Während AC/DC-Tribute-Konzert in Bingen: Freundin eines...
Verwirrung im Publikum. Ratlosigkeit. „Beim Rausgehen haben wir den Krankenwagen gesehen“, erzählt ein Konzertbesucher, „aber was genau passiert ist, wussten wir...
BINGEN. Viel abrupter und drastischer hätte ein bis dahin perfektes Hardrock-Konzert nicht zuende gehen können. Es ist kurz vor Mitternacht, als der Bassist von „We salute you“, die Band genießt den Ruf als beste AC/DC-Coverband der Welt, ans Mikrofon tritt. Die Gäste in der Rheinauenhalle erwarten die Zugabe. Stattdessen der Schock: „Ich habe in meinem Leben schon viele Ansagen machen müssen“, sagt er, „aber das hier ist die schwerste, die ich je machen musste.“ Und dann spricht der Musiker von einem Verbrechen, dass sich während des Konzertes auf dem Parkplatz ereignet hat. Es geht um die Freundin eines Bandmitgliedes, mehr erfährt das Publikum nicht. Nur, dass das Konzert zu Ende ist, weil die Band sich nicht länger in der Lage sieht, weiterzuspielen.
Verwirrung im Publikum. Ratlosigkeit. „Beim Rausgehen haben wir den Krankenwagen gesehen“, erzählt ein Konzertbesucher, „aber was genau passiert ist, wussten wir nicht.“ Inzwischen ist klar: Während die Band ihrem Ruf im Gaulsheimer Hexenkessel der Rheinauenhalle zwei Stunden lang alle Ehre macht, wird die Freundin eines Bandmitglieds hinter der Halle niedergeschlagen und in einem Auto vergewaltigt. Polizei samt Psychologen sind schnell vor Ort, die Suche nach dem Täter läuft seitdem auf Hochtouren. Viel mehr kann die Binger Polizei zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, die Ermittlungen laufen.
"Trauma für Gaulsheim"
Die Band erfährt nach dem Konzert von dem Vorfall, streicht direkt die Zugabe. Ebenso die geplanten Termine für die nächsten Tage, ein Unpluggedkonzert auf einem Restaurantschiff am Sonntag und der Auftritt in Speyer am 9. Mai. Auf der Homepage bittet die Band um Verständnis. „Vermutlich haben alle Besucher unseres gestrigen Konzertes inzwischen mitbekommen, welche unfassbare Tat sich während unseres Auftrittes auf dem Parkplatz hinter der Rheinauenhalle zugetragen hat“, ist hier am Sonntag zu lesen. Den Fans müsse man leider mitteilen, dass man sich nicht in der Lage sähe, die nächsten beiden Konzerte zu spielen. Die Tickets bleiben gültig, ein Ersatztermin soll noch gefunden werden.
„Das liegt einem so richtig im Magen“, berichtet ein Konzertbesucher am Morgen nach dem Konzert. „Der Auftritt war überragend. Aber jetzt denkt man nur noch an das, was da auf dem Parkplatz passiert ist.“ So sieht es auch Bandleader Wolfgang Heil. „Das Konzert ist herausragend gut gelaufen. Am Ende wird aber nur eine Sache in Erinnerung bleiben.“ Er spricht am Sonntagmorgen von einem „Trauma“ für Gaulsheim, vor allem natürlich für die junge Frau und ihren erst 20-jährigen Freund.
Andreas Hemmes, der mit der Gaulsheimer Musikvereinigung die Organisation des Konzertes übernommen hatte, ist „total schockiert“, als ihm die Nachricht zugetragen wird. „Über dem einzigartigen Erlebnis, der tollen Show, die jedem im Verein Spaß gemacht hat und die vom Publikum her absolut unproblematisch war, liegt jetzt ein massiver Schatten.“