Mainz 05 in Flachau, Tag 9: „Ohoho, Inter Mailand“ - Stefan Bell im Interview
29.07.2010 - FLACHAU
Von Jens Grützner
Zum Ende der vergangenen Saison sorgte eine Nachricht für großes Aufsehen: Inter Mailand, der spätere Champions-League-Sieger, wollte den Mainzer A-Junior Stefan Bell verpflichten. Eine Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro für den Innenverteidiger stand im Raum. Nach einer längeren Zeit des Überlegens lehnte Bell das Angebot ab. Im Trainingslager in Flachau spricht der Abwehrspieler über seine Beweggründe.
Herr Bell, hat sich Ihre Entscheidung pro Mainz zum jetzigen Zeitpunkt gelohnt?
Auf jeden Fall. Die Mannschaft, der Trainer, das Umfeld sind klasse. Und die Art, wie der Trainer Fußball spielen lässt, passt zu mir - diese offensive Verteidigung.
Können Sie Einblick geben, wie das Mailänder Angebot an Sie herangetragen wurde?
Nach Spielen mit der U 19-Nationalmannschaft rief mich mein Berater an. Er fragte mich, welche Sprache ich denn mal lernen wolle, denn es gäbe Angebote aus verschiedenen Ländern. Unter anderem aus Italien. Aus Mailand. In dem Moment war das eine unrealistische Geschichte für mich. Ich dachte kurz: ohoho, Inter Mailand. Aber zum damaligen Zeitpunkt habe ich mich nicht zu 100 Prozent mit dem Angebot befasst, schließlich hatten wir noch eine anstrengende Bundesliga-Runde mit den A-Junioren zu absolvieren.
Aber Sie mussten sich später damit befassen, Sie schauten sich ja auch die Bedingungen vor Ort an. Mit welchen Eindrücken kehrten Sie zurück?
Ich war mit meinem Berater und meinem Vater vor Ort. Wir sprachen zwei Stunden mit dem Sportdirektor, ich lernte den Präsidenten kennen. Alles war eine Nummer größer als hier.
Nur eine?
Naja, fünf. Alleine auf dem Trainingsplatz waren fünf Kamerateams. Und die sind da wohl jeden Tag. Ich konnte es mir in dem damaligen Augenblick sportlich vorstellen, nach Mailand zu wechseln. Sicherlich wäre die Chance gering gewesen, dort zu spielen. Aber ich hätte viel lernen können. Aber dann war mir das Risiko doch zu groß. Vielleicht wäre ich ausgeliehen worden, dann wäre ich vielleicht ein paar Jahre durch Italien getingelt. Und jetzt, da Trainer Mourinho weg ist, hätte ich einen Inter-Coach vorgefunden, der mich nicht geholt, vielleicht nicht auf mich gesetzt hätte.
Das Geld lockte nicht über die Maßen?
Ich hätte dort sehr viel verdienen können, aber das war es mir nicht wert.
Aber auch beim FSV Mainz 05 ist gerade auf der Innenverteidigerposition die Qualität der Kandidaten groß. Es wird Millimeterentscheidungen geben zwischen Niko Bungert, Bo Svensson, Jan Kirchhoff und Ihnen um den Platz neben Nikolce Noveski, den man zurzeit als gesetzt betrachten muss.
Dieses Jahr wird es schwer zu spielen. Aber damit habe ich kein Problem. Ich habe kein Problem damit, mir in der zweiten Mannschaft Spielpraxis zu holen und auf Kurzeinsätze bei den Profis zu setzen. Ich kann auch hier sehr viel von den Routiniers lernen.
Was denn?
Die Ruhe am Ball, die Abgeklärtheit, wenn Nikolce Noveski oder Bo Svensson angelaufen werden.
Sie haben neben dem Stress als A-Junior auch Ihr Abitur an der IGS in Bretzenheim gebaut. Mit welcher Abschlussnote?
2,6. Ganz okay für einen Fußballer.

