Montag, 13. Februar 2012 07:17 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Mainz 05 

Mainz 05 in Flachau, Tag 9: Chefcoach Thomas Tuchel im Abschlussgespräch

30.07.2010 - FLACHAU

Das Gespräch zeichnete Jens Grützner auf

Ein intensives Trainingslager im österreichischen Flachau ist für Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 Geschichte. Chefcoach Thomas Tuchel stellte sich noch einmal ein paar Fragen. Die Bedingung des 36-Jährigen für das Gespräch lautete: Das Wort Fazit wollte er nicht hören.

Herr Tuchel, nach acht Tagen Trainingslager stellt sich die Frage: Wie geht es weiter?

Wir machen jetzt erst einmal Pause bis zum Sonntagmorgen. Dann gehen die Belastungen in die der klassischen Wettkampfphase über. Die Trainingsinhalte werden geringer, die Umfänge auch. Wir hatten in den ersten vier Wochen der Vorbereitung den Schwerpunkt auf den Ballbesitz gelegt. Jetzt haben wir hier in Flachau das Bewusstsein für die Defensive geschärft. Wir haben beide Teilbereiche erfolgreich abgearbeitet, jetzt führen wir sie zusammen.

Wie beurteilen Sie die Situation auf der Torwartposition nach der Kreuzbandverletzung von Stammkeeper. Ersatzmann Christian Wetklo hinterließ in einigen Einheiten nicht den stärksten Eindruck?

Christian hatte gegen Panathinaikos Athen ein gutes Spiel auf höchstem Niveau. Er löste in diesem einige brenzlige Situationen. Da war er hellwach. Ansonsten musste sich auch Christian erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Ich bin grundsätzlich zufrieden mit ihm. In einer Woche sprechen wir mit Heinz. Aber die Tendenz nach der ersten Diagnose ist, dass wir keine neue Nummer eins verpflichten. Läuft alles optimal, ist Heinz am siebten Spieltag wieder zurück.

Sie sind noch auf der Suche nach einem dritten Torwart. Dieser muss mindestens bis zum siebten Spieltag die Nummer zwei, möglicherweise sogar ein Bundesliga-Keeper sein. Erfüllt Testspieler Nico Pellatz das Anforderungsprofil?

Nicos Problem ist, dass sich das Profil verändert hat. Nico hat seine Arbeit hier gut gemacht. Wir müssen für uns jetzt einfach beurteilen, ob er auch unter den neuen Bedingungen bestehen kann. Wir müssen die Sache ruhig entscheiden. Ich weiß, dass dies etwas unbefriedigend für Nico ist.

Sie wollten eventuelle nach dem Ende des Trainingslagers über einen neuen Kapitän entscheiden. Wie sieht es aus?

Das ist noch nicht geklärt. Aber ich denke, dass es keine große Überraschung gibt. Mit Heinz Müller, Aristide Bancé und Eugen Polanski sind keine unbedeutenden Akteure angereist, was auch die Wahl des neuen Mannschaftsrats angeht. Auch da warten wir noch ab.

Gibt es einen Grund, warum Nikolce Noveski nach Auftritten als Kapitän Ende der vergangenen Runde und in den zurückliegenden Testspielen nicht mehr die Mannschaft führen sollte?

Nein.

Die Konkurrenz im Kader ist groß, am größten ist sie bei den Innenverteidigern. In Flachau hinterließ Jan Kirchhoff einen blendenden Eindruck nach einem Jahr Zwangspause. Wie sehen Sie ihn?

Bei den Innverteidigern sind wir in der Breite und Spitze außergewöhnlich gut besetzt. Jan ist ein herausragendes Talent. Er kann ein überdurchschnittlicher Bundesliga-Spieler werden. Aber wir sind noch in der Testspielzeit. Jan braucht Praxis im Kampf um Punkte. Deshalb genießen zuerst unsere drei Leute aus der Vorsaison, Nikolce Noveski, Niko Bungert und Bo Svensson das Vertrauen. Jan genießt das Privileg, nach einem Jahr Pause vollwertiges Mitglied dieses Kaders zu sein. Trotz allen Ehrgeizes muss er lernen, geduldig zu sein. Ungeduld ist die größte Gefahr für ihn.

Das heißt, Jan Kirchhoff und Stefan Bell werden zunächst bei den Regionalliga-Amateuren spielen?

Sie haben das Pech, dass sie auf einer Position spielen, auf der kaum gewechselt wird. Wenn man mich fragt, wer der nächste André Schürrle in dieser Mannschaft ist, dann sage ich, dass man eine ähnliche Entwicklung wie Schürrle nehmen kann, auch wenn man nicht dessen Anzahl von Spielen bekommt. Für Kirche und Bello ist es wichtig, dass sie am Ende der Saison auf 30 Einsätze über 90 Minuten kommen. Und ich bin sicher, dass das Regionalliga-Team ihretwegen oft zu Null spielen wird. Außerdem sind ja auch Einsätze bei den Profis möglich.

Sie wollten dem 19-jährigen Dragan Georgiev die Chance geben, sich in Flachau bei den Profis zu zeigen. Aber es scheint so, als ob der Sprung für ihn ins Bundesliga-Team noch zu groß ist?

Die Tendenz geht dahin, ihn an einen Zweitligisten auszuleihen. Kurzfristig sehe ich keine Chance auf Bundesliga-Einsätze für ihn. Aber er braucht Spielpraxis. Er ist ein Guter. Und deswegen können wir ihn nicht zu irgendeinem Klub geben. Es muss einer sein, der jungen Spielern eine Chance gibt, der sie weiter ausbilden will.

In einer intensiven Vormittagseinheit am Mittwoch erweckte Adam Szalai durch sein starkes Auftreten den Eindruck, dass er nach überstandener Syndesmosebandverletzung schon zum Saisonstart eine Alternative sein kann?

Ich bin überzeugt, dass er kurzfristig eine Alternative ist, vielleicht noch nicht zum Saisonstart. Und ich glaube an sein Potenzial. Er hat es hier schon wieder angedeutet. Und Adam hat jetzt das Gefühl zu wissen, wo er hingehört. Er war von Real Madrid zu uns gekommen und hatte in der Rückrunde immer das Gefühl, in jeder Situation alles beweisen zu müssen. Er war in Madrid Pendler zwischen erster und zweiter Mannschaft. Als er in der Rückrunde in Mainz gefragt wurde, für wie lange er den Telefonanschluss zu nutzen gedenke, konnte er keine Antwort geben. Jetzt hat er einen Dreijahresvertrag. Das wird ihn noch stärker machen.

Noch ein Wort zum letztjährigen Stürmer der Junioren, Petar Sliskovic?

Er ist weiter, als ich erwartet hatte. Er hat sich sehr gut über zwei mal 60 Minuten in den Testspielen gegen Aachen und Athen präsentiert. Petar muss sein Freilaufverhalten unter Druck noch verbessern.

Und jetzt eine Gesamteinschätzung ihres Kaders zum Schluss?

Wir haben keine Karteileichen. Hier hat jetzt jeder seine Chance auf Einsatzzeiten. Und jeder will diese Chance nutzen. Deswegen genießt auch jeder das Vertrauen der Kollegen. Mit uns ist als Mannschaft zu rechnen.

Thomas Tuchel am Telefon im Mannschaftsbus und Stefan Bell auf dem Weg zum Bus. Foto: Sascha Kopp

Kurz vor der Abreise: Thomas Tuchel sitzt bereits im Bus, Stefan Bell ist auf dem Weg dorthin. Foto: Sascha Kopp

Arbeitnehmerin des Tages

Evelyn: Täglich um 18.30 Uhr verließ die Kosmetikerin im Team-Hotel Lacknerhof ihren Bereich, um in der Sauna den Aufguss für die 05er durchzuführen. Nur war zu dieser Zeit eigentlich nie ein Profi im Wellness-Bereich zu finden. Also profitierten andere Gäste von Evelyns Arbeit. Zum Aufguss brachte sie immer einen großen Topf voll Honig mit. Zwei Löffel voll erhielt jeder Schwitzbereite. „Der macht die Haut geschmeidig“, sagte sie. Also rieb man sich klaglos mit der klebrigen Masse ein. Und schwitzte. Was wollen Fußball-Profis auch mit geschmeidiger Haut?

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