Hausmannskost gegen Extraklasse
20.02.2012 - KAISERSLAUTERN
Von Bardo Rudolf
1. FC KAISERSLAUTERN Niederlage steht früh fest / Gladbachs Herrmann bricht sich das Schlüsselbein
Zur Grundausstattung eines Fans des 1. FC Kaiserslautern bei einem Heimspiel gehören drei Dinge: ein FCK-Trikot, ein FCK-Schal und ein Taschentuch. Mit diesem wird traditionell in den Schlussminuten gewunken, wenn die Fans auf der Westtribüne den Toten-Hosen-Hit „Auf Wiedersehen“ anstimmen, um damit einen Sieg zu feiern. Doch zuletzt kamen die Taschentücher im Oktober beim 1:0-Erfolg gegen Freiburg zum Einsatz. Mit der Folge, dass die Pfälzer inzwischen auf dem Relegationsrang 16 festsitzen. Und auch am Samstag bei der 1:2 (0:2)-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach wussten die Fans schon früh, dass sie erneut die Taschentücher höchstens zum Nasenputzen gebrauchen konnten.
Zwei herrlich herausgespielte Gladbacher Kontertore durch Patrick Herrmann (9.), der sich später einen Schlüsselbeinbruch zuzog und deshalb mindestens sechs Wochen ausfällt, und Juan Arango (14.) raubten den Pfälzern schon früh die Hoffnung auf das Ende der Sieglos-Serie. Erst nach einem Traumtor von Leon Jessen per Sonntagsschuss (63.) keimte bei den Gastgebern noch einmal Hoffnung auf, zumindest einen Punkt mitzunehmen. Doch nach zwei guten Ausgleichs-Möglichkeiten des eingewechselten Dorge Kouemaha (68., 69.) hatte sich die beste Defensive der Liga wieder gesammelt und ließ fortan keine Torchance mehr zu.
„Wir haben heute gegen Extraklasse sowohl in der Offensive als auch in der Defensive gespielt“, sagte FCK-Trainer Marco Kurz. Vor allem Borussen-Innenverteidiger Dante überzeugte einmal mehr mit seiner Übersicht und Kopfballstärke und zeigte damit, warum der FC Bayern München an seiner Verpflichtung Interesse haben soll. Laut Medienberichten ist diese sogar schon perfekt, eine Bestätigung liegt aber noch nicht vor.
An Kaiserslauterer Spielern haben die Münchner aktuell hingegen kein Interesse. Gegen die Borussen rückte vor 45 661 Zuschauern auch keiner von ihnen in den Mittelpunkt. Erneut erspielten sich die Pfälzer nur wenige Torchancen. Die größte war ein Freistoß von Pierre de Wit, der an der Latte landete (11.). „Es war natürlich schade, dass wir so früh die Gegentore kassieren“, sagte Innenverteidiger Jan Simunek. „Dabei haben wir noch in der Besprechung gesagt, dass sie so spielen, dass sie von außen in die Mitte ziehen. Leider waren wir nicht dabei.“
Und so verfehlte der 0:2-Rückstand bei den Pfälzern nach einem engagierten Start nicht seine Wirkung. Erst mit der Einwechslung von Kouemaha (60.), der seine Verletzung aus dem ersten Rückrunden-Spiel überraschend früh überwunden hatte, und dem Anschlusstor von Jessen („Der Ball kam gut, da habe ich gedacht: Warum nicht schießen?“) übernahmen die Pfälzer das Kommando. „Die Leistung der zweiten Halbzeit ist das Ziel. So müssen wir von Anfang an spielen“, sagte Jessen. Und sein Mitspieler Florian Dick erklärte: „Wenn man die Entwicklung sieht, ist das etwas, auf das man aufbauen kann.“
Wenig hilfreich bei der Aufholjagd war hingegen der extrem holprige Rasen im Fritz-Walter-Stadion, der ein Kombinationsspiel enorm erschwerte. „Wir waren froh, dass wir die zwei Tore so früh gemacht hatten. Denn der Rasen wurde im Spiel noch schlechter“, sagte der Borusse Tony Jantschke, und sein Mitspieler Roman Neustädter zeigte sich anfangs „geschockt“ über die Qualität des Platzes. „Aber das ist letztlich reine Kopfsache“, schob der Ex-Mainzer hinterher.
Den Handlungsbedarf hat aber auch Marco Kurz erkannt. „Ich lade Sie mal auf unseren Trainingsplatz ein, da finden Sie den Rasen im Stadion hervorragend“, scherzte er auf die Frage nach dem Zustand des Platzes, schob aber hinterher: „Ein Wechsel der Felder ist angedacht, aber die Jahreszeit lässt das aktuell noch nicht zu.“ Bleibt also nur die Hoffnung auf besseres Wetter - womit die FCK-Fans ihre Taschentücher auch seltener für laufende Nasen gebrauchen müssten.

