Mainz 05 in Flachau, Tag 7: Babangida mag den Ball zu sehr
28.07.2010 - FLACHAU
UMSTELLUNG 05-Stürmer muss seine Mentalität verändern
(grü). Als die Fußballer der spanischen Nationalmannschaft am 11. Juli in Südafrika den Weltpokal in die Luft stemmten und sich über den ersten WM-Titel ihres Landes freuten, saß Haruna Babangida vor dem Fernseher und entdeckte viele bekannte, ihm sehr vertraute Gesichter: „Ich habe zusammen mit Iniesta, Xavi, Puyol und Piquet gespielt“, sagt der 27-jährige Sommerzugang des FSV Mainz 05. Allerdings liegt diese Zeit in „La Masia“, dem Bauernhof, Jahre zurück. Im Internat des FC Barcelona, Mitte der 90er, war das. Damals schnupperte Babangida als Teenager an der großen Fußballluft. Er trainierte oft mit der ersten Barca-Mannschaft. Doch er packte den Sprung nicht - „wie viele andere“, betont er.
Jetzt versucht sich der Nigerianer nach seiner Zeit beim russischen Zweitligisten FC Kuban Krasnodar am Bruchweg. Zwischen Barcelona und Mainz liegen mehr oder weniger zufriedenstellende Stationen: die spanischen Zweitligisten Terrassa und Cadiz, Metalurg Donezk in der Ukraine, Olympiakos Piräus und Apollon Limassol in Griechenland und auf Zypern sowie Krasnodar.
Beim zurückliegenden Testspiel gegen den griechischen Meister Panathinaikos Athen im Trainingslager in Flachau spielte Babangida 90 Minuten. Zunächst setzte ihn Chefcoach Thomas Tuchel hinter der Spitze Petar Sliskovic auf der Zehnerposition ein, nach 60 Minuten wechselte er in den Angriff. In der 36. Minute erzielte er nach einem nicht geahndeten Handspiel das 1:0 beim 2:0-Erfolg. Chefcoach Thomas Tuchel: „Es war ein Schritt nach vorne für ihn. Er ist ein erkennbares Teammitglied.“
„Mir geht es gut hier“, sagt Babangida in gutem Englisch. „Ich trainiere, trainiere, trainiere. Das Training ist härter als alles, was ich vorher kannte. Aber: Ich bin gesund.“ Und weil das Mainzer Trainerteam darauf achte, dass immer ein Ball mit dabei sei, „macht es auch Spaß“. Tatsächlich trägt der kleine Mann immer ein Lächeln im Gesicht. Als Stoßstürmer Aristide Bancé noch im Trainingslager weilte, teilten sich die beiden Afrikaner ein Zimmer. Wobei sich der Nigerianer und der Burkiner verbal nicht richtig verständigen konnten. Der wegen einer Kniereizung abgereiste Bancé spricht nur Französisch - das versteht Babangida aber gar nicht. „Mit Händen und Füßen klappte die Verständigung“, so der 1,70 Meter kleine neue 05er. Mit dem 1,92 Meter langen Bancé gab er immer ein schönes Bild ab.
Haruna Babangida sieht sich nicht als klassischen Stürmer. „Ich gebe mehr Assists“, sagt er. Und als er in der 35. Minute gegen Panathinaikos gen Tor strebte und sich auf einmal eine Lücke zum Schuss auftat, da zog er auch nicht ab, da guckte sich der Nigerianer um, wartete - und spielte dem aufgerückten Miroslav Karhan in den Rücken. Chance vertan. Aber Babangida hatte auch gute Szenen. Dann düste er mit der Kugel quer über den Platz, suchte und fand Abnehmer.
„Ich mag den dauernden Kontakt mit dem Ball“, sagt er. Und das ist gleichzeitig die Krux. „Der Trainer sagt, dass ich schneller abspielen soll. Es fällt mir nicht leicht. Ich muss meine Mentalität verändern“, sagt der 27-Jährige. Ein schwieriger Prozess. „Aber ich akzeptiere natürlich, dass man alles für die Mannschaft tun muss.“ Der Spielstil in der Bundesliga unterscheidet sich aus Babangidas Sicht fundamental von den ihm bislang bekannten. „Leider wird hier nicht so viel im 4-3-3-System gespielt“, sagt er. Da bin ich bislang links oder rechts in der ersten Reihe zu Hause gewesen.“

