Neue Chance in der Mitte
15.07.2010 - SCHWERIN
VOLLEYBALL Bundestrainer möchte Nadja Schaus umschulen
(csr). Schon wieder ein neues Betätigungsfeld für Nadja Schaus. Nachdem die Wormserin sich gerade dem Erstligisten Schweriner SC angeschlossen hat, eröffnet sich für die 25-Jährige jetzt im Nationalteam eine neue Perspektive: Bundestrainer Giovanni Guidetti möchte Schaus zur Mittelblockerin „umschulen“.
Die neue Chance der Wormserin, die sich als Außenangreiferin bisher gegen große Konkurrenz behaupten musste, ist das Pech einer anderen. Ausgerechnet Mannschaftsführerin Christiane Fürst (Fenerbahce Istanbul) musste sich einer Schulter-Operation unterziehen und wird bei den Grand Prix-Turnieren vom 6. bis 29. August in Danzig, Okayama und Hongkong sowie dem Finale im chinesischen Ningbo nicht dabei sein. Fürst wird vermutlich auch bei der folgenden Grand-Prix-Qualifikation (15. bis 23. September) fehlen. Erst bei der Weltmeisterschaft in Japan (29. Oktober bis 14. November) soll Fürst das deutsche Team wieder aufs Feld führen.
Bundestrainer Giovanni Guidetti bekannte zwar zunächst: „Wir waren geschockt, denn wir haben nicht nur unseren Kapitän, sondern eine der weltbesten Mittelblockerinnen für einen längeren Zeitraum verloren.“ Als Alternative kommt nun aber Nadja Schaus ins Spiel, die Guidetti kurzfristig von der Außenposition auf den Mittelblock umschulen will.
Die Wormserin selbst sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen, hatte sie doch gehofft, auf der Außenposition ihre Bestimmung gefunden zu haben. „Ich konnte immer alles und nichts richtig“, lacht sie und erklärt, sich genau in dieser Rolle die besten Entwicklungschancen ausgerechnet zu haben. Tatsächlich gleich begeistert war sie deshalb nicht, soll sie doch auch in Schwerin die Lücken auf der Außenposition schließen. Nach Rücksprache mit ihrem Vereinstrainer Tore Aleksandersen ist aber endgültig der Ehrgeiz erwacht. Schaus: „Er hat gesagt, es sei kein Problem, ich würde ja nicht nur im Block trainieren.“
Die Idee des Bundestrainers zum Einsatz der Wormserin als Mittelblockerin ist freilich noch kein Freifahrtschein in eine rosarote Zukunft. Unter anderem bewirbt sich mit Anja Brandt ausgerechnet eine Vereinskameradin auf ihrer Stammposition um den Platz an der Seite von Stammkraft Corinna Ssuschke (Prostejov). Schaus weiß aber auch, dass ihr die Position durchaus liegt. „Das macht mir sehr viel Spaß“, so die 1,88-Meter-Frau, die mit ihrem „Debüt“ bei einem Testspiel des Nationalkaders zwar nicht ganz glücklich war, stand sie doch am Ende auf der Verliererseite. „Der Trainer hat aber gesagt, ich hätte das schon ganz gut gemacht“, erzählt sie - und möchte diese Eindrücke weiter bestätigen. Gestern ging es mit dem Nationalteam zum Lehrgang nach Brasilien.

