Appenheim: Weingut Knewitz

Björn (links) und Tobias Knewitz. Foto: Andreas Durst

Björn und Tobias Knewitz machen ausdrucksstarke Weine und setzen auf naturnahen Weinbau.

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Appenheim. Probieren, probieren, probieren – am besten Weine der führenden deutschen Güter sowie aus der ganzen Welt. „Nur so entwickelt sich ein persönlicher Geschmack, der auch das Profil der eigenen Weine maßgeblich prägt“, ist Tobias Knewitz überzeugt. Der Jungwinzer aus Appenheim, Jahrgang 1991, mischt schon seit einigen Jahren im Familienweingut mit. 2008 hat er seinen ersten Wein vorgelegt, der von Kritiker Stuart Pigott direkt mit Lorbeeren bedacht wurde – „bei einer Blindweinprobe hätte er geschworen, der Verantwortliche müsste schon etliche Jahre Erfahrung hinter sich haben.“

Mit neuer Stilistik überraschen die Jungwinzer alte und neue Kunden

Ab diesem Sommer wird auch Bruder Björn, Jahrgang 1993, voll im Weingut einsteigen. Gemeinsam arbeiten die beiden an dichten und komplexen Weinen mit Ecken und Kanten, die sich in Aroma und Stilistik von den Produkten der vorausgegangenen Knewitz-Generationen unterscheiden. Das missfällt vielleicht dem ein oder anderen Stammkunden, aber Fachpresse, Handel und Gastronomie sind begeistert. Darüber hinaus haben sich viele neue Käufer gefunden. Knewitz-Weine werden in Spitzen-Restaurants in ganz Deutschland ausgeschenkt und mit dem schwierigen Jahrgang 2010 wurde das Weingut prompt in die beiden wichtigsten deutschen Weinführer „Eichelmann Deutschlands Weine“ und „Gault Millau“ aufgenommen. „Wir haben eine klare Vorstellung von den Ergebnissen und machen Weine, die uns selbst gefallen“, sagt Tobias Knewitz selbstbewusst. Nach einer Ausbildung zum Winzer, die er im Weingut Dautermann in Ingelheim (Rheinhessen), bei Philipp Kuhn in Laumersheim und beim Weingut Meßmer in Burrweiler (beides in der Pfalz) absolvierte, studiert Tobias Knewitz noch bis 2015 Weinbau in Geisenheim. Vor allem das Jahr bei Philipp Kuhn hat ihn geprägt, sagt er rückblickend. Er hat dort mit einem Sommelier zusammengewohnt und war in den Familienbetrieb integriert – inklusive etlicher Weinproben nach Feierabend, bei denen bis in die Nacht hinein über hochwertige Tropfen diskutiert wurde. Nicht, ohne sie natürlich zuvor verkostet zu haben. Björn Knewitz beendet im Juli seine Ausbildung zum Weinküfer bei Reh Kendermann in Bingen, eine der modernsten Kellereien in Deutschland. Voraussichtlich will er im kommenden Jahr in Bad Kreuznach noch den Weinbauwirtschafter draufpacken.

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Naturnaher Weinbau kennzeichnet die Arbeit der Brüder

Die Trauben werden konsequent in mehreren Gängen selektiert, sodass zur Ernte nur noch vollreife und gesunde Trauben am Rebstock hängen. Geerntet wird mit der Hand und so spät wie möglich, damit sich durch den langen Reifeprozess der Trauben ihr Aroma intensiviert. „Unseren Riesling lesen wir in der Regel Ende Oktober, Anfang November“, sagt Tobias Knewitz. Die Vergärung mit traubeneigenen Hefen verleiht den Weinen ihren ganz eigenen Charakter. Gegliedert ist das Sortiment nach dem VDP-Pyramidensystem in Gutsweine sowie Orts- und Lagenweine. Die Trauben stammen aus Lagen in Appenheim, Gau-Algesheim, Nieder-Hilbersheim und Ingelheim. Jede für sich eine Lage mit ganz besonderem Boden – vor allem viel Kalkstein und zum Teil sogar Eisenerz – das den Weinen ihre Mineralität und Eigenständigkeit verleiht. Die Dynamik der jungen Winzer in Appenheim ist beeindruckend. Dies liegt wohl an der guten und engen Zusammenarbeit der Betriebe, die sich als Appenheim Connection verstehen und die sich regelmäßig treffen; um sich auszutauschen sowohl über die eigenen Weine als auch über die Weine anderer Marktteilnehmer – und natürlich zum Probieren.