der Klinik: Faber (Jörg Hartmann). Foto: WDR/Thomas Kost

Der Mann im dreckigen Parka läuft allein durch die Unfallambulanz. Er beobachtet, hört zu, stellt Fragen. Er ist auf der Jagd. Das Klinikum Dortmund-Nord war Schauplatz eines...

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. Willkommen zurück im Ruhrgebiet, wo eines der kaputtesten Ermittler-Teams der deutschen Fernsehlandschaft zu Hause ist. Faber und Bönisch (Anna Schudt), Pawlak (Rick Okon) und Dalay (Aylin Tezel) ringen um die Lösung ihrer Fälle und meist auch miteinander. Das bleibt nicht ohne Folgen: Nora Dalay hat mit Panikattacken zu kämpfen. Und Fabers Dämonen rauben dem sturen Einzelgänger den Schlaf: Visionen seiner ermordeten Familie suchen ihn heim. Rastlos streift er durchs Revier.

Der aktuelle Fall, der die zerstrittenen Polizisten dazu zwingt, sich zusammenzuraufen, führt sie ins Klinikum im Norden der Stadt. Eine Internistin wurde mit einer Plastiktüte erstickt. Die Kommissare ermitteln getrennt, jeder auf seine Weise. Und erleben dabei Ungewöhnliches im hektischen Krankenhausalltag. Für Faber bringt die Begegnung mit einem Verdächtigen gar etwas Licht ins dunkle Dasein: Gibt es eine Möglichkeit, seine Alpträume loszuwerden? Und sollte er sich darauf einlassen?

Einmal mehr gehen die Dortmunder "Tatort"-Kommissare bis an ihre Grenzen. Für mindestens ein Mitglied dieser dysfunktionalen Gruppe wird nach 90 Minuten die Welt eine andere sein. Und versprochen: Wer sich als Zuschauer darauf einlässt, erlebt gleichfalls eine Tour de Force. Oder anders: Der Sonntagabend-Krimi ist das letzte Relikt klassischer Fernseh-Unterhaltung - daher wird über das Ende dieser Episode am folgenden Tag sicher diskutiert werden.

Denn ähnlich wie die der Kollegen vom Rostocker "Polizeiruf 110" werden die Geschichten aus dem Ruhrpott nicht nur linear erzählt, sie unterscheiden sich zudem deutlich von jener Krimi-Kost, die mancher "Tatort"-Gucker nach wie vor erwartet. Mehr Drama als Durchschnittsware, mehr Sozialstudie als Mörderjagd - "Inferno" (so der passende Titel dieses Krimis) ist durchaus schwere Kost.

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Feinschmecker mit starkem Magen wissen indes, was sie erwarten dürfen. Etwa grandiose Schauspielleistungen: Wenn Faber und Martina Bönisch endlich mal wieder die Tat nachspielen, dabei zum "Du" wechseln und sich buchstäblich in die Rolle von Täter und Opfer hineinversetzen, ist das so packend wie die Suche nach dem Mörder selbst. Und wenn Aylin Tezel allen Kritikern beweist, dass ihr Talent häufig unterschätzt wird, wird auch das für Diskussionsstoff in der "Tatort"-Fangemeinde sorgen.

Dortmund ist nicht Münster. Trotz trockener Sprüche ist Schluss mit lustig. Willkommen zurück - es bleibt spannend. (Markus Engelhardt)

Das Erste zeigt den "Tatort: Inferno" am Sonntag, 14. April, um 20.15 Uhr.