Kastel: Stadtklima bliebt der wunde Punkt des...

Im Norden des Fort Biehler sind Äcker und Wiesen die bestimmenden Elemente der Landschaft. Dort soll auf dem Ostfeld eines von mehreren Wohngebieten entstehen.Archivfoto: hbz/Jörg Henkel  Foto:

KASTEL. Wohnen am Ostfeld, das ist keine Illusion, es rückt an die Wirklichkeit heran. Drei Varianten hat das Planungsbüro Pesch-Partner für die Stadtentwicklungsgesellschaft...

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KASTEL. KASTEL. Wohnen am Ostfeld, das ist keine Illusion, es rückt an die Wirklichkeit heran. Drei Varianten hat das Planungsbüro Pesch-Partner für die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) erarbeitet. Am 23. November werde eine Bürgerinformation ausgerichtet. Bis dahin soll klar sein, welche der drei Entwürfe zu einer Vorzugsvariante erklärt werde, sagte Projektleiter Joachim Mengden.

Die Szenarien weisen eine Gemeinsamkeit auf. Das geschützte Biotop Kalkofen, ein aufgelassener Steinbruch, soll unangetastet erhalten bleiben. Das Wohnen im Dreieck zwischen Amöneburg, Erbenheim und Kastel hätte in allen Entwürfen einen Schwerpunkt am Fort Biehler. Nicht alle, die an dem Wäldchen rund um den Erbenheimer Wartturm wohnen, sind davon begeistert. Widerspruch kündigt sich an: Gegen Kleingärten hätte niemand etwas, aber gegen Wohnblöcke, sagte Irmi Jungels vom Vorstand des Cyperus-Vereins, der in einem Schaugarten auf dem Terrain Naturschutzarbeit betreibt. Zustimmungsfähig wäre höchstens ein Szenario, bei dem die Frischluftschneisen nach Kastel unbebaut blieben.

Gutachter gehen offenen Fragen nach

Die Auswirkungen eines Ostfelds auf das Stadtklima bleiben in dem Projekt nicht ausgeblendet. Bis November sollen in Gutachten Fragen über Klima, Klimaschutz und Mobilität beantwortet werden. Wie sich ein Ostfeld klimatisch auswirke, wie die Mobilität der zukünftigen Bewohner organisiert werden könne, wo eine City-Bahn fahren und wo die Anschlüsse an das Straßennetz liegen könnten: Das seien die Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssten, sagte Projektleiter Mengden. Bei einer öffentlichen Veranstaltung am vorigen Wochenende stellte die Stadtentwicklungsgesellschaft drei vom Planungsbüro Pesch-Partner erarbeitete Szenarien vor. Sie tragen klingende Arbeitstitel: Mobilitätsband, Stadtteil am Fort Biehler, Stadtschollen. Bei der Veranstaltung habe es kein Ja oder Nein gegeben, sondern ein Gegenüberstellen von Vor- und Nachteilen, sagte Projektleiter Mengden.

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Bürgerbeteiligung nicht unumstritten

An dem Treffen war neben der Bürgerinitiative Fort Biehler und dem Cyperus-Verein auch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz als Vertreterin der anerkannten Naturschutzverbände präsent. Skeptiker der Ostfeld-Pläne verweisen darauf, dass die Stadt an gleicher Stelle vor über 20 Jahren ein Gewerbegebiet vorgesehen und damals aus Stadtklima-Gründen Schiffbruch erlitten habe. An den Fakten habe sich nichts geändert. Auch an der Bürgerbeteiligung zum Ostfeld bestünden Zweifel. Vielfach entstehe der Eindruck, dass Argumente aufgenommen werden sollen, um sie „taktisch“ gegen Kritiker einzusetzen, wie es am Fort Biehler heißt.

Das Szenario „Mobilitätsband“ sieht im Nordosten des Ostfelds zwei Gebiete zum Wohnen und Arbeiten sowie im Südwesten eines für Gewerbe und Industrie vor, alles in allem 127 Hektar zum Wohnen und Arbeiten. Ein Wohngebiet läge nördlich des Fort Biehler, das andere jenseits der Autobahn 66. Zwischen Autobahn und Wohngebiet regen die Planer ein Naherholungsgebiet mit einem Radschnellweg an, der eine Verbindung zur Wiesbadener City schaffen würde.

Der klimasensible Hang in Richtung Tier- und Cyperuspark bliebe unbebaut, die Gebiete im Südosten und ein Teil nördlich des Fort Biehler blieben als Ackerflächen für die Landwirtschaft erhalten. Eine City-Bahn würde über das Gewerbegebiet Petersweg angebunden, die Gleise würden sich durch das ganze Ostfeld von Süd nach Nord erstrecken. „Stadtteil am Fort Biehler“ heißt der Arbeitstitel eines zweiten Szenarios. Es zielt auf ein massig wirkendes neues Zentrum im Südosten unter Einschluss des Fort Biehler ab, das im Vergleich dazu bescheidene Ausmaße hätte. Das Terrain nördlich des Forts bliebe Ackerland, noch weiter nördlich auf der Westseite der Bundesstraße 455 gegenüber von Erbenheim würde ein Gewerbegebiet entstehen, ebenso im Südwesten ein Industriegebiet für die Abfallwirtschaft am Rand der Deponie. Nördlich der A 66 im Wäschbachtal wäre Raum für eine grüne Achse. Der Hang südlich des Fort Biehler würde bis auf einen schmalen „grünen Saum“ bebaut. Die Flächen nördlich des Kalkofen-Steinbruchs und des Fort Biehler blieben Ackerland, die Mobilität durch eine City-Bahn gewährleistet.

Das dritte Szenario, betitelt mit „Stadtschollen“, beinhaltet eine inselartig verteilte Wohnbebauung rund um das Fort Biehler und eine Gewerbezone jenseits der A 66. Das Zentrum läge am Fort auf einem 114 Hektar großen Gebiet. Der Hang südlich des Fort Biehler würde nicht ganz so üppig bebaut, das Gebiet im Südwesten bliebe für die Abfallwirtschaft reserviert.