05er Andreas Ivanschitz hat momentan schweren Stand in der Mannschaft
25.08.2010 - MAINZ
Von Rüdiger Lutterbach
Unterschiedlicher hätte der Saisonauftakt für die beiden Österreicher im Kader des FSV Mainz 05 nicht laufen können: Während Christian Fuchs beim 2:0-Erfolg gegen den VfB Stuttgart als stürmender Linksverteidiger eine starke Leistung zeigte und vom Fachmagazin „kicker“ in die „Elf des Tages“ berufen wurde, schmorte sein Landsmann Andreas Ivanschitz 90 Minuten lang auf der Bank. Für den 26-jährigen Offensivspieler war kein Platz im taktischen System seines Trainers Thomas Tuchel, der gegen den VfB mit drei defensiven Mittelfeldspielern und zwei Stürmern spielen ließ.
Der „Super-Ösi“ der Hinrunde 2009/10 (sechs Tore, sechs Torvorbereitungen) wurde in den Vorbereitungsspielen fast ausschließlich im linken, offensiven Mittelfeld eingesetzt, doch diese Position gab es gegen Stuttgart nicht. Und sollte sie es in den nächsten Spielen wieder geben, steht Ivanschitz dort in direkter Konkurrenz zu Jungstar André Schürrle, der den Saisonstart wegen der Nachwehen einer Schambeinreizung verpasste und heute wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll.
Keine rosigen Aussichten
Die Aussichten für den noch bis Sommer 2011 vom griechischen Erstligisten Panathinaikos Athen ausgeliehenen Ivanschitz sind demnach alles andere als rosig. Seine Hoffnungen auf einen „Herbst wie 2009“ haben gleich am ersten Spieltag einen Dämpfer bekommen. Dabei fühlt sich der Burgenländer, der für Österreich bereits 49 Länderspiele absolviert hat, von Nationaltrainer Didi Constantini aber seit geraumer Zeit nicht mehr berücksichtigt wird, gut vorbereitet für seine zweite Bundesliga-Runde: „Ich habe alle Trainings und Testspiele absolviert. Die Basis für eine erfolgreiche Saison ist gelegt.“
Dass Tuchel ihn nicht mehr für die Zentrale, sondern bevorzugt für die linke Außenbahn auf dem Zettel hat, ist für Ivanschitz kein Problem, schließlich hat er diese Position schon bei Rapid Wien und in der Nationalmannschaft gespielt. „Insofern bin ich daran gewöhnt und werde keine Umstellungsprobleme haben.“
Kein störungsfreies Verhältnis
Doch wie stark baut Tuchel noch auf den Österreicher? Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler war - besonders in der Rückrunde der vergangenen Saison - nicht frei von Störungen. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (2:2) wechselte Tuchel Ivanschitz zur Pause ein und in der 82. Minute wieder aus, was der Spieler als „Respektlosigkeit“ empfand. Drei Wochen zuvor hatte er mit dem bis dato schnellsten Platzverweis in der Bundesliga-Geschichte (nach 188 Sekunden) die 0:2-Niederlage in Nürnberg eingeleitet, was wiederum beim Trainer auf wenig Begeisterung gestoßen war. Immerhin ist Ivanschitz diesen zweifelhaften Rekord am vergangenen Samstag an den Kölner Youssef Mohamad losgeworden.
Doch vielleicht erinnert sich Tuchel vor dem Auswärtsauftakt am Samstag beim VfL Wolfsburg ja an das letztjährige Hinrundenspiel in der Volkswagen-Arena (3:3), als Ivanschitz nach einem schnellen 0:2-Rückstand quasi im Alleingang die Wende einleitete. Den Anschlusstreffer durch Chadli Amri bereitete er vor, den 2:2-Ausgleich erzielte er mit einem direkt verwandelten Freistoß selbst. Es war am elften Spieltag bereits sein sechster Saisontreffer - und zugleich sein letzter.
Damals noch unumstrittene Stammkraft, muss Ivanschitz mittlerweile um seine Einsatzzeiten kämpfen. „Der Konkurrenzkampf ist größer geworden“, weiß er selbst, „aber ich bin für ihn bereit. Und ich glaube, dass ich mich durchsetzen kann.“ Sollte er in Wolfsburg aber wieder nur Zuschauer sein, wird’s schwierig.

