Von Rüdiger Lutterbach
Am Mittwoch vergangener Woche stattete der FSV Mainz 05 Bo Svensson mit einem neuen Zwei-Jahres-Vertrag aus – keine Selbstverständlichkeit für einen 31-Jährigen. Vier Tage später bedankte sich der Innenverteidiger für das in ihn gesetzte Vertrauen: Mit seinem ersten Saisontor bescherte der Däne dem Aufsteiger einen zwar glücklichen, aber extrem wertvollen 1:0 (1:0)-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach – einen Sieg, den die 05er allerdings teuer bezahlen müssen: Für Kapitän Tim Hoogland ist die Saison wegen einer schweren Knieverletzung vorzeitig beendet.
Hoogland muss operiert werden
Hoogland zog sich in der 39. Minute ohne Fremdverschulden einen Korbhenkelriss, einen Außenminiskusriss und einen leichten Einriss des Innenbands im rechten Knie zu. Er wird am Dienstag in Straubing operiert. Für den zum Saisonende zum FC Schalke 04 wechselten Mittelfeldspieler dürfte die Partie gestern das Abschiedsspielim 05-Trikot gewesen sein.
Doch die Mainzer stecken diesen Schock gut weg: Nur vier Minuten nach Hooglands Ausscheiden zirkelte Elkin Soto, einer der stärksten 05er an diesem Nachmittag, eine Ecke von links genau auf Neuzugang Malik Fathi, dessen Kopfball lenkte Borussen-Keeper Logan Bailly mit einer spektakulären Parade an die Querlatte. Marco Reus versuchte vergebens, die zurückspringende Kugel aus der Gefahrenzone zu schlagen, so dass Svensson am langen Pfosten aus zwei Metern abstauben konnte – die Entscheidung vor 20300 Zuschauer im ausverkauften Bruchwegstadion wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff. „Super, die Woche hätte für mich persönlich nicht besser laufen können“, freute sich der Matchwinner.
Mainz leidenschaftlich und kämpferisch
Dass der zweite Rückrundensieg äußert glücklich zustande gekommen war, die Gladbacher zumindest ein Unentschieden verdient gehabt hätten, das störte am Ende niemanden. „Wir waren einfach mal dran, glücklich zu gewinnen. Dafür brauchen wir uns nicht zu entschuldigen“, sagte 05-Trainer Thomas Tuchel und bescheinigte seiner in dieser Saison am Bruchweg weiter ungeschlagenen Mannschaft einen „sehr leidenschaftlichen und kämpferischen Auftritt“. Mit diesem Dreier und den dadurch erreichten 30 Punkten habe man eine „Schallmauer“ durchbrochen – im 05-Lager zweifelt nun wohl keiner mehr am Klassenerhalt. Und Tuchel war froh, „dass wir die Umstellungen und die Hoogland-Verletzung so gut weggesteckt haben“. Denn neben Fathi feierte mit Radoslav Zabavnik auch der zweite Last-Minute-Zugang der Winter-Wechselperiode sein Debüt im 05-Trikot. So waren beide Außenverteidiger-Positionen neu besetzt. „Beide haben ihre Sache gut gemacht“, lobte Tuchel.
Während die Mainzer Fans ihre Sieger auf dem Zaun vor der Südtribüne feierten, schlichen die Gladbacher mit hängenden Köpfen vom Feld. „Ein absurdes Ergebnis. Bevor die Mainzer in Führung gehen, hätten wir schon mit 3:0 vorne liegen müssen. Wir waren die deutlich bessere Mannschaft“, haderte Borussias Außenverteidiger Tobias Levels. Allein Raul Bobadilla, eine Woche zuvor beim 4:3-Erfolg gegen Werder Bremen noch zweifacher Torschütze, vergab im ersten Abschnitt drei Möglichkeiten, die zu Toren hätten führen können, vielleicht sogar müssen. Zweimal scheiterte der Argentinier am glänzend reagierenden 05-Torhüter Heinz Müller (4. und 42.), einmal gab er Müller das Nachsehen, traf aber nur das Außennetz (15.).
Frontzek: "Sehr bitteren Niederlage“
Chancen dieser Qualität hatten die Mainzer so gut wie keine – weder vor, noch nach der Pause. Aber sie verteidigten die glückliche Führung mit allen Mitteln – und Erfolg, weil die Gladbacher zwar den besseren Fußball spielten, aber vor dem Mainzer Tor jegliche Effektivität vermissen ließen. So drosch Marco Reus in der 79. Minute den Ball aus halb linker Position freistehend am langen Pfosten vorbei. „Ich kann meiner Mannschaft eigentlich keinen Vorwurf machen. Sie hat ein sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt und fünf, sechs hochkarätige Möglichkeiten gehabt, die wir aber nicht nutzten konnten“, resümierte der Gladbacher Trainer Michael Frontzek und sprach von einen „sehr bitteren Niederlage“.


Tuchel etc.
In meinen Augen ist Tuchel ein überaus intelligenter Trainer. Die Saison begann mit technisch hochwertigem und effektivem Fussball. Was habe ich mir die Augen gerieben, als ein Hoogland und auch ein Bance plötzlich sogar Bayern spieler ausgetrickst haben und ein Tor schöner als das andere war. Aber warum war das so? Richtig, weil die gegner die Mainzer mal machen haben lassen. Wir wurden doch von allen Mannschaften unterschätzt und deswegen gingen sie nicht in die Zweikämpfe, wir konnten kombinieren und gewannen die Spiele. In der Rückrunde ist das alles nicht mehr so einfach, die Gegner kennen die Qualitäten und auch deshalb hat Tuchel ein wenig umgestellt und den Fokus auf Kampf gelegt, denn mit Schönspielerrei hätten wir gegen Gladbach beispielsweise niemals 3 Punkte eingefahren.
Kritik zu äußern gehört dazu, aber vielen fehlt einfach der Blick über den Tellerrand. Ich könnte fast wetten, wenn wir 40 Punkte haben und die Int. Plätze unnerreichbar sind, wird Tuchel wieder offensiver und damit schöner spielen lassen. Derzeit wäre es schlicht und ergreifend die falsche Taktik.
Mich ärgert allerdings auch, dass einfache Auswärtsspiele einfach weggeworfen werden. Ggn. Köln beispielsweise wäre weit mehr drin gewesen, die Kölner waren ähnlich schwach wie die Mainzer an dem Tag und mit ein paar herausgearbeiteten Chancen hätte man wohl ein Unentschieden oder gar einen Sieg landen können. Solchen Spielen trauere ich nach, davon gab es einige in der Hinrunde.