Mainz 05-Trainer Thomas Tuchel im Interview: Siegprämie für alle überlegenswert
03.09.2010 - MAINZ
von Jens Grützner
Am Donnerstagmittag äußerte sich Cheftrainer Thomas Tuchel zum Kader des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 nach dem Ende der Transferperiode.
Herr Tuchel, die Transferperiode liegt hinter Ihnen. Wie lautet Ihr Fazit für diese?
Wir haben die Spieler, die im Bereich des möglichen waren, verpflichten können. Ich bin also zufrieden.
Sie haben den qualitativ vermutlich besten 05-Kader aller Zeiten zusammen...
Ob dem so ist, weiß ich nicht. Wir haben auf jeden Fall eine sehr ausgewogene Mannschaft mit charakterstarken Spielern. Wir haben uns sehr viele Gedanken über die Zusammenstellung des Teams gemacht. Wir brauchen alle, um konkurrrenzfähig zu sein. Und trotzdem haben wir seriös gewirtschaftet. Wir sind keine Risiken eingegangen.
Sie sprechen die Charaktere an. Aber Sie haben doch keine Gewissheit, dass der enorm geschürte Konkurrenzkampf nicht dazu führt, dass Probleme auftreten, die kontraproduktiv fürs Innenleben des Teams sind?
Was haben Spieler, die unzufrieden sind, für eine Wahl? Es gibt für sie keine andere Möglichkeit, als dranzubleiben. Wir versuchen, alle Entscheidungen so transparent wie möglich zu treffen. Das war in der vergangenen Saison aber auch schon so. Vielleicht muss man sich vor allem in der Öffentlichkeit, in den Medien, von dem Gedanken verabschieden, dass es im Fußball nur um elf, zwölf Leute geht. Man muss die Spieler nicht nur daran messen, wie viele Minuten sie auf dem Platz gestanden oder wie viele Tore sie geschossen haben.
Profis, die nicht spielen, merken dies vor allem an fehlenden Geldern auf dem Bankkonto. Es dürfte diesen Spielern schwer fallen, Wertschätzung als gleichwertigen Ausgleich zu betrachten?
Vielleicht wäre in diesem Zusammenhang ein Modell überlegenswert, das alle an der Siegprämie beteiligt.
Der 05-Kader bietet viele Variationsmöglichkeiten. Vermutlich würden Sie sich über die Möglichkeiten von „fliegenden Wechseln“ wie im Handball freuen?
In bin absolut für fliegende Wechsel auch im Fußball. Dann würde der Flexibilität mehr Rechnung getragen. Aber ich glaube nicht, dass ich eine solche Regeländerung erlebe.
Sie haben alleine 24 Feldspieler in Ihrem Kader. In der vergangenen Saison erklärten Sie, dass 18 Profis plus eigene Amateure und A-Junioren die perfekte Größe wären. Hat sich Ihre Sicht der Dinge verändert?
Man muss die Kaderplanung immer perspektivisch betrachten. Es gibt Verträge, die nächstes Jahr auslaufen. Und es gibt ansonsten immer noch ein paar Unbekannte während einer Saison. Man muss aber auch einmal von einer Wunschvorstellung Abstand nehmen können. Ich sage jetzt:22 Feldspieler wären optimal.
Sie haben sich für den Wechsel von Linksverteidiger Malik Fathi nach Mainz unheimlich stark gemacht. Sie sagten, dass er schon in der vergangenen Rückrunde als erstmaliger Leihspieler von Spartak Moskau großen Einfluss auf die Mannschaft hatte. Können Sie das konkretisieren?
Malik ist ein Musterprofi. Er ist ein totaler Teamplayer. Er hat eine hohe soziale Kompetenz. Er war in den ersten Monaten bei uns ein absoluter Führungsspieler. Er hat andere mitgezogen. Wir hatten so etwas vorher noch nie erlebt. Mainz 05 konnte nicht darauf verzichten, ihn unter vertretbaren Bedingungen zu haben. Zumal ungewiss ist, wie es mit Zsolt Löw weitergeht. Er trainiert immer noch mit Schmerzen im Fuß. Und wenn man sieht, was Malik eingesetzt hat, um wieder zu uns zu kommen, dann spricht das einfach für sich. Und wir haben berechtigte Hoffnungen, Malik über diese Leihsaison zu behalten.

