Eindrücke von der anderen Seite: Essener Fotografie-Studenten...

Ein Überangebot der Moderne, träumende Fische und Porträts, die aussehen wie gemalt: Im Ausstellungsraum der Kunsthochschule stellen Essener Studenten ihre Fotos aus.Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

Auf silbernen Hühnerfüßen, die die Konsistenz von Quecksilber zu haben scheinen, marschiert ein Trinkhorn mit weit geöffnetem Rachen plauderlustig über eine Leinwand....

Anzeige

MAINZ. Auf silbernen Hühnerfüßen, die die Konsistenz von Quecksilber zu haben scheinen, marschiert ein Trinkhorn mit weit geöffnetem Rachen plauderlustig über eine Leinwand. Während es mit einem vermeintlichen Publikum redet, liegen abgeschnittene Nashörner im Hintergrund.

Dieses Video des Essener Studenten Lukas Langguth ist Teil der Ausstellung „Hello from the same side“, die im Ausstellungsraum der Mainzer Kunsthochschule präsentiert wird. Sechs Studierende von Prof. Christopher Muller aus dem Studiengang Fotografie der Folkwang Universität der Künste sind auf Einladung von Prof. Dieter Kiessling nach Mainz gekommen.

Seit 2012 Austausch der Kunstinstitutionen

Anzeige

Seit 2012 gibt es den Austausch zwischen den beiden Kunstinstitutionen. Christopher Muller betreibt an der Essener Universität eine mit Fremdmitteln finanzierte Galerie. In dieser „Galerie 52“ begann der Austausch zwischen den Studierenden. Die bisher gezeigten Austauschausstellungen trugen Titel wie „Vermessen“, „Trakt“ oder „Romantic Drive“. Zu letzterer erschien sogar eine kleine Publikation.

Den ausgestellten Arbeiten ging an diesem Abend eine „Lecture Performance“ voraus, in der sich drei Studenten mit der Lust am Schauen und der Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen befassen. Gebannte Stille herrscht im gut gefüllten Hörsaal, als Inga Barnick aus ihrem selbst erstellten Text „Happy Hour“ liest. „Heute im Angebot: die Übermoderne. Eine Überfülle von Raum und eine Überfülle von Ereignissen”, beginnt ihr Text, in dem ein Joghurt im Sonderangebot nur 29 Cent kostet und mit diskutierenden Flaneuren endet, die jeden Donnerstag „All you can eat“ für 11.90 Euro, inklusive Reis, genießen. In der Ausstellung zeigt sie eine „Fressmeile“ in Oberhausen, die, so wie sie aufgenommen wurde, in der ganzen Welt zu finden ist. Abgehalfterte Palmen, Cocktailangebote zum Happy-Hour-Preis, ein wenig anziehendes Ambiente.

Jan Mila Lippitz erzählt eine Geschichte, in der es zwar Protagonisten gibt, die aber keine Rolle spielen, denn Hauptakteure sind Landschaften, einsam, leer, im Grün und in der Einsamkeit versunken. Alle Fotos sind analog gedruckt, aufgenommen mit einer Mittelformatkamera, manchmal auch mit einer Kleinbildkamera. Das Motiv bestimmt die Auswahl.

Eine Porträtreihe mit dem Titel „Astrid“ präsentiert Sophie Meuresch. Astrid sitzt mal dem Betrachter zugewandt, mal im Halbprofil, mal direkt ins Auge schauend, immer mit einem kleinen Mona-Lisa-Lächeln auf einem Stuhl. Sie hat rotblondes Haar und Sommersprossen, und wenn man nicht genau wüsste, dass es sich hier um Fotografie handelt, dann würde man sich in ein Maleratelier versetzt fühlen, in dem der Künstler altmeisterliche Porträtstudien an die Wand gehängt hat, um zu einer Entscheidung zu kommen.

Anzeige

Anna Budniewski präsentiert ein Video mit dem Thema „Lecture on Dreaming Fish“, während Max Beck zwischen „Tisch und Stühle“, „Zwei Bäume“ und einer „Obstschale“ flaniert. Positionen zeitgenössischer Fotografie, die man sehr gut “from the other side” genießen kann.