VG-Bürgermeister-Kandidat Stefan Kneib (CDU) will Ehrenamtliche mehr unterstützen

CDU-Bürgermeisterkandidat Stefan Kneib: „Ich bin ehrlich, direkt und pragmatisch.“ Foto: hbz/Stefan Sämmer

VG NIEDER-OLM - Die VG-Verwaltung soll effizienter arbeiten und mehr Dienstleistungen für die Ortsgemeinden und die Ehrenamtlichen erbringen. Auch den Tourismus und den ÖPNV möchte Stefan Kneib in den Mittelpunkt des Wahlkampfs um das Amt des VG-Bürgermeisters rücken. Die AZ hat den 45-jährigen Zornheimer nach der parteiinternen Wahl zum CDU-Kandidaten und damit zum Herausforderer von Amtsinhaber Ralph Spiegler (SPD) interviewt. Die Wahl findet vermutlich am 4. März statt.

DATEN & FAKTEN

Stefan Kneib, 45 Jahre alt, verheiratet, wohnt in Zornheim im Kastanienhof, drei Kinder (fünfjähriges Mädchen sowie zwei Jungen, sieben und neun Jahre alt); Obst- und Weinbauer (bewirtschaftet 40 Hektar); der Diplom Ingenieur arbeitet auch als Teamleiter bei einem amerikanischen Konzern. Sprecher der CDU-Fraktion im Ortsgemeinderat in Zornheim; erstmals als Nachrücker in den Jahren 2003 und 2004 im Gemeinderat, dann wieder seit 2014; CDU-Kandidat bei der VG-Bürgermeisterwahl 2018.

Herr Kneib, Sie wurden vom CDU-Gemeindeverband in der VG Nieder-Olm mit 100 Prozent der Stimmen zum Kandidaten gekürt. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen bei der Wahl 2018?

Ich sehe meine Chance bei 50:50.

Sie fordern Ralph Spiegler heraus, der seit über 20 Jahren amtiert. Dr. Dahmen und Thomas Barth, die einst für die CDU gegen ihn antraten, haben es nicht geschafft.

Sicher, Herr Spiegler ist der Platzhirsch. Aber 23 Jahre sind genug. Wir brauchen in der VG frischen Wind und jüngere Leute. Jetzt muss ich mich in der gesamten Verbandsgemeinde bekannt machen, natürlich auch auf Veranstaltungen in den Ortsgemeinden. Ich denke dabei an die Weihnachtsmärkte und auch an die Fastnacht. Mein erster Termin als Kandidat ist die Nieder-Olmer Fackelwanderung am Freitag.

Mit 45 Jahren sind Sie nach der Nominierung erstmals mit einem eigenen Facebook-Profil im Netz präsent. Warum so spät?

Viele Leute beziehen ihre Informationen heute übers Internet, da komme ich an Facebook nicht vorbei. Bislang habe ich gezögert, da für mich als Technischer Informatiker der Datenschutz recht wichtig ist. Und ich muss nicht mit jedem mein Leben teilen.

Mit welchen Themen ziehen Sie in den Wahlkampf?

Der Verwaltungsapparat der VG tut zu wenig und muss effizienter werden, einige Prozesse dauern viel zu lange. Die Zusammenarbeit mit den Ortsgemeinden muss verbessert werden. So werden einige Vorlagen für die Ratssitzungen viel zu kurzfristig verschickt; vieles muss dann abgesetzt oder in die Ausschüsse verwiesen werden. Bürgermeister Spiegler ist kaum bei den Sitzungen der Ortsgemeinderäte präsent. Das möchte ich ändern. Denn nur wenn der Bürgermeister oft vor Ort ist, kennt er die Nöte der Ortsgemeinden.

Sie sind also mit dem „Dienstleister VG“ unzufrieden?

Ja, die Beratungsqualität der VG ist nicht optimal. Die Ortsgemeinden brauchen mehr Unterstützung, etwa bei der Vorbereitung konkreter Bauprojekte, denn in der Verwaltung sitzen die bezahlten Fachleute. Wichtig ist mir auch, dass die vielen Ehrenamtlichen in der gesamten VG mehr konkrete Unterstützung durch die Verwaltung bekommen. Wichtig sind direkte Ansprechpartner. Ein gutes Beispiel, wie es laufen könnte, ist der Flüchtlingsbeauftragte. Da ist die VG auf dem richtigen Weg. Auch die Ehrenamtskarte ist ein kleiner Baustein von Anerkennung.

Gibt es weitere Themen, die Ihnen wichtig sind?

Ich denke an die Tourismusförderung, die von den Ortsgemeinden 2009 an die VG delegiert worden ist. Aber in diesem Bereich ist nichts passiert. Es fehlt nach wie vor ein zusammenführendes Tourismuskonzept der VG, das an „Rheinhessen“ andockt und dort aufgeht. Vieles, was derzeit passiert, etwa die Hiwweltouren, passiert in den Gemeinden. Ich denke beispielsweise an den Traumblick vom Ruhkreuz in Zornheim. Wäre dies ein Platz in der Pfalz, stünde dort schon ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel. Und ein weiteres wichtiges Thema in der VG ist für mich ein zwischen Rheinhessen und Mainz abgestimmtes Verkehrskonzept, das die Stärkung des ÖPNV und den Ausbau der Rheinhessenstraße umfasst.

In der VG ist viel über den Beigeordneten und eine neue rot-schwarze Koalition diskutiert worden. Wie beurteilen Sie diese Gemengelage?

Nach den mehr oder weniger unglücklichen Koalitionsgesprächen geht es darum, die VG nach vorne zu bringen. Ich sehe da keine ideologischen Hindernisse im Rat. Ich kann mit einem hauptamtlichen Beigeordneten umgehen, auch wenn ich mir eine Neuorganisation mit vier oder fünf spezialisierten ehrenamtlichen Beauftragten hätte vorstellen können. Als Bürgermeister würde ich mich im Rat als Antreiber und Moderator sehen – ehrlich, direkt und pragmatisch.

Das Interview führte Dieter Oberhollenzer.

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