Von Lutz Eberhard
Realität ist ein 1:1 in Dortmund und Abstiegsplatz / Systemveränderung ohne große Wirkung
DORTMUND Der fünfte Auswärtspunkt für Fußball-Erstligist Mainz 05 reicht nicht, um die Abstiegsränge zu verlassen. Gegen ein ganz schwaches Team von Borussia Dortmund war vor 66 200 Zuschauern mehr drin als das 1:1 (1:0), nicht nur wegen des verschossenen Foulelfmeters von Zidan.
"Die Jungs haben das Gefühl, etwas gewonnen zu haben", meinte 05-Trainer Jürgen Klopp nach dem hart erkämpften Unentschieden im Signal Iduna Park in Dortmund. Doch es war kein großes Fußballspiel im größten WM-Stadion des Landes. Gellende Pfiffe für die Gastgeber, jubelnde Gäste - so richtig hilft keiner Mannschaft diese Punkteteilung. Mainz 05 steht weiter auf einem Abstiegsplatz, und das nächste Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach rückt ins Blickfeld: Es bleiben noch zehn "Endspiele", die die Mannschaft selbst so tituliert hat. Der von den Nullfünfern selbst ausgerufene Saisonneuanfang gelang aber nur bedingt, vor allem in der ersten Halbzeit lief nicht viel beim auswärtsschwächsten Team der Liga zusammen. Dies lag sicherlich nicht nur an mangelndem Selbstbewusstsein. Es war den Mainzern nach den Besinnungstagen von Nierstein anzumerken, dass sie zeigen wollten - wir sind noch nicht verloren, wir stemmen uns gegen den Abstieg. Doch die Umsetzung funktionierte nicht. Die neue Taktik mit einem Vierer-Mittelfeld in Rautenform, davor zwei bewegliche Stürmer, griff nicht. Michael Thurk als Station hinter den Spitzen Mohamed Zidan und Niclas Weiland griff nicht sofort. Erst im zweiten Spielabschnitt konnten die Mannen von Trainer Jürgen Klopp die Dortmunder phasenweise beeindrucken. "In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert", analysierte BVB-Coach Bert van Marwijk. "Dann haben wir dem Gegner die Chance gegeben und waren beim Tor und Elfmeter verunsichert. Ich bin unglaublich enttäuscht über das Ergebnis. Wir haben zwei Punkte gelassen. Es sagt viel, wenn Mainz zufrieden ist. Das 1:1 ist verdient", sagte der Holländer, der weiß, das sein Klub von europäischen Zielen weiter entfernt ist, als dies sogar die Tabelle ausdrückt. Für Jürgen Klopp standen die positiven Aspekte im Vordergrund. "Das ist ganz bestimmt ein Neuanfang. Wir waren nah dran an einem Auswärtssieg", betonte der 38-Jährige. Handspiel von WörnsMainz 05 wurde natürlich auch durch das 1:0 der Dortmunder aus dem Tritt gebracht. Schiedsrichter Babak Rafati gab den Treffer durch Christian Wörns, obwohl der den Ball zuvor mit der Hand berührt hatte. Der BVB-Verteidiger, in Dortmund als Heilsbringer des deutschen Fußballs für die WM gefeiert, machte sicherlich kein schlechtes Spiel - aber WM-tauglich agierte an diesem Samstagnachmittag kein Profi. In der Pause hatte Klopp seine Mannschaft dazu aufgefordert, mutiger und entschlossener aufzutreten. Der Ausgleich von Michel Thurk war ein Dokument dafür, da griff das neue System, der 05-Angreifer Thurk war nah dran am Geschehen und vollstreckte, sein achter Saisontreffer. Mit Otto Addo und Conor Casey hatte Klopp Alternativen zum Einwechseln, die dem eigenen Spiel gut taten. Der verschossene Elfmeter von Mohamed Zidan schmerzt, Thurk war von BVB-Verteidiger Markus Brzenska umgerissen worden. Der Ägypter setzte den Auswärtserfolg an den Pfosten. 05-Trainer Jürgen Klopp baut vor allem auf die zweite Halbzeit auf. "Das war ein sehr intensives Spiel. Auch Zidan hat von der ersten zur zweiten Halbzeit einen Riesensprung gemacht." Aber nicht alle Mainzer konnten sich steigern, Niclas Weiland und Benjamin Weigelt (im nächsten Spiel wegen fünfter Gelber Karte gesperrt) fielen deutlich ab. Einige Konter hätten im zweiten Spielabschnitt besser genutzt werden können. Aus dem Spiel könne Mainz 05 "viel ziehen", sagte Jürgen Klopp. "Wir haben drei moralische Punkte, wegen der Schiedsrichter-Entscheidung und dem Pfostenschuss", argumentierte der Mainzer Coach. "Ich glaube an Gerechtigkeit. Es wird sich drehen, wenn wir dran bleiben, und das werden wir."

