Sport während der Hitzewelle? Mainzer Sportwissenschaftler Perikles Simon im Interview

Trinkpausen, wie auf diesem Archivfoto vom Regionalligaderby der B-Junioren zwischen Gonsenheim und Schott, müssen bei diesen Temperaturen sein. Archivfoto: hbz/Schäfer

MAINZ - Während man bei den aktuellen Temperaturen schon beim bloßen Gedanken an Bewegung anfängt zu schwitzen, trifft es natürlich diejenigen umso härter, die tatsächlich in diesen Tagen auf den Sportplätzen aktiv sein – oder sein müssen. Im AZ-Interview erklärt Prof. Dr. Dr. Perikles Simon von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, ob man unter diesen Bedingungen überhaupt Sport treiben sollte. Und der Sportwissenschaftler sagt, warum Salz für trainierte Sportler gar nicht mal so schlecht ist.

Herr Simon, wie gefährlich ist denn Sport in der aktuellen Hitzewelle?

Wer eine sportliche Aktivität gewohnt ist, dessen Körper hat sich in der vergangenen Woche auf die Hitze eingestellt. Trainierte Sportler werden bei diesen Temperaturen also keine schwerwiegenden Probleme haben. Sie müssen sich jedoch darauf einstellen, dass bei erschöpfenden Ausdauerbelastungen die Leistungsfähigkeit leidet.

Inwiefern?

Man hat zum Beispiel beim Marathon in Paris festgestellt, dass die Sportler bei einer Temperatur von 25 Grad 20 Minuten langsamer laufen als bei einer Temperatur von 15 Grad bei sonst fast identischen Bedingungen. So wird deutlich, was selbst ein Temperaturunterschied in diesen Bereichen schon ausmacht. Wenn es dann wie aktuell deutlich über 30 Grad geht, wird die Wärmeabgabe des Körpers deutlich beeinträchtigt. Jeder Mensch hat eine Körperkerntemperatur. Je höher die Umgebungstemperatur und je höher die Luftfeuchtigkeit, desto schwerer ist es durch die Transpiration einen Kühlungseffekt zu erreichen – und dann steigt eben die Körperkerntemperatur.

Würden Sie bei diesen Temperaturen also von Sport abraten?

Das kommt darauf an. Eingeschränkte Gruppen müssen natürlich sehr vorsichtig sein und sollten sich überlegen, Hallensport zu betreiben oder ins kühlende Schwimmbad zu gehen. Zu diesen Gruppen gehören Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen sowie auch schon längere Zeit untrainierte über 35 Jahre. Wenn Vorerkrankungen vorliegen, können Anstrengungen unter diesen Bedingungen zu massiven Problemen führen. Das Risiko während des Sports steigt enorm.

Sie haben davon gesprochen, dass der Körper von Sportlern sich durch die regelmäßigen Aktivitäten auch an die Hitze gewöhnen kann. Wann ist man nach Ihrer Definition ein Sportler?

Im Idealfall sollte man drei Mal in der Woche Sport machen mit einem Umfang von 150 Minuten im moderaten Bereich. So definiert die Weltgesundheitsorganisation einen gesundheitsförderlichen Sportumfang.

Anstrengend bleibt Sport unter diesen Bedingungen ja aber trotzdem. Was sollte man beachten?

Natürlich muss eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein. Außerdem muss man auf seinen Elektrolythaushalt achten. Und so sehr man bei Risikogruppen von Salzkonsum abrät, so wichtig ist er für Menschen, die regelmäßig Sport treiben.

Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Leistungsfähigkeit des Körpers?

Der Körper eines trainierten Menschen merkt schnell, dass er gerade unter besonderen Bedingungen arbeitet und schraubt seine Leistung dementsprechend herunter. Der Zustand der Erschöpfung wird deshalb schneller erreicht. Das ist aber sogar eher gesund. Allerdings sollte man dann auch auf seinen Körper hören und es dementsprechend nicht übertreiben. Gesunde Menschen können bei diesem Wetter also durchaus Sport machen. Sie leiden zwar, aber erleiden keine gravierenden Schäden.

Viele Sportarten befinden sich zwar noch in der Sommerpause. Was raten Sie aus sportmedizinischer Sicht jedoch den Sportlern und den Veranstaltern von Wettkämpfen, die in den kommenden Tagen stattfinden? Baseballer, Fußballer oder Leichtathleten sind ja schon aktiv.

In der Leichtathletik sind die Bedingungen etwa bei den Süddeutschen Meisterschaften der Jugend nicht zu unterschätzen. Da muss man sich überlegen, ob man die Terminpläne anpasst. Fußball ist auch nicht ohne, da müssen einfach ausreichend Trinkpausen eingelegt und die Schiedsrichter dementsprechend instruiert werden. Generell gilt: Ausreichend trinken, ausreichend Salz, direkte Sonne meiden, vermehrte Pausen einlegen und zum Kühlen und Trinken nutzen.

Diese Webseite verwendet Cookies, um Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Informationen darüber, wie Sie diese Webseite verwenden, werden an Google weitergegeben. Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.
Zustimmen