Rotorblatt eines Windrades bricht ab und stürzt auf Feld

Das Rotorblatt eines Windrades zwischen Gau-Bickelheim und Wallertheim ist am Montag abgebrochen.

WALLERTHEIM/GAU-BICKELHEIM - Spektakulärer Unfall am Montagmorgen: Auf einem Feld zwischen Gau-Bickelheim und Wallertheim nahe der Autobahn A61 ist um kurz vor 8 Uhr das knapp 55 Meter lange und zehn Tonnen schwere Rotorblatt eines Windrades abgebrochen und auf einen angrenzenden Acker gestürzt. Personen kamen bei dem Vorfall nicht zu Schaden, Feuerwehr und Polizei sicherten die Unfallstelle.

Noch ist unklar, wie es zu dem Vorfall an der von der 2012 Firma Juwi gebauten Anlage gekommen ist. Ein Gutachter wurde beauftragt und die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde informiert. Auch die übrigen Windräder im Windpark Gau-Bickelheim wurden von Juwi sicherheitshalber abgeschaltet, sie sollen in den kommenden Tagen überprüft werden und erst dann wieder in Betrieb gehen, wenn eine Unfallgefahr ausgeschlossen werden kann. Über die Schadenshöhe gibt es derzeit noch keine Informationen.

Das beschädigte Windrad ist die einzige Anlage des Windparks Gau-Bickelheim, die auf Wallertheimer Gemarkung steht. Insgesamt verfügt der Park über 16 Windräder, die übrigen stehen auf den Gemarkungen Gau-Bickelheim, Flonheim, Eckelsheim und Gumbsheim. Alle sind Anlagen des Typs Kenersys K110, die dort zwischen 2012 und 2013 errichtet wurden. Die Räder haben eine Generatorleistung von 2,4 Megawatt, die Nabenhöhe beträgt 145 Meter, der Rotordurchmesser 109 Meter.

Die „Juwi Operations & Maintenance GmbH“ hat die Betriebsführung für alle 16 Anlagen übernommen, die sich im Besitz verschiedener Eigentümer befinden. Für den technischen Service, also auch die Reparatur im Schadensfall, haben die Betreiber wiederum andere Firmen beauftragt.

TÜV-Verband bezeichnet Windkraftanlagen als „tickende Zeitbomben“

Bislang gelten Windkraftanlagen in Deutschland in Fachkreisen als besonders sichere Bauwerke, gemessen an der Gesamtzahl aller Anlagen, rund 30.000, bewegt sich die Zahl negativer Vorkommnisse im sehr niedrigen Prozentbereich. Dennoch ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen an Windrädern gekommen. Im März wurden durch einen Sturm an einer Anlage in Borchen (Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen) zwei Rotorblätter zerfetzt, Anfang 2017 stürzte südlich von Hamburg ein fast 100 Meter hohes Windrad um. Es war damals der dritte Vorfall dieser Art innerhalb weniger Wochen.

In diesem Jahr bezeichnete der TÜV-Verband Windkraftanlagen als „tickende Zeitbomben“ und warnte vor einer steigenden Gefahr schwerwiegender Havarien in den kommenden Jahren (die AZ berichtete), aktuell gebe es pro Jahr rund 50 gravierende Schäden an Windrädern. Der Verband stellte daher die Forderung, Windräder – wie etwa Tankstellen oder Aufzüge – in die Betriebssicherheitsverordnung aufzunehmen und mindestens alle zwei Jahre zu prüfen. Der Bundesverband Windenergie (BWE) kritisierte die TÜV-Aussagen und bezweifelte die veröffentlichten Zahlen. Hier würden Ängste geschürt, um wirtschaftlich begründete Interessen durchzusetzen, hieß es damals vom BWE.

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