Deftige Nummern und stürmisch gefeierte Damen bei...

Die Damen vom Ballett „Fit 4 Dance“ des Finther Turnvereins kommen mit getanzten Jagdszenen auf die Bühne.  Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

Der Kostheimer Carneval-Verein (CV) ist weiterhin auf seinem närrischen Höhenflug. Mit seiner derb-burschikos ausgerichteten Flößersitzung bedient er seit vielen Jahren die...

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KOSTHEIM. Der Kostheimer Carneval-Verein (CV) ist weiterhin auf seinem närrischen Höhenflug. Mit seiner derb-burschikos ausgerichteten Flößersitzung bedient er seit vielen Jahren die Begierden des vermeintlich starken Geschlechts. Eine Traditionsveranstaltung im Bürgerhaus, bei der auch am Mittwochabend die Post abging. In Blauhemden, roten Halstüchern und der dazu passenden Kopfbedeckung ging auch der „Kapitän“ Toni Oestereich mit seiner Mannschaft an Bord. Dass Flößer „dorschtige“ Männer sind, die gemäß des von Edgar Kownatzki getexteten Liedes die „Stang’ packe unn net lang fackele“, war eine stimmungsvolle Botschaft auch für Erstbesucher. Die „Leinen los“ ließ denn auch KCV-Protokollchef Ralf Falkenstein, der sich vom Thema Nummer eins in seiner gesellschaftskritischen Betrachtung fernhielt.

Erdogan und Trump im närrischen Visier

In seiner Jahresretrospektive rügte der singende Protokoller den türkischen Präsidenten Recep Erdogan ob dessen Pressezensur, kritisierte das Verhalten der „Horror-Clowns“ in den USA, und ließ kein gutes Haar am Regierungsverhalten des Präsidenten Trump. Für die TV-Fernsehfastnacht empfahl sich erneut der „Deutsche Michel“ Bernhard Knab, der ebenfalls den US-Regierungschef ins satirische Visier nahm. Im Hinblick auf die Bundestagswahl stellte sich für Knab die Frage, wer im September in Berlin „auftrumpft“. Die Vorstellung, dass „Angie“ sich gegenüber Seehofer als „Frau mit Rasta-Zöpfen“ präsentiert, dürfte allerdings nur dem jokusialen Impetus geschuldet sein. Als herausragende Vertreterinnen der getanzten Fassenacht präsentierten sich zwei Spitzen-Ballette. „Auf der Pirsch“ befanden sich die charmanten Damen des Finther Turnvereins „Fit 4 Dance“, die genau so Begeisterung entfachten wie die im zweiten Teil auftretenden Rennsport-Amazonen „Shining Motions“ aus Oppenheim. Beeindruckende Hebefiguren und atemberaubende Pyramiden, bei denen auch dieses Ballett um stürmisch geforderte Zugaben nicht umhinkam.

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Hochstimmung herrscht in der „Gut Stubb“ aber ebenfalls beim Auftritt der Mainzer Hofsänger. Ein Hoch auf die Mainzer Fleischwurst, die trotz der von der EU aufoktroyierten Norm „LMMA“ herzhaft mundet. Da kann ein echte Meenzer getrost auf das nachgemachte Produkt aus Peking verzichten. Anzügliche Schweinereien hatte Willi Steinbrech (MCV) vorsorglich in amouröse Betrachtungen gepackt, um die Männer in die Irre zu führen. Ein lebenserfahrener Mann.

Standing Ovations gab es auch für den Flörsheimer Pfarrer Sascha Jung. Satirisch gefärbt lud der Seelsorger seine von ihm betreute Sankt Gallus-Gemeinde zur Papst-Audienz ein: Als enfant terrible erweist sich dort Pamela Anderson, von deren Oberweite-Qualitäten sogar der Heilige Vater so begeistert ist, dass er um göttliche Hilfe bittet. Und Gott bedankt sich beim Papst auf ungewohnte Weise: „Endlich rufst du mich mal an, wenn es etwas zu gucke gibt.“

Auf dünnem Eis bewegte sich Jung allerdings, wenn er eingedenk der Restaurierung der Kirche eine Vielzahl von weiblichen Figuren in einem fragwürdigen Blickwinkel erscheinen lässt. Ob bei diesem Vortrag aufgrund der Männerbegierden wirklich eine Heilige „abgekachelt“ werden musste, ist sicherlich eine Geschmackssache. Unbestritten war dagegen wieder der furiose Auftritt der „Spaßmacher Company“, die die Narrhalla förmlich abrockten und mit Mainzer Stimmungsliedern die Flößersitzung glanzvoll krönten.