Mit 19 schon Gold
18.02.2012 - RHEINDÜRKHEIM
Von Jürgen Jaap
SPRINGREITEN Rheindürkheimer Manuel Horn hat schon zehn S-Springen gewonnen
Idefix verteidigt laut kläffend sein Terrain. Das gehört sich so für einen Jack-Russell-Terrier. Speziell dann, wenn ein Fremder den Hof des Anwesens der Familie Horn betritt. Etwa 6 000 Quadratmeter am nördlichen Ende von Rheindürkheim hat Idefix zu bewachen. Gut macht er das. Oma Heike Horn streckt deshalb ihre Nase bei gefühlten minus zwanzig Grad Außentemperatur vorsichtig aus dem kleinen Gastraum direkt neben den Pferdeställen. „Herein in die gute Stube“, sagt die rüstige Dame. „Manuel kommt gleich, er muss nur noch die Pferde versorgen.“ Der Enkel von Oma Heike lässt ein wenig auf sich warten. Das ist gut so. Dann bleibt etwas Zeit, um die vielen hundert Schleifen in Gold, Silber und anderen Farben, sowie die mehreren Dutzend Pokale zu bewundern. „Das sind alles Preise, die Manuel bei Turnieren gewonnen hat“, erklärt Heike Horn.
Viele Schleifen und ein Pimpf auf dem Schaukelpferd
Der wahre Blickfang aber in der gemütlichen „Aufwärmstube“ der Horns ist eine riesige Fotowand. Manuel Horn als kleiner Pimpf auf seinem hölzernen Schaukelpferd, Manuel als Viertklässler auf einem Pony, die ersten Springprüfungen. Immer größer, immer eleganter werden die Pferde, auf deren Rücken Manuel Horn „seinem Sport“, wie er später sagen wird, nacheifert. Die Tür geht auf. Ein junger Mann mit Pudelmütze und beiden Händen ob der klirrenden Kälte in den Taschen betritt den Raum. Man spürt sofort die Energie, die in dem jungen Sportler steckt. „Ich mach’ nur mal schnell das Interview, dann helfe ich gleich wieder“, ruft er in Richtung seiner Freundin Claudia aus Luxemburg, die der 19-jährige Vollblut-Reiter - wie sollte es anders sein - bei einem Reitturnier kennen und lieben lernte.
20 Pferde, darunter zehn Reitpferde, haben die Horns zu versorgen. Die ganze Familie hilft mit. Mutter Manuela, Vater Thomas, die zwei Jahre ältere Schwester Michaela, Oma Heike und Freundin Claudia sind im Einsatz. Da darf sich Manuel Horn jetzt gerne mal die kleine Auszeit gönnen, um von den jüngsten Erfolgen auf Reitturnieren in Beckingen, Zweibrücken, Spiesen und Neunkirchen im Saarland zu erzählen. „Das war eine erfolgreiche Saison“, blickt der junge Mann, der die mittlere Reife machte und danach eine Metzger-Ausbildung absolvierte, sehr gern auf „sein“ Sportjahr 2011 zurück. Ein Jahr, das für Manuel Horn („Ich hoffe, 2012 wird genauso erfolgreich“) mit der Verleihung des „Goldenen Reitabzeichens“ perfekt abgerundet wurde. Eine Auszeichnung übrigens, die noch kein Reiter seines Klubs RSG Pfeddersheim in so jungen Jahren erhielt.
Seine drei Springpferde hat Manuel immer dabei, wenn es während der Saison beinahe an jedem Wochenende ab zu Reitturnieren geht. Utopia, die achtjährige braune Holsteiner Stute, Cassandra, die neunjährige Holsteiner Schimmelstute, und Carlo Cestaro, den zehn Jahre alten braunen Holsteiner Wallach, bildete Manuel selbst aus. „Wir haben hier zwei große Koppeln und einen selbstgebauten Parcours.“ Die Reitstunden darauf kann Manuel inzwischen gar nicht mehr zählen. „Wir sind eine Familie, die mit und auch ein wenig für den Reitsport lebt“, sagt der junge Mann.
Heu und Äpfel für Cassandra, Utopia und Carlo Cestaro
Nun aber „lebt“ er erst einmal wieder voll und ganz für seine drei Springpferde Cassandra, Utopia und Carlo Cestaro, die noch etwas Heu, Äpfel und Möhren als Abendbrot bekommen. Jeder Tag beginnt für Manuel Horn morgens um 7 Uhr mit Füttern und Einstreuen von Stroh und Heu. Nach dem Mittagessen geht es - wenn es draußen wieder wärmer wird - für zwei bis drei Stunden auf den Reitplatz, danach für die Pferde zum Entspannen auf die Koppel. Der „normale Arbeitstag“ endet gegen 20 Uhr mit dem Putzen und Striegeln der Vierbeiner. „Ich könnte gar nicht mehr ohne Pferde leben“, schwört Manuel Horn. Idefix scheint es ähnlich zu gehen, denn der kleine Jack-Russell-Terrier hat sich ebenfalls - genau wie Herrchen Manuel - längst zu den großen Vierbeinern in den Pferdestall verdrückt.

