"Ehe für alle": Die ersten gleichgeschlechtlichen Mainzer Paare haben geheiratet

Von Carina Schmidt
Lokalredakteurin Mainz

Thilo und Kim Stalbovs haben als erstes gleichgeschlechtliche Paar in Mainz geheiratet. Foto: HBZ / Stefan Sämmer

MAINZ - 40 Tage – so lange waren Thilo und Kim Stalbovs verpartnert. Am 41. Tag, genauer am Mittwoch, 5. Oktober, ging das Paar erneut zum Standesamt. Eine Unterschrift, eine kleine Rede und ein Kuss. Schon wurde aus den Lebenspartnern ein Ehepaar. Thilo und Kim Stalbovs sind damit das erste gleichgeschlechtliche Paar in Mainz, das seine Verpartnerung in eine Ehe umgewandelt hat.

„Noch fühlt sich unsere Verbindung nicht anders an als vorher“, sagte Thilo Stalbovs hinterher. „Als wir zum ersten Mal zum Standesamt gegangen sind, wussten wir ja schon, dass es bald die ‚Ehe für alle‘ gibt.“ Das war der 25. August. Ein Datum, für das sich das Paar aus Hechtsheim bewusst entschieden hatte – es war der 15. Jahrestag. Kennengelernt haben sich Thilo und Kim Stalbovs während des Studiums in Landau. An jenem Ort, wo die Liebe angefangen hatte, feierten sie auch ihre Verpartnerung. Thilo (37) arbeitet inzwischen als Lehrer, Kim (36) ist als Kriminologe im öffentlichen Dienst beschäftigt.

Die Entscheidung des Bundestags am 30. Juni für die „Ehe für alle“ haben die Stalbovs morgens vor dem Fernseher mitverfolgt. Freudentränen flossen. Und die Hoffnung wuchs, dass sie direkt heiraten dürfen. Weil das Gesetz aber erst am 1. Oktober in Kraft getreten ist und das Standesamt durch den Tag der Deutschen Einheit geschlossen war, konnten sie in Mainz erst am 5. Oktober heiraten.

Glückwünsche von den Grünen

Bei der ersten Zeremonie von Thilo und Kim Stalbovs waren auch die Grünen-Politiker Anne Spiegel (rheinland-pfälzische Familienministerin), Tabea Rößner (Bundestagsabgeordnete), Pia Schellhammer (queerpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion) und Jutta Paulus (Landesvorsitzende) dabei. Spiegel sagt: „Das ist ein historischer Tag. Ich hatte Tränen in den Augen.“ Rößner, die im Bundestag ihre Stimme für die „Ehe für alle“ abgegeben hatte: „Wenn man so lange für etwas gekämpft hat, dann ist es total bewegend, zu sehen, wie glücklich Menschen durch die Entscheidung sind.“ Für das zweite Paar gab es eine Hochzeitstorte von den Grünen, die am Nachmittag in der Landesgeschäftsstelle angeschnitten werden soll.

Nochmals in die Hochzeitsanzüge geschnlupft

Die Feierlichkeit deshalb zu verschieben, war für die beiden aber keine Option. „Wer das einmal geplant hat, der weiß, mit wie viel Aufwand das verbunden ist“, sagte Thilo Stalbovs. Die Umwandlung der Verpartnerung in eine Ehe sollte dann aber am ersten Tag, an dem es in Mainz möglich ist, vollzogen werden.

Eigentlich wollten die Stalbovs daraus „keine große Sache“ machen. Denn das erste Fest liegt knapp sechs Wochen zurück. Ein kleiner Kreis von Familie und Freunden ließ es sich aber nicht nehmen, trotzdem nochmal dabei zu sein. Dafür trugen Thilo und Kim Stalbovs nochmal ihre Hochzeitsanzüge.

Das Paar strahlte, als wäre es das erste Mal. Thilos Mutter Gisela Meder verlor auch ein paar Tränchen. „Die Wimperntusche hat leider nicht stand gehalten“, lachte sie. „Ich bin schon sehr ergriffen.“ Das Ehepaar fuhr noch am Vormittag zur Arbeit.

"Jetzt muss niemand mehr sagen: Das ist mein Lebenspartner"

Für Alexander (39) und Martin (54) Schykowski, das zweite Paar am Donnerstag, war es ebenfalls wichtig, gleich am 5. Oktober Nägel mit Köpfen zu machen. „Wir sind seit 16 Jahren ein Paar und seit 14 Jahren verpartnert“, erzählte Martin Schykowski, der für die Grünen im Mainzer Stadtrat sitzt. Die Schykowskis hatten bei der Eheschließung ihre Trauzeugen von damals und ihre beiden dreijährigen Pflegekinder dabei. „Wir gehen jetzt noch zusammen frühstücken“, kündigte der 54-Jährige an. Vom Gefühl her habe sich für ihn und seien Mann nun nichts verändert. „Wir haben uns ja schon längst füreinander entschieden.“ Trotzdem seien sie natürlich stolz, dass endlich wahr wird, wofür sie so lange gekämpft hatten.

Auch Standesbeamtin Corinna Popp strahlte: „Jetzt muss niemand mehr sagen: Das ist mein Lebenspartner.“ Für Popp ging die Routine danach ebenfalls weiter. Das Ja-Wort geben sich vor ihr und ihren Kollegen künftig nur noch Ehepaare.

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