05-Manager Heidel nach Aus in Kiel: "Heutige Niederlage gehört zu bittersten"
21.12.2011 - KIEL
Von Jens Grützner
Christian Heidel hat als Manager des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 schon einige bittere Pokalniederlagen erlebt. Diese hatten meist das Aus in der ersten Runde zur Folge. „Die heutige gehört zu den bittersten, weil sie im Achtelfinale passierte“, sagte Heidel im Anschluss an das 0:2 beim Nord-Regionalligisten Holstein Kiel. 1,2 Millionen Euro alleine an Fernsehgeld sind dem FSV durch das Aus im Norden durch die Lappen gegangen. „Für den Verein ist dies ein enormer wirtschaftlicher Verlust“, so der 48-Jährige.
Es ist aber auch – vielleicht vor allem - ein Imageschaden. Ein Erstligist unterliegt bei einem Viertligisten. Und wie. „Wenn ich das Spiel zusammenfasse, konnte es heute nur einen Sieger geben. Der hieß Holstein Kiel“, betonte Christin Heidel. „Sie waren in allen Belangen besser als wir, dem 3:0 näher als wir dem 2:1.“ Der Mainzer schüttelte immer wieder leicht den Kopf und zog den Schal enger. „Normalerweise spielen nur charakterlose Mannschaften so wie wir heute“, sagte Heidel. „Weil ich aber weiß, dass wir keine solche Mannschaft sind, muss sich jeder Gedanken machen, der auf dem Platz gestanden hat.“
Der 05-Funktionär ortete das Problem in den Hinterköpfen der FSV-Profis. „Die Hälfte der Mannschaft sitzt morgen im Flieger Richtung Urlaub. Daran haben die meisten wohl schon gedacht.“ Das dürfe aber auf keinen Fall sein. „Die haben hier bis zum letzten Tag ihren Job zu erledigen. Was wir geboten haben, war nicht erst-, nicht zweit-, nicht drittligawürdig.“
Trotz Kritik: Manager sieht kein grundsätzliches Problem
Dass die Mainzer erneut an Harmlosigkeit kaum zu überbieten waren – wie in den vergangenen vier Bundesliga-Partien – wollte der Mainzer Manager nicht zum Thema machen. „Wir haben gegen Bayern München drei Tore geschossen. Ich sehe da kein grundsätzliches Problem. Wir hatten auch heute kein Sturmproblem, es waren 14 Männer schuld an diesem Ausscheiden. Und diese Niederlage tut mir viel mehr weh als das Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen Medias. Das war heute ein Rausreißer, mit dem ich nicht gerechnet habe. Das muss ich erst einmal verdauen.“
Heidel hatte sich nach dem Schlusspfiff in die Kabine begeben und die Profis aufgefordert, sich in Mannschaftsstärke den 900 mitgereisten Fans zu stellen. Zuvor hatten dies nur Elkin Soto, Nikolce Noveski, Sami Allagui, Nicolai Müller, Zdenek Pospech und Eric Maxim Choupo-Moting in Eigenregie getan, in Winterdecken gehüllt. „Das waren wir ihnen schuldig“, sagte Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger. „Es war eine miserable Leistung von uns, das mussten wir zugeben.“ Kapitän Nikolce Noveski: „Die Fans sind so lange gefahren, um so etwas zu erleben.“ Kopfschütteln.
Die Frage nach dem warum wusste der Österreicher Baumgartlinger nur ein bisschen zu beantworten. „Wenn du nach fünf Minuten bei einem Gegner hinten liegst, der tief steht, dann weißt du, dass es schwer wird. Wir haben dann immer mehr verkrampft. Aber trotzdem ist es ein Ding der Unmöglichkeit, dass wir hier keine Chance erspielen.“ Bis auf die Torschüsse von Mario Gavranovic (71.) und Nicolai Müller (89.) kam nichts halbwegs Gefährliches auf den Kasten von Morten Jensen. Die sicherlich nicht guten Platzbedingungen taugten keinesfalls als Ausrede. Zdenek Pospech: „Wir haben dumme Fehler gemacht. Und hier muss man halt auch kämpfen.“
Die Kieler kämpften. Sie spielten aber auch wesentlich besser und waren immer flinker – eben hellwach. Tim Siedschlag, Wegbereiter des frühen Kieler 1:0: „Wir wussten, dass wir Fußball spielen können. Dass es gegen einen Erstligisten geht, wussten wir vor heute nicht.“ Nach der Pause hätten die Mainzer Siedschlag zufolge etwas Druck aufgebaut, doch dieser verpuffte angesichts des Unvermögens, Möglichkeiten heraus zu kombinieren. „Wir wussten, dass wir hinten gut stehen“, so der Kieler weiter. Schließlich hatten sie auch in den ersten Pokalrunden gegen die Zweitligisten Cottbus und Duisburg zu null gewonnen. Das macht die Niederlage für die Mainzer aber keinen Deut besser.

