Fußball: Bundesligist FSV Mainz 05 unterliegt beim Test in Darmstadt 2:3
04.09.2010 - DARMSTADT
Von Roland Hessel
Jetzt hat es den FSV Mainz 05 doch erwischt. Und der einzige positive Aspekt, den die erste Niederlage, die der Fußball-Bundesligist seit dem Vorbereitungsstart auf die mittlerweile laufende Saison einstecken musste, mitbrachte, ist die Tatsache, dass sie absolut zu verschmerzen ist. Mit 2:3 (0:2) unterlag der Erstligist in „aller Freundschaft“ beim Regionalligisten Darmstadt 98. Ein Test, der die Länderspielpause überbrücken sollte. Ein Test, der vor allem die derzeit zweite Garde des Bundesliga-Dritten fordern sollte.
„Es gibt überhaupt keinen Grund, sich wegen dem Spiel und dem Ergebnis übertriebene Sorgen zu machen“, sagte 05-Coach Thomas Tuchel nach der Partie, die der Viertligist vor 2100 Zuschauern am Böllenfalltor durchaus verdient gewann. „Meine Spieler sind auch nur Menschen“, betonte der Mainzer Trainer und verwies auf eine intensive Trainingswoche, dessen Resultat die schwache Leistung in dieser Begegnung gewesen sei.
In der Tat hatten die Mainzer, die auf insgesamt acht Nationalspieler verzichten mussten und auch nicht auf Andreas Ivanschitz, der sich im Abschlusstraining eine Adduktorenverletzung zugezogen hat, zurückgreifen konnten, relativ früh den „Lilien“ das Feld überlassen müssen. „Wenn wir unsere ersten Chancen reinmachen, geht die Partie ihren normalen Gang“, so Tuchel. Weil aber vor allem Haruna Babangida 98-Keeper Samake Joel nicht überwinden konnte, klingelte es beim ersten vernünftigen Darmstäder Angriff auf der Gegenseite. Martin Pieckenhagen, der erstmals das Mainzer Tor hütete, konnte den ersten Schuss von Oliver Heil noch abwehren, war bei dessen Nachschuss machtlos.
In der Folgezeit hatte der Bundesligist, dem insgesamt nur 13 Feldspieler zur Verfügung standen, mehr vom Spiel. Richtig zwingende Chancen sprangen aber kaum heraus. Strukturierter war da schon die laufstarke Heimmannschaft, die in der 39. Minute mit einem schönen Spielzug, den Sven Sökler abschloss, mit 2:0 in Führung ging.
Risse offenbart Defizite beim Spielverständnis
Bei den Mainzern lag natürlich aus Augenmerk vor allem auf die Spieler, die in der Liga noch nicht zum Zuge gekommen sind oder gerade erst verpflichtet wurden. Aufdrängen konnte sich keiner. Malik Fathi spielte solide, aber unauffällige 90 Minuten durch, gleiches galt für Marcel Risse, der freilich viele Defizite im Spielverständnis offenbarte. „Natürlich hat er kein gutes Spiel gemacht“, sagte Tuchel, „aber wir werden das intern, mit Hilfe der Video-Aufnahmen analysieren“. Gleiches galt auch für Jan Simak, der auf der linken Außenbahn eine erschreckend schwache Vorstellung bot – auch wenn er mit einem direkt verwandelten Freistoß aus spitzem Winkel, der den ehemaligen Mainzer Amateur-Torwart Rainer Adolf buchstäblich auf dem falschen Fuß erwischte, kurz nach der Pause für den Anschluss sorgte. Simak hatte allerdings auch immer noch mit Rückenproblemen zu kämpfen, musste kurz nach seinem Treffer ausgewechselt werden.
Während wenig später der starke Ex-Profi Matias Esteban Cenci die Darmstädter wieder mit zwei Toren in Front köpfte, taten sich die Meinzer immer schwerer. Angreifer Morten Rasmussen fand nie eine Bindung zum Spiel, Marco Caligiuri war viel unterwegs, aber ebenfalls nicht immer effektiv. Auch Florian Heller nutzte seine Chance auf der rechten Abwehrseite nicht. Einzig Babangida sorgte für einige Entlastung und schließlich auch für den erneuten Anschlusstreffer, der in der 88. Minute aber zu spät fiel, um die Partie noch zu drehen.
„Irgendwann waren wir wohl einfach fällig“
„Irgendwann waren wir wohl einfach fällig“, so Thomas Tuchel, der nach außen gelassen blieb, aber dennoch an der Niederlage, vor allem aber am Auftritt seiner Mannschaft zu kauen hatte. „Das Spiel ist definitiv kein Maßstab. Aber wir haben natürlich einen anderen Anspruch. Und wir werden unsere Rückschlüsse ziehen und nicht einfach darüber hinweg gehen.“ Es gebe für die Leistung kein Alibi, so der Mainzer Coach weiter, um mit einem Grinsen anzufügen: „Trotzdem kriegt die Mannschaft jetzt zwei Tage frei.“ Sicherlich auch, um letzte Kraft zu tanken, bevor der ganzen Konzentration dem Derby am kommenden Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern gilt.

