Privatmann will seine 59 Mercedes-Klassiker in eigenem Museum...

Das Gerüst für das Mercedes-Museum an der Ecke Boelckestraße/Ludwig-Wolker-Straße steht schon.Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

Die Lebedame Rosemarie Nitribitt hatte einen Mercedes, Kanzler Konrad Adenauer ebenfalls, der Wagen ging später als „Adenauer-Mercedes“ in die Geschichte ein. Der Kasteler...

Anzeige

KASTEL. Die Lebedame Rosemarie Nitribitt hatte einen Mercedes, Kanzler Konrad Adenauer ebenfalls, der Wagen ging später als „Adenauer-Mercedes“ in die Geschichte ein. Der Kasteler Immobilienkaufmann Khaled Ezzedine hat gleich 59 Klassiker aus der Stuttgarter Autoschmiede, alle ab Jahrgang 1950, die in einem privaten Automuseum gezeigt werden sollen. „Startimer“ soll das Projekt heißen, eine Wortschöpfung, die an das Mercedes-Markenzeichen angelehnt ist und nach Oldtimer klingt.

Auch die Adresse des künftigen Museums ist Programm: Auf dem Karree an der Ecke Boelckestraße/Ludwig-Wolker-Straße entsteht gerade ein kühn gestyltes Bauwerk aus anthrazitfarbenem Stahl und Glas, das die Sammlung des früheren Piloten aufnehmen soll. Die Eröffnung ist für den 26. Mai vorgesehen.

Und manche, die dann kommen, werden leuchtende Augen beim Anblick der Designikonen aus der Ära ab der frühen Wirtschaftswunderzeit bekommen. Ein 190 SL, der Nachfolger des Flügeltüren-Mercedes. Ein 600er Pullmann und viele andere Cabrios und Coupes, die sich damals nur leisten konnte, wer es zu etwas gebracht hatte. Heute stehen die Schönheiten des Automobilbaus verstreut an vielen unterschiedlichen Stellen, in Garagen und Hallen, sagt Ezzedine. In seinem privaten Mercedes-Museum soll die Sammlung zusammengeführt werden.

„Wir wollen diese Ecke Kastels richtig schön machen“, sagt der Autosammler, der das Karree an der Boelckestraße mit dem ehemaligen Kalle-Haus erworben hat, um es fein herauszuputzen. Das Kalle-Haus, ehemals Eigentum des früheren Hoechst-Konzerns, der hier die bei Kalle-Albert beschäftigten Angehörigen der Gastarbeiter-Generation einquartierte, wird runderneuert. Eine neue Fassade, eine moderne Innenausstattung: Im überwiegenden Teil der Räume sollen Büros entstehen, im anderen Wohnungen. Auf dem Grundstück steht ein weiteres Wohnhaus. Auch das erhält ein neues Finish, alles aufeinander abgestimmt, damit das Ensemble mit dem Automuseum in der Mitte stilistisch klar erscheint.

Anzeige

Stellplätze auch für weitere Mercedes-Sammler

Ein ähnliches Projekt im Raum Rhein-Main kennt mancher aus der Klassikstadt im Frankfurter Osten, in der Oldtimer in einem nobel hergerichteten alten Fabrikgebäude als Wertanlage sicher verwahrt werden. Der „Startimer“ in Kastel soll nach einem vergleichbaren Konzept funktionieren. Auch dort soll der eine oder andere Sammler, der Wert darauf legt, seinen Autoschatz deponieren können, sofern noch Platz vorhanden ist. Drei Mitarbeiter seien für das Automuseum engagiert. Zwei Assistenten und ein Sattler, der neue Verdecke und Sitze auch für andere Sammler anfertigen könnte, falls dies gewünscht werde. Das Museum soll auch eine kleine Gastronomie erhalten, ein Café Silberpfeil, angelehnt an den Namen der Mercedes-Grand-Prix-Rennwagen.

Khaled Ezzedine, der libanesische Wurzeln hat und elf Jahre lang im Cockpit von Verkehrsflugzeugen saß, um Kurs auf Routen im asiatischen Raum zu nehmen, ist in Kastel kein Unbekannter. Vor vier Jahren eröffnete der Geschäftsmann ein Restaurant in der Steinern Straße und stieg dann in die Immobilienwirtschaft ein. Seine Firma errichtete ein Motel in Mainz-Ebersheim und baut Wohnungen im Mainzer Zollhafen.

Gleichzeitig entdeckte er eine Präferenz für Mercedes-Klassiker. An den ersten, den er erwarb, kann er sich gut erinnern. Es war ein Mercedes SL 107, ein zweisitziger Roadster mit roter Lackierung, ein Gedicht von Auto. „Den habe ich immer noch“ sagt der Sammler, der vor wenigen Tagen in prominenter Runde den Grundstein für sein privates Museum in der Boelckestraße legte, mit Stadtverordnetenvorsteherin, Oberbürgermeister, Stadtrat und Arbeitgeberpräsident. Rund 1200 Quadratmeter Fläche soll die Halle bieten und damit Platz für 70 bis 80 Autos, denen damit ein Denkmal gesetzt werden soll. „Das mache ich aus Liebe zu den alten Autos“, sagt Ezzedine.