Das Gespräch zeichnete Jens Grützner auf
Ein intensives Trainingslager im österreichischen Flachau ist für Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 Geschichte. Chefcoach Thomas Tuchel stellte sich noch einmal ein paar Fragen. Die Bedingung des 36-Jährigen für das Gespräch lautete: Das Wort Fazit wollte er nicht hören.
Herr Tuchel, nach acht Tagen Trainingslager stellt sich die Frage: Wie geht es weiter?
Wir machen jetzt erst einmal Pause bis zum Sonntagmorgen. Dann gehen die Belastungen in die der klassischen Wettkampfphase über. Die Trainingsinhalte werden geringer, die Umfänge auch. Wir hatten in den ersten vier Wochen der Vorbereitung den Schwerpunkt auf den Ballbesitz gelegt. Jetzt haben wir hier in Flachau das Bewusstsein für die Defensive geschärft. Wir haben beide Teilbereiche erfolgreich abgearbeitet, jetzt führen wir sie zusammen.
Wie beurteilen Sie die Situation auf der Torwartposition nach der Kreuzbandverletzung von Stammkeeper. Ersatzmann Christian Wetklo hinterließ in einigen Einheiten nicht den stärksten Eindruck?
Christian hatte gegen Panathinaikos Athen ein gutes Spiel auf höchstem Niveau. Er löste in diesem einige brenzlige Situationen. Da war er hellwach. Ansonsten musste sich auch Christian erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Ich bin grundsätzlich zufrieden mit ihm. In einer Woche sprechen wir mit Heinz. Aber die Tendenz nach der ersten Diagnose ist, dass wir keine neue Nummer eins verpflichten. Läuft alles optimal, ist Heinz am siebten Spieltag wieder zurück.
Sie sind noch auf der Suche nach einem dritten Torwart. Dieser muss mindestens bis zum siebten Spieltag die Nummer zwei, möglicherweise sogar ein Bundesliga-Keeper sein. Erfüllt Testspieler Nico Pellatz das Anforderungsprofil?
Nicos Problem ist, dass sich das Profil verändert hat. Nico hat seine Arbeit hier gut gemacht. Wir müssen für uns jetzt einfach beurteilen, ob er auch unter den neuen Bedingungen bestehen kann. Wir müssen die Sache ruhig entscheiden. Ich weiß, dass dies etwas unbefriedigend für Nico ist.
Sie wollten eventuelle nach dem Ende des Trainingslagers über einen neuen Kapitän entscheiden. Wie sieht es aus?
Das ist noch nicht geklärt. Aber ich denke, dass es keine große Überraschung gibt. Mit Heinz Müller, Aristide Bancé und Eugen Polanski sind keine unbedeutenden Akteure angereist, was auch die Wahl des neuen Mannschaftsrats angeht. Auch da warten wir noch ab.
Gibt es einen Grund, warum Nikolce Noveski nach Auftritten als Kapitän Ende der vergangenen Runde und in den zurückliegenden Testspielen nicht mehr die Mannschaft führen sollte?
Nein.
Die Konkurrenz im Kader ist groß, am größten ist sie bei den Innenverteidigern. In Flachau hinterließ Jan Kirchhoff einen blendenden Eindruck nach einem Jahr Zwangspause. Wie sehen Sie ihn?
Bei den Innverteidigern sind wir in der Breite und Spitze außergewöhnlich gut besetzt. Jan ist ein herausragendes Talent. Er kann ein überdurchschnittlicher Bundesliga-Spieler werden. Aber wir sind noch in der Testspielzeit. Jan braucht Praxis im Kampf um Punkte. Deshalb genießen zuerst unsere drei Leute aus der Vorsaison, Nikolce Noveski, Niko Bungert und Bo Svensson das Vertrauen. Jan genießt das Privileg, nach einem Jahr Pause vollwertiges Mitglied dieses Kaders zu sein. Trotz allen Ehrgeizes muss er lernen, geduldig zu sein. Ungeduld ist die größte Gefahr für ihn.

