Nicht schön, aber wichtig

Kampfgeist vermissen lassen: Beim VfL Rüdesheim kamen die Gäste vom SV Winterbach (rotes Trikot) nicht richtig ins Spiel.Foto: Dirk Waidner  Foto: Dirk Waidner

Wer sich am Sonntagnachmittag einen Eindruck verschaffen wollte, wie purer Überlebenskampf aussieht, der war beim Kellerduell der Fußball-Bezirksliga Nahe komplett richtig....

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RÜDESHEIM. Wer sich am Sonntagnachmittag einen Eindruck verschaffen wollte, wie purer Überlebenskampf aussieht, der war beim Kellerduell der Fußball-Bezirksliga Nahe komplett richtig. Der heimische VfL Rüdesheim griff im Spiel gegen den SV Winterbach nach dem letzten Strohhalm, denn die Gastgeber hatten vor dem Spiel lediglich zehn Punkte auf dem Konto. Der SVW hingegen sah als Tabellen-14. (20 Punkte) nach drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen seinen Vorsprung auf die Kellerkinder schmelzen.

Überlebenswichtigen Sieg eingefahren

„Ich muss erst zu meiner Mannschaft“, ließ VfL-Spielertrainer Patrick Rusch kurz nach dem wichtigen 2:1 (2:1)-Heimsieg seines Teams verlauten. Dann machte er sich auf den Weg durch die Reihen seiner Spieler, klatschte hier ab, lobte dort. Die Erleichterung war den Gastgebern deutlich anzumerken. „Dieser Sieg war überlebenswichtig. Einsatzwille und Leidenschaft haben gestimmt und endlich haben wir uns dafür mal wieder belohnt“, freute sich Rusch, der gemeinsam mit seinem Trainerkollege Kutsal Ceylan die Innenverteidigung der Abwehrreihe bildete. „Von dort lässt es sich auf dem Platz am besten kommunizieren“, verrät Rusch, der froh war, dass seine Mannschaft den besseren Start in die Begegnung fand. Nach einer Viertelstunde brachte VfL-Aktivposten Osman Jasaraj die Gelben in Führung. „Wir wussten, dass Winterbach in der Lage ist, frühe Tore zu erzielen. Es war also ganz wichtig, dass wir kein Tor zu Beginn gefangen haben“, bemerkte Rusch, dessen Team nach 25 Minuten dennoch den Ausgleich durch Matteo Kunz hinnehmen musste.

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Doch die Reaktion der Heimelf ließ auf unebenem und schwer zu bespielendem Untergrund nicht lange auf sich warten: Kutsal Ceylan übernahm bei einem Foulelfmeter Verantwortung und vollendete sicher zur erneuten Führung (30.). In einer insgesamt sehr zerfahrenen ersten Halbzeit, kam nur äußerst selten richtiger Spielfluss auf. So erlebten die rund 120 Zuschauer kaum eine Phase, in der das Bällchen durch die Reihen einer Mannschaft lief. Stattdessen verging keine Situation, in der nicht mindestens ein Akteur auf dem Boden lag und sich entweder vor Schmerzen krümmte oder lauthals Foulspiel reklamierte.

Tor will auch aus elf Metern nicht gelingen

„Das war heute eine reine Einstellungssache. Rüdesheim wollte den Sieg einfach mehr“, gab ein enttäuschter SV-Coach Kay Warkus zu. Man habe seiner Mannschaft angemerkt, dass am Ende die Kräfte fehlten, noch mal Druck aufzubauen. „Bei acht Spielern im Training brauch sich darüber auch keiner wundern. Wenn du den Ball dann auch nicht aus elf Metern ins Tor bringst, stehst du absolut zurecht da unten“, kommentierte Warkus den vergebenen Elfmeter von Benedikt Bernd in der 54. Spielminute. Aufgrund der kritischen Personallage wüssten einige Spieler, dass sie gesetzt sind, was gnadenlos ausgenutzt werde „Um Bezirksliga zu spielen, solltest du schon zwei Mal in der Woche trainieren. Wenn dir der Ehrgeiz dazu fehlt, solltest du dir eine andere Sportart suchen oder aufhören.“ Besonders bitter sei diese Entwicklung, da man in den letzten Jahren beim SVW etwas aufgebaut habe. „Derzeit sind wir auf dem besten Weg, uns das kaputtzumachen“, so Warkus.

Positiver konnte sein Pendant aus dem Kellerduell gegen. „Wenn wir am Ende unsere Konter besser ausspielen, können wir den Deckel draufmachen. Aber wir waren bis zum Schluss konzentriert und das macht mir Mut für die kommenden Aufgaben“, lobte Patrick Rusch sein Team, das erstmals seit dem 17. Spieltag die Rote Laterne abgibt – zumindest vorübergehend. „Unsere Aufgaben werden nicht leichter, aber wir werden den Kampf weiterhin aufnehmen“, glaubt Rusch weiterhin an den Klassenverbleib seiner Mannschaft.