Am Bökelberg ist alles aus
05.03.2011 - BREMEN
Von Carsten Schröder
KNIESCHADEN Für Gruber blieb kein Platz unter den großen Namen
Sein Name stand in einer Reihe mit den ganz Großen im deutschen Fußball. Doch seine Karriere war beendet, noch ehe sie so richtig begonnen hatte. Als Rigobert Gruber am 1. Mai 1984 im DFB-Pokalspiel bei Borussia Mönchengladbach nach 17 Minuten vom Platz musste, da war niemandem klar, dass die viel versprechende Laufbahn des damals 22-jährigen Vorstoppers von Werder Bremen jäh beendet sein würde. Zwei Jahre danach und fünf Knie-Operationen später war es Gewissheit. Als Sportinvalide war die Profilaufbahn des Wormsers vorbei.
Es war eine denkwürdige Partie am Bökelberg. Die Heimelf siegte in der Verlängerung mit 5:4. Doch weit mehr als die Niederlage schmerzte den heute 49-Jährigen seine Verletzung: In einem Zweikampf hatte sich Gruber das Knie verdreht. Das Innenband war gerissen, dazu kamen kaputte Kreuzbänder, der ramponierte Außenmeniskus - es war ein Totalschaden.
Ordentlich Frust ist natürlich dabei, wenn Gruber heute von der sich anschließenden Leidenszeit berichtet. „Heute machen die sowas in der Mittagspause“, sagt er im Wissen, dass es längst Spezialisten gibt, die Knorpel glätten, Bänder kitten, Sehnen flicken. Vor mehr als 25 Jahren landete er in zwei Jahren fünf Mal auf dem OP-Tisch, quälte sich bei diversen Fitmachern - und war zudem nicht selten auf sich allein gestellt. „Ich musste allein ins Fitnessstudio. Da wusste man gar nicht, was man vielleicht selbst alles falsch macht.“ Zwei Jahre nach der Verletzung versuchte Gruber bei den Werder-Amateuren ein Comeback. Es blieb beim Versuch. „Die Schmerzen waren immer noch da.“
Begonnen hatte alles am Wormser Schweißwerk. Dort schnürte „Rigo“ bei Blau-Weiß seine Stiefel - und empfahl sich über diverse Auswahlstationen fürs U 16-Nationalteam. Gruber schmunzelt, wenn er an Einladungen denkt, auf denen sich neben Rigobert Gruber von Blau-Weiß Worms etwa Lothar Matthäus vom FC Herzogenaurach oder Bernd Schuster vom FC Augsburg fanden. Allerdings stand „Blau-Weiß“ da nicht lange. Die Talentsichter kamen, und plötzlich tauchten da Borussia Mönchengladbach oder 1. FC Köln auf. Im Fall von Rigobert Gruber war‘s Eintracht Frankfurt.
Fürs zweite A-Jugend-Jahr war Gruber an den Main gewechselt, wo er ruckzuck mit den Profis trainierte und mit 18 einen Profivertrag bekam. Gut erinnert er sich an sein erstes Pflichtspiel, als ihm beim 1:0-Sieg auf dem Lauterer Betzenberg immer wieder „Rigo“-Rufe entgegenschallten. „Meine Kumpels von Blau-Weiß waren alle da, die waren ja FCK-Fan.“
Letztlich gab es für Gruber in Frankfurt aber keinen Weg vorbei an Charly Körbel oder Bruno Pezzey. Und so folgte zur Saison 81/82 der Wechsel an die Weser für eine Ablösesumme von 400 000 Mark. An die Vertragsverhandlungen beim Erstliga-Aufsteiger mit seinem damaligen Werder-Manager Rudi Assauer erinnert sich der Wormser noch gut. „Wir haben handschriftlich einen Vertrag aufgesetzt“, erzählt er. Als Gehalt gab es etwa 8 000 Mark, brutto, zuzüglich Prämien. Gruber: „Für mich viel Geld.“
Bereits im ersten Jahr bestritt der Lockenkopf alle 34 Spiele, erzielte als Vorstopper herausragende acht Tore. Und so spielte er sich auch ins Blickfeld der Nationalelf, in der Karl-Heinz Förster oder Klaus Augenthaler den Platzhirsch gaben. „Man musste damals auch erst mal drei Jahre gut spielen, um in die Nationalmannschaft zu kommen - und nicht nur drei Spiele“, erzählt er. Die Einladung von Bundestrainer Jupp Derwall zu einem Lehrgang gab‘s endlich doch. Aber auf dem Bökelberg platzte der Traum von der Karriere.
Weil die Hoffnung auf Fortsetzung seiner Laufbahn erst über die Jahre schwand, hielt sich sein Frust sogar in Grenzen. „Ich bin immer positiv“, erklärt er, vergisst aber nicht: „Ich war fit wie ein Bulle, ich hätte noch zehn Jahre gespielt.“ Und deshalb schmerze es heute fast mehr als damals, „wenn mal von Namen wie Matthäus oder Schuster die Rede ist...“

