Kühkopffähre soll Ende des Jahres geliefert werden

Künftig unter Strom: der Rhein-Anleger für die Kühkopffäre bei Guntersblum.Archivfoto: Felix Krömker  Foto:

Ein Schiff wird kommen – und zwar auf den Gabentisch. „Die Kühkopffähre könnte ein Weihnachtsgeschenk werden“, sagt Klaus Penzer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde...

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STOCKSTADT/GUNTERSBLUM. Ein Schiff wird kommen – und zwar auf den Gabentisch. „Die Kühkopffähre könnte ein Weihnachtsgeschenk werden“, sagt Klaus Penzer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rhein-Selz, in seiner Funktion als Vorsitzender des Zweckverbandes Elektrofähre Rheinhessen. In der Tat zeigt der Zeitplan, den die Verbandsversammlung beschlossen hat, in der letzten Zeile als Auslieferungstermin für den Katamaran, der zwischen Guntersblum und Kühkopf pendeln soll, Freitag, 14. Dezember.

Noch unklar, welche Werft den Auftrag bekommt

„O Du fröhliche, O Du selige, kahnbringende Weihnachtszeit“ also? Vermutlich nicht ganz. Zum einen ist der Zeitplan eng gestrickt. Zum anderen steht die Werft, die das Elektroboot bauen soll, noch nicht fest – und damit auch nicht, wie es zu seinem Heimathafen Guntersblum kommt. „Liegt die Werft am Rhein, wird es auf dem Fluss geliefert, ansonsten auf einem Tieflader“, erklärt VG-Tourismusexperte Rudolf Felgner. Für Hans-Jürgen Haas ist ohnehin etwas anderes entscheidend: „Wichtig ist nur, dass das Schiff zum Start der Fährsaison 2019 den Probebetrieb bestanden hat und fahrbereit ist. Ob es den Winter davor schon hier ist oder auf der Werft bleibt, ist letztlich egal.“

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Haas sitzt in der Zweckverbandsversammlung, ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Zusammen mit der Vorsitzenden Claudia Bläsius-Wirth und anderen Getreuen hat er jahrelang für die dauerhafte Verbindung über den Rhein getrommelt und darf sich jetzt kurz vor dem Ziel wähnen. In Zahlen heißt das: Seit Oktober vergangenen Jahres liegt die Zusage der EU über eine „Leader“-Förderung in Höhe von 168 000 Euro vor. Damit dieser Rubel auch wirklich rollt, müssen 160 000 Euro an Drittmitteln herangeschafft werden. Die Allianz Umweltstiftung hat 54 000 Euro zugesagt, ein Energieversorger weitere 50 000 Euro, 56 000 Euro muss der Förderverein zusammenkratzen. Rund 26 000 Euro hat er bereits in das Vermögen des Zweckverbandes überführt – Einnahmen aus den alljährlichen Fährtagen, die auch 2018 wieder stattfinden (siehe Kasten).

Nach dieser Rechnung bleiben noch 72 000 Euro, um den auf 350 000 Euro taxierten Erwerb des Prototyps zu bezahlen. Die wird die Verbandsgemeinde Rhein-Selz als Träger des Zweckverbandes vorstrecken – mehr aber auch nicht, wie Guntersblums Ortsbürgermeisterin Bläsius-Wirth betont: „Das sind keine Fördermittel, das ist ein Kredit, der zurückgezahlt werden soll.“ In Zeiten wie diesen, in denen der Landesrechnungshof jede freiwillige Leistung der VG in Frage stellt, eine wichtige Feststellung.

Mitte April will die iYacht GmbH aus Hamburg mit der Ausschreibung für die Werft beginnen, Anfang Juli könnte der Bau dann beginnen. Felgner hofft auf zwei bis drei Bewerber, mehr werden es wohl aufgrund der vergleichsweise hohen Lieferkosten nicht werden. Ähnlich wie in der Baubranche haben die Werften derzeit volle Auftragsbücher. „iYacht ist der Architekt, den wir gebeten haben, unser Haus zu planen“, sagt Felgner. „Der sucht jetzt einen Generalunternehmer, der das Haus schlüsselfertig baut.“

Die Werft, die den Zuschlag erhält, kann sich rühmen, die erste permanent auf einem fließenden Gewässer erster Ordnung in Europa fahrende Fähre zu bauen. Etwas Vergleichbares gibt es bisher nur auf der Mosel: Die Autofähre zwischen Oberbillig (Deutschland) und Wasserbillig (Luxemburg) wurde vergangenes Jahr auf E-Antrieb umgestellt.

„E-Mobilität ist nicht nur auf dem Land ein Thema, sie wird sich auch auf dem Wasser durchsetzen“, ist Haas überzeugt. Deshalb denkt man schon weiter: Der Traum von einer solargetriebenen Ladestation am Guntersblumer Rheinanleger ist nicht ausgeträumt, vorerst hat man parallel zur Deichsanierung die Kabel gelegt. „Das spart uns 15 000 Euro“, weiß Bläsius-Wirth.

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Von April bis Oktober soll die Fähre an allen Sams-, Sonn-, Feier- und Brückentagen von 10 bis 18 Uhr viermal pro Stunde fahren. Der Businessplan sieht für das 15 Meter lange Schiff mit seinen 35 Plätzen (Personen plus Fahrräder) eine Auslastung von hundert Passagieren und 190 Fahrten täglich vor. Und auf lange Sicht seien auch Firmen-, Sponsoren- und Eventfahrten möglich – irgendwann vielleicht gar in den Altrhein.

Eines braucht die Kühkopffähre aber bis dahin noch: Kapitäne. „Drei bis vier wären nicht schlecht“, sagt Bläsius-Wirth und nimmt Anmeldungen gern entgegen.

Von Ulrich Gerecke