Mainz 05: Bo Svensson vor denkwürdiger Rückkehr nach Mönchengladbach
06.12.2012 - MAINZ
Von Dennis Rink
Bammel? Nein. Angst? Nein. Ein flaues Gefühl im Magen? Schon eher. Am Sonntag kehrt Bo Svensson an jenen Ort zurück, an dem vor fast genau einem Jahr seine Karriere ins Wanken geriet. Bei der 0:1-Niederlage des FSV Mainz 05 bei Borussia Mönchengladbach am 18. Dezember 2011 riss sich der Däne das Kreuzband. Ein halbes Jahr Pause, unzählige Stunden in der Reha – „gedanklich war ich in dieser Zeit vielleicht auch bei meinem Karriereende“, gibt der 33-Jährige zu. Nun, im Dezember 2012, läuft er wieder im Borussia-Park auf. „So ist das halt. Ich denke nicht, dass so eine Verletzung zweimal passieren wird.“
Aus diesem Grund werde er die Erinnerungen auch nicht mit in das Spiel nehmen, „aber Gedanken werde ich mir schon darüber machen.“ Dabei hat sich Svensson zurückgekämpft. In den Kader, in die Mannschaft, in seine Karriere. Seit der Kreuzbandverletzung von Niko Bungert ist der Däne, der seit 2007 beim FSV spielt, Stammkraft in der Mainzer Viererkette und gehörte in den letzten Wochen zu den besten Nullfünfern. „Ich habe nicht daran geglaubt, dass es so kommen würde“, sagt Svensson, der seinen Vertrag im Sommer mehr als Back Up bis 2013 verlängert und sich schon mit einer anderen Rolle abgefunden hatte.
Stabil und souverän
Mit seiner bodenständigen Art, seinem feinen Humor und seiner Erfahrung sollte der für das Mannschaftsklima so wichtige Routinier den guten Geist in der Truppe fördern und die jungen Spieler führen. Das tut Svensson auch, aber nicht mehr als Reservist, sondern als fester Bestandteil der viertbesten Abwehr der Liga. Vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen (2:2) setzte er sich gegen den damals formschwachen Jan Kirchhoff durch. Seither steht sein Stammplatz gar nicht mehr zu Diskussion, so stabil und souverän präsentiert sich der Däne.
Aber Bo Svensson hat sich verändert. Seine schweren Verletzungen haben dem Dänen gezeigt, dass ein gesunder Körper nicht selbstverständlich ist. Er genießt jede Minute auf dem Feld. „Durch solche schwierigen Phasen lernt man eine Menge“, sagt Svensson. „Ich denke schon, dass ich lockerer geworden bin. Ich freue mich, wenn ich mich so fühle wie im Moment, schmerzfrei bin, Spaß am Fußball habe und wir dazu noch gute Ergebnisse einfahren.“
Fokus vollkommen auf den Spielen
Das alles seien auch Faktoren, die in seinen Überlegungen eine Rolle spielen, ob er seinen Vertrag doch noch einmal verlängert oder zurück in seine Heimat Dänemark geht. „Die Voraussetzung ist aber, dass ich fit bleibe“, sagt Svensson. „Dann schauen wir, wie es aussieht in den nächsten Monaten. Ich muss ehrlich sagen, darüber mache ich mir im Moment gar keine Gedanken.“ In diesen Worten klingt die Erfahrung und Gelassenheit eines Mannes mit, der in seiner Karriere schon viele Tiefschläge überwunden hat. Mittlerweile saugt er jeden gewonnenen Zweikampf in der Bundesliga auf wie ein trockener Schwamm. „Ich habe meinen Fokus vollkommen auf den Spielen, die jetzt kommen und bin froh, dass ich fit bin und der Mannschaft helfen kann“, sagt Svensson.
Deshalb gilt seine Konzentration auch voll und ganz der Partie gegen seinen Ex-Verein Mönchengladbach. Von 2006 bis 2007 spielte Svensson bei den „Fohlen“ und hat großen Respekt vor dem Team von Trainer Lucien Favre. „Sie haben eine sehr gute Mannschaft und spielen ja auch in der Europa League“, sagt Svensson. „Wir sind aber in den letzten Spielen sehr stabil aufgetreten. Wenn wir von der Leistung her an diese letzten Spiele herankommen, haben wir auch in Gladbach gute Chancen, etwas mitzunehmen.“ Und drei Punkte würden Bo Svensson sicher auch von den Erinnerungen an seine schwere Verletzung ablenken.



