Mainz 05 in Flachau, Tag 8: Michels und Tuchel tauschen sich ständig aus
29.07.2010 - FLACHAU
Von Jens Grützner
Arno Michels hatte schon einen aufregenden Start beim FSV Mainz 05. Schließlich heuerte der 42-Jährige in der vergangenen Saison in der Woche vor dem Sieg des damaligen Bundesliga-Aufsteigers gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München am dritten Spieltag an. „Es ist ein aufregendes Jahr gewesen, das man nur schwer in ein paar Sätzen zusammenfassen kann“, sagt der Co-Trainer. Michels versucht es trotzdem und guckt anschließend nach vorne.
Beim Trainerlehrgang auf der Kölner Sporthochschule hatten sich Chefcoach Thomas Tuchel und Michels kennen und schätzen gelernt. Nachdem Tuchel in Mainz am 5. August 2009 das Ruder übernommen hatte, benötigte er einen verlässlichen Partner, an dem und mit dem er wachsen konnte. Die Wahl fiel schnell auf den früheren Trierer. Die Erfahrung Bundesliga schweißte sie zusammen. „Man verbringt sehr viel Zeit zusammen. Wir haben deutlich mehr Arbeitsstunden absolviert als zuvor, aber es macht auch unheimlich viel Spaß“, sagt Michels.
Ständiger Austausch
Die beiden befinden sich in einem ständigen Austausch. Es geht immer um Trainingsinhalte, Spieler, Spiele. Es gibt auch keine Tabuthemen. Michels: „Wir äußern immer unsere Meinung und vertreten unsere Standpunkte.“ Sie sind bereit, sich auf den anderen einzulassen. Und das ist auch ein Erfolgsrezept des FSV Mainz 05. „Wir hinterfragen uns immer“, betont der 42-Jährige. Dass eine Freundschaft zwischen den Familien Michels und Tuchel entstand, ist ein verstärkendes Element.
Als der 36-jährige Thomas Tuchel zu Beginn der vergangenen Saison bereit war, die Spielsysteme häufig zu wechseln - von 4-2-3-1 zu 4-1-4-1, von einer Dreier-Abehrkette in Bochum zu einem 4-4-2 - und als er im Hinrundenspiel gegen Hertha BSC Berlin den damals erst 18-jährigen Adriano Grimaldi ins Geschehen warf - der per Vorlage den 2:1-Siegtreffer von Aristide Bancé ermöglichte - da zuckte Arno Michels kurz. „Das fand ich sehr mutig“, sagt er. In diesen Fällen hätte er konservativer gedacht. In der Rückrunde und auch jetzt im Trainingslager in Flachau waren und sind Systemwechsel aber nicht mehr das große Thema „Jetzt sind die Prinzipien, nach denen die Spieler agieren, entscheidender“, sagt der Co-Trainer. Deren Flexibilität führt dazu, dass die Grenzen zwischen den Systemen fließend sind. Neun Wochen Vorbereitung sind eine lange Strecke. „Ich bin froh, dass wir noch ein paar Wochen für Feinheiten vor dem Saisonbeginn zur Verfügung haben“, sagt Arno Michels. Zwar befinde sich die Mannschaft auf einem guten Weg, „aber es geht um Automatismen.“ Und es benötigt nun mal Zeit, bevor diese sitzen.
Durch den Urlaub zwischen den großen Vorbereitungsblöcken sei gewährleistet gewesen, dass „die Jungs eine höhere Konzentration mitbringen. Für den Kopf war die Unterbrechung sehr wichtig“, sagt Michels. „Und ich denke, dass wir die Vorbereitungszeit sehr abwechslungsreich gestalten.“ Die Größe des Mainzer Kaders stimme. „Panathinaikos Athen hatte bei unserem Testspiel ja noch zehn Spieler auf der Tribüne sitzen“, sagt Michels. Bei einem so großen Kader ist eine durchaus nötige individuelle Betreuung nicht mehr möglich.
Positive Signale
Um die Arbeit im Mainzer Trainerteam zu perfektionieren, könnte sich Arno Michels noch die Ankunft eines Videofachmannes vorstellen. Thomas Tuchel verlängerte seinen Vertrag am Bruchweg vorzeitig um zwei Jahre. Bei Michels steht ein solcher Schritt noch aus. „Es gibt positive Signale“, sagt er. „Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten Wochen mit Manager Christian Heidel darüber spreche.“ Alles andere als eine Vertragsverlängerung wäre nicht nachzuvollziehen.

