Karin Augustin: „Ohne LSB geht’s nicht“
04.09.2010 - MAINZ
KARIN AUGUSTIN Präsidentin des rheinland-pfälzischen Landessportbundes im Interview
Heute vor 60 Jahren wurde der Landessportbund (LSB) Rheinland-Pfalz gegründet. Seit etwas mehr als zwei Jahren steht Karin Augustin als Präsidentin an der Spitze des LSB. Wir sprachen mit der 53-Jährigen über das Sportverständnis in der Bevölkerung, das Selbstverständnis der Vereine und wie sich der LSB für die Zukunft aufgestellt sieht.
Der LSB wird 60, schauen Sie doch kurz in die Zukunft und in die Vergangenheit.
Der LSB wurde relativ schnell nach der Gründung der regionalen Sportbünde ins Leben gerufen. Die Verbände haben sehr schnell gemerkt, dass es einer Dachorganisation bedarf, die die Verbindung zur Bundesebene und zu Regierungsvertretern leistet. Der LSB hat Netzwerke entwickelt, die die Arbeit der regionalen Verbände vereinfacht haben. In Zukunft werden die Anforderungserwartungen immer größer. Die soziale Funktion des Sports darf dabei nicht vergessen werden. Seien es die Kooperationen der Vereine mit Schulen oder die Integrationsarbeit für Menschen mit Migrationshintergrund, um nur zwei Beispiele zu nennen, die ausgebaut werden müssen.
Wie präsentiert sich der LSB heute?
Der LSB hat heute, dank der kontinuierlichen Arbeit auf allen Ebenen, eine hohe Akzeptanz in der Politik. Es ist eine Basis geschaffen worden, den Sport in eine gute Zukunft mit neuen Konzepten zu führen.
Wie hat sich das Sportverständnis in der Bevölkerung entwickelt?
Die Menschen wollen nicht mehr nur einem Verein angehören und zig Jahre ein festes Sportangebot zur festen Tageszeit wahrnehmen. Sie wollen sich individuell und der Lebenssituation angepasst zwischen vielfältigen Angeboten entscheiden. Auch der Gesundheitsaspekt spielt eine größere Rolle als noch vor ein paar Jahren. Nicht allein der Wettkampf zählt, sondern die Menschen wollen ihrem Körper etwas Gutes tun. Die Aufgabe der Vereine liegt darin, aufzuzeigen, dass sie anpassungsfähig sind und sich auf die Wünsche der Menschen einstellen.
Großer Zuspruch in den Vereinen ist in der Altersklasse ab 41 Jahren zu verzeichnen. Die Bevölkerung wird älter und der LSB will Angebote anpassen. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass die Jugend nicht vergessen wird. Wie gehen Sie die Herausforderungen an?
Die Vereine müssen sich moderner aufstellen, dabei können sie sich an den Fitnessstudios, die in den vergangenen Jahren einen großen Zuspruch erfahren haben, ein Stück weit orientieren oder sogar mit diesen kooperieren. Die Angebote müssen dem Alter angepasst werden. Aber auch neue Sportarten und neue Trends müssen die Vereine für sich entdecken und ausprobieren. Der LSB wird ihnen dabei unterstützend zur Seite stehen.
Sie sind seit etwas mehr als zwei Jahren Präsidentin und haben den LSB wieder zu einer Einheit gemacht. Aber das Hauptproblem der Finanzierung ist geblieben. Wie sehen Sie die derzeitige Situation?
Unsere Finanzen sind ständiger Gesprächsgegenstand mit politischen Vertretern. Bei den vielen Projekten, die wir unterstützen, kann man nie genug Geld haben. Die Angst das Lotto Rheinland-Pfalz aufgrund des Wegfalls des Sportwetten-Monopols als Geldgeber wegfällt, kann uns nicht genommen werden. Deswegen sind wir auch stets auf der Suche nach Partnern, die uns finanziell wie ideell unterstützen.

