Nach Messerangriff: Gedenkstunden für getötetes Kind

Von Robert Neuber
Lokalredakteur Bad Kreuznach

Das Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach. (Foto: Rüdiger Lutterbach)

BAD KREUZNACH - Der Messerangriff eines afghanischen Asylbewerbers auf eine schwangere Frau im Krankenhaus St. Marienwörth, bei dem ein ungeborenes Kind tödlich verletzt wurde, sorgt für politische Aktivitäten. Schon am Dienstagnachmittag kündigte Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer an, man wolle das Thema sowie die Trauerarbeit nicht der AfD überlassen. Mit CDU-Landrätin Bettina Dickes wird es daher am Freitag, 18. Januar, um 16 Uhr auf dem Kornmarkt eine Gedenkstunde für das getötete ungeborene Kind geben.

Doch die AfD ist schneller: Der Kreisverband Bad Kreuznach unter Landtagsabgeordnetem Jürgen Klein lädt schon am Donnerstag, 17. Januar, um 18 Uhr zur „Trauerveranstaltung“ auf die Kirschsteinanlage. Die AfD nutzt den Facebook-Auftritt des Vereins „Kultur Heimat Tradition“ dazu, eine Erklärung zu dem Fall abzugeben. Darin fordert Jürgen Klein die Staatsanwaltschaft auf, in der Anklage gegen den afghanischen Täter nicht von „vollendetem Schwangerschaftsabbruch“ zu reden, sondern von „Tötung eines Kindes“ in Tateinheit mit „Mordversuch an der Mutter“. Der Vorstand der AfD sei „entsetzt über die abscheuliche Bluttat (...) durch die Hand eines illegal eingereisten Asylsuchenden“. Man trauere um das „ermordete Kind, das die Notoperation schwer verletzt überlebte und dann verstarb“. Das Mitgefühl des AfD-Vorstandes gelte der Mutter sowie den Angehörigen der Familie des Opfers.

„Täter sind Täter“

Die öffentliche Kundgebung von Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer wird aber auch skeptisch gesehen. Annette Bauer, Vorsitzende des Integrationsbeirats, spricht von „Sensationsgehasche“. Das spiele doch der AfD nur in die Hände. Bauer hatte sich im Sommer 2017 kritisch zu afghanischen Männergruppen in der Stadt geäußert und damit eine politische Diskussion ausgelöst – sie warnt aber im konkreten Fall davor, nun eine Nationalität in den kritischen Fokus zu stellen. „Täter sind Täter“, sagt sie, die Nationalität spiele da keine Rolle. Sie kenne viele gut integrierte Afghanen. Ihr gehe es um den „Bau von Brücken“ zwischen Ausländern und Einheimischen, deswegen wird es am 7. Februar in der Thress´schen Mühle auch eine Diskussion im Integrationsbeirat über den Vorfall geben.

Dann werden möglicherweise auch mehr Hintergrundinformationen über den Ablauf der Tat bekannt sein. Es stellt sich die Frage, wie der Täter aus dem hessischen Biblis wissen konnte, dass die Frau in Bad Kreuznach in der Klinik war. Zuvor war das Opfer im Kreuznacher Frauenhaus untergebracht. Die Leiterin des Frauenhauses, Petra Wolf, möchte zu den konkreten Abläufen nichts sagen. Das sei mit den Ermittlungsbehörden so abgesprochen. Generell kläre man mit den Klientinnen im Frauenhaus im Vorfeld ab, ob man die Klinik über die problematischen Hintergründe und mögliche Bedrohungen informiere. Ob das im konkreten Fall geschehen sei, will Wolf nicht mitteilen.

Da sich der Täter bisher nicht geäußert hat, ist die genaue Beziehung zu dem Opfer unklar. Die Obduktion des getöteten Ungeborenen findet nun in Mainz in der Rechtsmedizin statt. Dann wird geklärt, ob das Kind von dem Afghanen stammt. Von der Staatsanwaltschaft wird bestätigt, dass der Täter das Messer aus Biblis mitgebracht hat. Die Frau, die nach dem Angriff notoperiert werden musste, konnte bislang noch nicht vernommen werden.

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