Riesige Enttäuschung bei der EM in Barcelona für Carolin Hingst
30.07.2010 - BARCELONA.
Von Marcel Friederich
Riesige Enttäuschung für Carolin Hingst: Die Stabhochspringerin vom USC Mainz kam im Finale der Europameisterschaft in Barcelona auf mickrige 4,35 Meter und musste sich im Zwölfer-Feld mit dem elften Platz begnügen. Als europäische Jahresbeste mit 4,72 Meter angereist, konnte sie die realistischen Medaillen-Hoffnungen nicht erfüllen. Es triumphierte die Russin Svetlana Feofanova, die sich mit 4,75 Meter auch die Jahresbestleistung von der Mainzerin schnappte. Silber und Bronze ging an die beiden Deutschen Silke Spiegelburg (Leverkusen) und Lisa Ryzih (Zweibrücken/beide 4,65).
„Ich hatte immer die Höhe, aber keine Tiefe.“
„Ich weiß nicht, was los war“, seufzte Hingst. „Ich hatte immer die Höhe, aber keine Tiefe.“ Damit meinte die 29-Jährige, dass sie stets sehr hoch über die Latte kam. Doch zu keinem Zeitpunkt stimmte ihr Abstand zur Anlage, weshalb sie fast jedes Mal riss. „Mit der Anlage bin ich überhaupt nicht zurecht gekommen. Schon beim Einspringen war ich dreimal viel zu nah beim Einstich. Und ich konnte es heute nicht korrigieren.“ Dabei hatte die Mainzerin den Nachteil, dass sie die Qualifikation auf der anderen Anlage des Olympiastadions absolviert hatte.
„Ich kann jetzt auch gar nicht heulen“, so Hingst, „weil ich weiß, dass ich was drauf habe und hoch springen kann.“ Jedoch sei ihr die Anlage zum Verhängnis geworden. Hinzu kam der unvorhersehbare Wind sowie der Umstand, „dass mein Anlauf nun mal 36,50 Meter lang ist“ – ein Stück länger als bei den meisten Konkurrentinnen – „doch da Stand die Box von der anderen Anlage im Weg. So gab es heute viele Probleme.“
Zitterpartie schon bei 4,35 m
Begonnen hatte Hingst den Wettkampf mit 4,35 Meter, also eine Höhe, die für Europas Jahresbeste überhaupt kein Problem sein dürfte. Aber schon hier zitterte sich die Mainzerin erst im dritten Versuch über die Latte. Bei 4,45 Meter scheiterte sie dann dreimal. Jeweils mit der nötigen Höhe, aber stets mit dem falschen Abstand. Das Aus aller Medaillen-Träume. Eine ganz bittere Pille. „Caro ist einfach nicht in den Wettkampf reingekommen“, sagte USC-Abteilungsleiter Bernd Mühle und ergänzte trocken: „Chance vertan, schade.“ Schließlich hätte Hingst eine Medaille gewonnen, wäre sie in den Bereich ihrer Bestleistung gesprungen. Ausgerechnet ihre Teamkolleginnen Spiegelburg und Ryzih durften sich stattdessen feiern lassen.
Ob Hingst mit dem „Medaillen-Druck“ mental nicht zurechtgekommen sei, „dazu möchte ich nichts sagen“, so Mühle. Doch Fakt ist: Schon häufig ist die Sport-Soldatin mit starken Vorleistungen zu Großereignissen gefahren. Doch in den wichtigen Momenten konnte sie noch nie ihre beste Leistung abrufen. Auch bei der Hallen-WM im Frühjahr war die Mainzerin ohne gültige Höhe geblieben.
Nun fährt Carolin Hingst einmal mehr ohne Medaille nach Hause. Dabei hatten ihr viele Experten, auch der deutsche Cheftrainer Herbert Czingon, eine deutliche Steigerung in Sache Konstanz attestiert. „Caro hat sich enorm weiterentwickelt“, sagte Czingon. „Die komplette Selbstständigkeit im Training hat ihr sehr gut getan.“ Doch ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt lieferte sie ihren schlechtesten Wettkampf ab.

