Malerische Momente und tiefe Schichten in Kunstgalerie Mainz

Meisterhaftes Fokussieren mit anspruchsvoller Technik: Larissa Frömel mit einem ihrer in der Mainzer Kunstgalerie gezeigten Werke. Über Flächenätzung entstehen Halbtöne. Foto: hbz/Stefan Sämmer

Die Kunsthochschul-Absolventin Larissa Frömel zeigt unter dem Motto „die kleinen Dinge“ komplexe, inhaltsstarke Radierungen in der Mainzer Kunstgalerie.

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MAINZ. Das jüngste Bild, das Larissa Frömel hergestellt hat, heißt „Passkontrolle“, und es hat partout nichts mit Corona zu tun. Das Bild zeigt ein Pferd, einen angedeuteten Reiter und eine unbekannte Person mit einem Papier in der Hand.

Aktuell ist das Werk in der Mainzer Kunstgalerie zu sehen, die Susanne und Christian Vahl Kunstschaffenden zur Verfügung stellen, die in ihren Augen Besonderes in der Kunst leisten. Erstmals zeigt die 26-Jährige Künstlerin Larissa Frömel ihre Werke in einer Einzelausstellung unter dem Titel „die kleinen Dinge“. Kuratiert hat diese Ausstellung Justus Jonas von der Mainzer Kunsthochschule.

Kooperation zwischen Kulturamt und Hochschule

Das Ehepaar Vahl hat schon lange eine Kooperation zwischen Kulturamt und Kunsthochschule angestrebt, und diese Ausstellung ist der Start einer bemerkenswerten Kooperation.

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Martin Henatsch, umtriebiger Chef der Kunsthochschule, reicht es nicht, dass an der Hochschule bemerkenswerte Künstler und angehende Kunsterzieher ausgebildet werden. Er möchte zeigen, was bei der Lehre in seinem Haus vermittelt wird. Larissa Frömel hat hier im vergangenen Jahr ihren Abschluss gemacht und promoviert nun über Kunst und Künstlertum bei Stefan Zweig.

Von der Bildhauerei herkommend, hat sie sich nun auf die Radierung konzentriert, insbesondere auf die Aquatinta: Dies ist auch eine Bezeichnung für Tuschätzung, Bistermanier oder Ätzlavierung und beschreibt ein spezielles Verfahren der künstlerischen Druckgrafik, wobei über Flächenätzung Halbtöne erzeugt werden. Sie gilt als eine der malerischsten Tiefdrucktechniken und erfordert eine ungewöhnlich starke Konzentration auf viele Schritte, bis ein Bild fertiggestellt ist. Diese Technik beherrscht Larissa Frömel in Perfektion und erreicht beeindruckende Ergebnisse. Dabei ist sie nicht auf eine Richtung festgelegt, sondern vertraut dem Moment, den sie irgendwo in ihrem Innern abgespeichert hat und der wieder sichtbar werden muss. „Kurfürstenstraße nachts um halb elf“ zeigt ein kleines Mädchen, dass völlig in sich versunken vor einem Sessel auf dem Boden kauert und spielt. Diese unscheinbare Szene in Schwarz-weiß gehalten, vermittelt eine Intimität, bei der man sich als Voyeur sehen kann. Wenn Larissa Frömel nicht radiert, malt oder bildhauert, dann widmet sie sich dem Film. Ganz klassisch ist ein Zeichentrickfilm entstanden, indem die Künstlerin Strich für Strich auf Papier zeichnet, abfotografiert, um die Sequenzen später zu einem bewegten Film zu komponieren. „Seeing things as they are“ beschreibt das, was am sieht, ausgereift zu einer stillen Zeichnung. Und sind es nicht „die kleinen Dinge“, die uns berühren und Tag für Tag erfreuen? Wenn man den Blick dafür hat.